In den Wiesenter Wäldern: Zehn Windräder sollen sich drehen

Von Thomas Kreissl · 20. März 2024 um 17:30

55 Windräder könnten in den fürstlichen Waldgebieten zwischen Tegernheim und Wörth gebaut werden. Zumindest rein rechnerisch ist diese Zahl laut einer Potenzialanalyse möglich. Das hat Gloria von Thurn und Taxis erst vor wenigen Tagen in einem Interview mit der Mediengruppe Bayern bestätigt. Zehn dieser Windkraftanlagen sollen in der Gemeinde Wiesent entstehen.

Forstbetriebsleiter Raoul Kreienmeier und Marten von Horsten von der Firma Caeli Wind stellten das Projekt am Dienstagabend dem Gemeinderat vor. Es ist das zweite große Windkraft-Projekt, mit dem das Haus Thurn und Taxis jetzt an die Öffentlichkeit gegangen ist. Im Oktober vergangenen Jahres hatte Kreienmeier den Tegernheimer Gemeinderat darüber informiert, dass an der Hohen Linie fünf Windkraftanlagen gebaut werden sollen.

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Das Vorhaben in Wiesent ist deutlich größer ausgelegt. Marten von Horsten präsentierte die Zahlen. Er betreut das Projekt für Caeli Wind, einen digitalen Marktplatz für Windkraftflächen, der sich im Auftrag des Hauses Thurn und Taxis die Waldflächen nördlich der Donau genauer angesehen und bewertet hat. Im Forstmühler Forst nördlich von Ettersdorf sehen die augenblicklichen Planungen auf 423 Hektar Waldfläche ein Potenzial für zehn Windräder mit einer Nennleistung von jeweils 7,2 Megawatt.

Strom für 44600 Haushalte

Das heißt, die zehn Anlagen könnten bei angenommenen 2000 Vollleistungsstunden im Jahr rund 100 Gigawattstunden Strom erzeugen, rechnete von Horsten vor. „Damit könnten 44600 Haushalte versorgt werden“, erklärte er den Gemeinderäten und hatte auch ein Zuckerl für die Kommune parat. Rund 277000 Euro Gewinnabgabe würde im Jahr an die Gemeinden in einem Radius von zweieinhalb Kilometern rund um den Windpark fließen. Der Löwenanteil davon ginge nach Wiesent.

Trotzdem wollten es die Gemeinderäte genauer wissen. Sie waren bereits im Januar in einer nichtöffentlichen Sitzung erstmals über das Projekt informiert worden – damals offenbar noch mit einer größeren Zahl von geplanten Windrädern. Die fällt in den nun vorgelegten Planung geringer aus, was Alfred Stadler von der Freien Arbeiterschaft Wiesent (FAW) als Schritt in die richtige Richtung und zu mehr Akzeptanz in der Bevölkerung wertete. Das bringe auch eine möglichst weite Verlagerung des Windparks nach Westen in Richtung Thiergarten, erklärte er und wünschte sich vor allem eine regionale Wertschöpfung aus dem Projekt.

Ausschreibung für Projektentwickler läuft

„Wir müssen auf regionale Akzeptanz stoßen“, stimmte ihm Kreienmeier zu. Er berichtete, dass intensive Gespräche mit lokalen Energieunternehmen, der Kerl eG und dem Wasserstoffzentrum in Wiesent geführt werden. Zudem versicherte er, dass sich das Haus Thurn und Taxis für Bürgerbeteiligung einsetzen wird.

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Umsetzen müssen das allerdings die Projektentwickler, die letztlich zum Zug kommen und für das eigentliche Genehmigungsverfahren verantwortlich sind. Derzeit läuft dafür die Ausschreibung. Der Vertragsabschluss soll im Mai oder Juni erfolgen. Danach ist eine Bürgerinformation geplant. Wie von Horsten erläuterte, spielt bei der Auswahl des Projektwicklers nicht nur die monetäre Sicht eine Rolle, sondern vor allem auch die Möglichkeiten zur örtlichen Teilhabe und sowie Referenzen und Erfahrungen des Bewerbers.

0,5 Hektar für ein Windrad

Schonende Waldeingriffe kündigte Kreienmeier auf Anfrage von Daniel Buchhauser (CSU) bei den Baumaßnahmen an. Seinen Worten zufolge muss für die reinen Baumaßnahmen für ein Windrad etwa ein Hektar Nutzwald weichen. Langfristig sind pro Windrad rund 0,5 Hektar Fläche erforderlich. Als Baustraßen können seinen Angaben zufolge weitgehend die schon vorhandenen Forstwirtschaftswege genutzt werden. Darunter sollen auch die erforderlichen Kabel verlegt werden.

Andreas Ketterl (CSU) wollte wissen, welche Mindestabstände zur Wohnbebauung vorgesehen sind. Bis zum Rand des Potenzialgebiets sind das etwa 800 Meter, informierte Kreienmeier, der darauf hinwies, dass der spätere Rückbau der Anlagen ein zentrales Anliegen ist. Auf Anfrage von Josef Raab (FAW) erklärte er, dass sich das Haus Thurn und Taxis nicht allein auf die Verpflichtung durch die Genehmigungsbehörde verlasse, sondern sich auch selbst den vollständigen Rückbau absichern lasse. „Wir wollen die Flächen später wieder nutzen“, betonte er.

Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher machte zusammenfassend eine überwiegend positive Einstellung zu den Windkraftplänen im Wiesenter aus. „Aber Transparenz ist wichtig“, schrieb sie Kreienmeier und von Horsten ins Stammbuch. Sowohl die Bürgerbeteiligung als auch der Wunsch nach regionaler Wertschöpfung müssten ernst genommen werden.

Druck für den Regionalen Planungsverband

„Wir haben richtig Druck“, gestand Christoph Hüttl vom Regionalen Planungsverband im Wiesenter Gemeinderat. Denn beim Thema Windkraft laufen derzeit zwei Entwicklungen parallel. Zum einen versuchen Projektentwickler Waldflächen für Windpark-Projekte zu finden. Zum anderen ist der Planungsverband dabei, Windvorrangflächen zu definieren.

Der Regensburger Planungsverband hat sich vorgenommen, insgesamt 2,2 Prozent seiner Fläche als potenzielle Vorrangflächen für Windkraft in Betracht zu ziehen. Solange es diese ausgewiesenen Vorrangflächen allerdings nicht gibt, ist der Bau von Windrädern in vielen Waldgebieten grundsätzlich ohne eine übergeordnete Steuerung zulässig. Mehr als 90 Prozent der Kommunen haben mittlerweile Flächen gemeldet, die als Standorte für Windräder in Frage kommen. Sie werden derzeit einer umfangreichen Prüfung unterzogen. „Das ist ein sehr komplexes Verfahren“, betonte Hüttl. Im Sommer soll es einen ersten Entwurf für die Flächen geben, die dann im Lauf des Jahres 2025 beschlossen werden könnten.