Bei Künstlicher Intelligenz menschelt es: AIR will der Regensburger KI-Motor sein

Von Christian Eckl · 26. März 2024 um 10:00

Die Initiative AIR – Artificial Intelligence Regensburg – bündelt Kompetenzen, Start-up-Geist und Wissenschaft in der TechBase. Konkurrenz gibt es dabei nicht, eher eine Vernetzung von Kompetenz, sagen die beiden Verantwortlichen in der TechBase.

Ein Hauch von Silicon Valley weht durch das Foyer in der TechBase. Gegenüber wachsen die Neubauten der OTH aus dem Boden. Die Uni ist in Sichtweite. Ein wenig sieht Regensburg hier oben aus wie die Viertel in Hamburg, in denen sich Start-ups ansiedeln – moderne Architektur, das Restaurant Ontra mit gehobener Küche gleich nebenan. Natürlich gibt es den Cappuccino auch mit laktosefreier Milch.

Vor zehn Jahren wurde der Grundstein für die TechBase gelegt. Bereits 2020 gründete die Stadt Regensburg eine Initiative für Künstliche Intelligenz. Seit der Veröffentlichung von ChatGPT im Herbst 2022 nahm das Thema weiter Fahrt auf. Und seit Oktober vergangenen Jahres liegt die Initiative AIR – die Abkürzung steht für Artificial Intelligence Regensburg – in den Händen der R-Tech GmbH, einem Tochterunternehmen der Stadt. Katja Eichinger und Uwe Pfeil koordinieren die KI-Initiative. Das Netz ist durchaus groß: „Es war der Wunsch da, ein KI-Ökosystem in Regensburg aufzubauen“, sagt Eichinger. Mit dabei sind sowohl KI-Experten von der Uni und von der OTH, aber auch das Cluster Mobility Logistics, das IT-Sicherheitscluster und die Strategische Partnerschaft Sensorik hat sich unter dem Dach von AIR zusammengefunden.

ChatGPT als iPhone-Moment

Für den Laien stellt sich am Ende aber auch immer die Frage: Was kann man eigentlich mit der Innovation anfangen? Seit der Veröffentlichung von ChatGPT ist aber auch technischen Laien klar: Die Möglichkeiten generativer Sprachmodelle sind groß. Leider muss an dieser Stelle nochmals ein Anglizismus stehen: Es habe sich, sagt Eichinger, eine „Working Group“ für „AI in Office and Administration“ gegründet – ausgedeutscht also eine Arbeitsgruppe Künstliche Intelligenz in Büro und Verwaltung. Im konkreten Einsatz ist KI beispielsweise in der Stadtverwaltung lediglich im Rechenzentrum ein, in der Software mit KI-basierten Algorithmen verwendet werden. Das Potenzial wäre groß, das sagt auch die Stadt: „Sowohl Service-Funktionen für Kunden beziehungsweise Bürgerschaft – zum Beispiel über Chatbots, Formularassistent, und so weiter – könnten angeboten als auch Routineaufgaben oder sich wiederholenden Tätigkeiten ressourcenschonend bearbeitet werden“, antwortete eine Sprecherin der Stadt noch Ende Februar.

ChatGPT sei der iPhone-Moment gewesen für KI, sagt Uwe Pfeil. „Jeder hat persönliche Erfahrung mit KI gemacht.“ Doch eigentlich sei die Künstliche Intelligenz schon längst unter uns gewesen. „Das größte Wachstumsfeld sind generierende KIs“ sagt Pfeil. Also dort, wo beispielsweise Texte generiert werden oder auch Bilder und Videos. Doch in der Industrie wird längst KI in der sogenannten Predictive Maintenance, der vorausschauenden Wartung etwa von Maschinen und Anlagen eingesetzt. Durch Ausreißer beispielsweise in der Produktion meldet die KI, dass in absehbarer Zeit eine Reparatur fällig sein wird.

Doch auch beim Thema KI menschelt es. In der TechBase kommen junge Unternehmer mit erfahrenen Forschern zusammen. Eine spannende Idee hat Pfeil erst vergangene Woche gehört: Zwei Gründer und ein Professor an der Universität wollen mit Hilfe von KI überprüfen, ob die Datensicherheit in der Industrieproduktion gesichert ist. Längst ist es für den Menschen schwierig zu überblicken, welche Datenmengen Maschinen abgeben – geschweige denn zu erkennen, wenn diese Daten den Datenschutzrichtlinien nicht mehr entsprechen. Über die AIR-Initiative bringen Eichinger und Pfeil nun die drei Gründer mit einem Sondermaschinenbauer zusammen, der Bedarf haben könnte – und als Pilotkunde fungieren würde.

Natürlich versuchen die beiden AIR-Verantwortlichen auch, die unterschiedlichen Protagonisten aus Wirtschaft und Wissenschaft in Veranstaltungen zusammenzubringen. Am 22. April wird es im Jahn-stadion um das Thema IT-Sicherheit gehen. „Der immer weiter gehende und vermehrte Einsatz Künstlicher Intelligenz definiert das Spannungsfeld zwischen Cyberkriminellen und Verteidigern in der IT-Security neu“, heißt es dazu im Programm. „Auf der einen Seite wird es viel leichter, auch ohne große Fachkenntnisse Angriffe durchzuführen, andererseits erleichtern KI-basierte Verfahren natürlich auch Anomalieerkennung und Abwehr.“ Es besteht also Handlungsbedarf, vor allem in der Wirtschaft. Bereits 2023 fand ein Kongress unter dem Titel „Women in Data Science Regensburg“ statt –am 14., Mai sollen zahlreiche Expertinnen Auskunft über Entwicklungen im Bereich Automatisierung und Maschinenlernen, Datenwissenschaft und automatisierte Transportsysteme geben. Im Oktober folgt die AIR-CON in der TechBase. Hier werden in vier Foren der mögliche Einsatz von KI in den Bereichen Auto, Bau, Start-up und Kreativwirtschaft diskutiert.

Kaum Konkurrenz

„Vernetzen führt zu Vertrauen, Vertrauen führt am Ende zu Projekten“, sagt Pfeil. Konkurrenzsituationen hätten sich noch nicht ergeben, die unterschiedlichen Ansätze würden sich vielmehr ergänzen. Und auch Arbeitnehmer müssten sich laut Eichinger und Pfeil keinesfalls vor KI fürchten. „Vor 30 Jahren haben wir eine Automatisierung in der Industrie erlebt“, sagt Pfeil. Die Angst war groß, dass weniger Arbeitskräfte gebraucht werden würden. Damals seien vielmehr neue Arbeitsplätze entstanden. Produktivitätsgewinnen und eine Reduzierung von Routine-Arbeiten sind die Folge.