Künstliche Intelligenz am Braukessel? Regensburger Traditions-Brauerei setzt auf menschliche Sinne

Von Christian Eckl · 19. April 2024 um 15:59

Nicht nur Krones setzt auf Künstliche Intelligenz, auch Wirtschaftszweige wie die Bierbrauer testen gerade. Belgische Wissenschafter haben nun eine KI mit der chemischen Zusammensetzung von 250 Bieren mit den Geschmackstest von Menschen trainiert. Bei der Traditions-Brauerei Bischofshof, wo auch das Bier der ältesten Klosterbrauerei der Welt hergestellt wird, setzt man auf den menschlichen Geschmackssinn. Aber auch hier halten KI-Techniken Einzug.

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Der Wandel in der Wirtschaft durch den Einsatz von Künstler Intelligenz ist im vollen Gange. Dabei denkt man meist an technische Anlagen, die optimiert werden können oder an Bürotätigkeiten, die künftig von einer KI effizienter erledigt werden. Kaum jemand denkt, dass ein Bereich ebenfalls maßgeblich durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz beeinflusst werden könnte: Die Lebensmittelindustrie. Doch gerade beim Verbrauch, bei der Gesundheit – überraschenderweise aber auch bei einem Lebensmittel, das in Deutschland ein Genussmittel, in Bayern auch eine Art Brotersatz ist, tut sich was: Belgische Brauer setzen KI ein, um den Geschmack zu optimieren. In Regensburg winkt man da noch mit einem sympathischen Lächeln ab – und bestätigt aber, dass der Einsatz von KI natürlich auch in einer Brauerei wie Bischofshof, mit Weltenburger immerhin auch die älteste Klosterbrauerei der Welt, ein Thema ist.

Trends durch Daten erkennen

„Wir setzen derzeit eher im Marketing auf den Einsatz von KI“, sagt Brauereichef Till Hedrich. Dort würden sich gestalterische und kreative Spielräume ergeben, die man in der Brauerei nutzen möchte. Beim Einsatz der KI quasi als Hilfsmittel, um den idealen Geschmack für ein Bier zu finden, da ist man in Regensburg noch skeptisch, aber prinzipiell offen. „Es gibt im Moment beispielsweise einen Trend zu hellem Bier. Das führt dazu, dass viele Brauereien ihr Pils weniger bitter brauen“, sagt Hedrich. Solche Trends durch Daten zu erkennen, das könnte ein KI-Einsatz sein, den sich Hedrich vorstellen kann.

Derweil sorgen Nachrichten aus dem Land, das die größten Brauereien der Welt beherbergt, für Schlagzeilen: An der belgischen Universität Leuven haben Wissenschaftler eine Künstliche Intelligenz mit Daten von Brauereien trainiert. Die Daten stammten von 250 Bieren, auch alkoholfreien. Zum einen speisten die Wissenschaftler die KI mit den chemischen Zusammensetzungen der Biere und brachten sie in Einklang mit den zahlreichen Daten aus den Geschmacksverkostungen. Das Ziel: Den Geschmack finden, der am gefälligsten ist. Hat das Zukunft – auch für eine regionale Brauerei wie Bischofshof?

„Am Strand schmeckt das Bier anders als im Nieselregen“

Darko Zimmer ist Technischer Leiter bei Bischofshof. Er erklärt, wie man dort die eigenen Biere stetig einem Test unterzieht. Er schildert, wie das Bier bei Bischofshof getestet wird. „Es ist sehr kompliziert“, sagt Zimmer und lacht. „Allein die Sinnesorgane des Menschen sind sehr komplex.“ Doch hinzu kommen beim Bierkonsum „immer Emotionen“. Das seien Erinnerungen, aber auch die Grundstimmung. „Wenn man am Strand im Sonnenuntergang ein Bier trinkt, ist die Stimmung eine andere als bei trübem Wetter.“

Blindverkostungen finden regelmäßig statt, sowohl mit Brauern, also Profis, als auch mit Konsumenten. Bischofshof wird auch weiterhin Menschen testen lassen. Erfasst werden die chemischen Analysen der Inhaltsstoffe, die sich Ernte für Ernte auch verändern. „Ich glaube, die Biermatrix ist so kompliziert, dass es schwierig wäre, eine KI Bier brauen zu lassen“, sagt Zimmer. Interessanter wird es laut Hedrich dann, wenn es um Konsumentenverhalten geht. Schon heute weiß man natürlich genau, wo ein Kasten Bischofshof im Supermarkt stehen muss, damit der Konsument ihn wahrscheinlicher kauft.

In der Industrie ist KI längst im Einsatz. Kürzlich stellte der Abfüllanlagen-Hersteller Krones die Anlage Dynafill vor. „Um die korrekte Füllhöhe eines Getränks und damit auch die Qualität des Endprodukts sicherzustellen, ist beim Abfüllprozess höchste Präzision gefragt“, heißt es von Seiten des Konzerns. Durch eine gezielte Regelung des Kesseldrucks kann die Füllhöhe in den Flaschen indirekt gesteuert werden. Doch das, was einfach klingt, sei sehr komplex. Deshalb setzen die Ingenieure von Krones nun KI ein. „Die große Challenge bestand vor allem darin, die technische Basis für die KI-basierte Füllhöhenregelung zu schaffen“, erzählt Philipp Olenberg, Leiter des Bereichs Artificial Intelligence bei Krones. „Hier war das übergreifende Know-how von Krones gefragt“, so Olenberg.

Krones hat ein KI-Team

Abfüllung, und Warenwirtschaft in Brauereien könnten also bald KI-optimiert werden. Ob die Künstliche Intelligenz in Zukunft den Geschmack der Bierkonsumenten besser trifft, wie man in Belgien beweisen will, das weiß im Moment wohl noch niemand. Böse Zungen sagen: Das Bier der belgischen Industriemarken schmecke doch eh alles gleich.

Der Dynafill von Krones funktioniert auch mit Künstlicher Intelligenz. Foto: Marcus Schneider, Krones