Neuer Regensburger Parkhaus-Plan bekommt Applaus

Vertreter der Regensburger Wirtschaft und des Bunds Naturschutz begrüßen, dass die Stadt Regensburg die Planung der Mobilitätsdrehscheibe fortsetzt – aus unterschiedlichen Gründen.
Die Politik schiebt den Parkhausbau am Unteren Wöhrd auf, um das Projekt zu überarbeiten, beerdigt es aber nicht. Dieser Kompromiss bekam nicht nur die große Mehrheit der Stimmen im Planungsausschuss. Am Mittwoch zeigte sich: Er findet auch bei Interessenvertretern, die sich seit Jahren kritisch bis wohlwollend mit dem Projekt beschäftigen, Anklang.
Maria Müller, Geschäftsführerin der Kaufleute-Vereinigung Faszination Altstadt, fand es unverständlich, dass einige Stadträte plötzlich den Bedarf in Frage stellten. „Vor den Kopf gestoßen“ hätten sich die Mitglieder davon gefühlt, nach all den Jahren, in denen sie sich mit der Stadt auf das Projekt Mobilitätsdrehscheibe verständigt hatten – eben wegen des künftigen Bedarfs durch wegen der Verkehrsberuhigung wegfallende Straßenparkplätze in der Altstadt. Am Tag nach der sechsstündigen Sitzung sagte Müller, die persönlich da war, dennoch: „Alles in allem bin ich dennoch froh, dass es zu diesem Beschluss kam, weil alles andere wäre eine Sackgasse gewesen.“
Handel fordert Erreichbarkeit der Altstadt
Die Mehrheit der Mitglieder von Faszination Altstadt sei für die Verkehrsberuhigung des Stadtkerns, auch wenn den Kaufleuten die Erreichbarkeit ihrer Geschäfte wichtig sei. „Die Mehrheit sieht diese Erreichbarkeit mit der geplanten Mobilitätsdrehscheibe gegeben“, ergänzt Müller. Wenn Straßenparkplätze dorthin verlagert werden, schaffe das Platz für mehr Grün und Sitzgelegenheiten, mehr Aufenthaltsqualität. Dass Autofahrer, die ins Zentrum wollen, weiter draußen auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen wie von den Grünen gefordert, hält sie für unrealistisch. „Diese Bewusstseinsänderung kann nicht so schnell erfolgen.“
Kritisch hatte sich zuletzt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg geäußert, eigentlich eine Befürworterin der Mobilitätsdrehscheibe. Alarmiert hatte die IHK der später von der OB als falsch bezeichnete Satz im Bebauungsplanentwurf, Stellplätze im öffentlichen Raum der Altstadt sollten künftig ausschließlich ortsnahen Bewohnern zur Verfügung stehen und die Parkhäuser im Zentrum als auf Anwohner ausgelegte Quartiersgaragen genutzt werden. Jetzt sagte Martin Kammerer, Geschäftsführer des IHK-Gremiums Regensburg: „Die IHK begrüßt die Entscheidung des Planungsausschusses, dass die Stadt das Bebauungsplanverfahren zur Mobilitätsdrehscheibe am Unteren Wöhrd weiterverfolgen soll.“ Die Erreichbarkeit der Altstadt und ausreichend Parkraum seien für den stationären Handel umsatzrelevant. „In der nun gewonnenen Zeit gilt es, eine vernünftige und nachhaltige Abwägung zwischen Verkehrsberuhigung und Parkraumverbesserungen zu finden.“
BN: Wichtige Klimafunktion des Platzes am Alten Eisstadion
Raimund Schoberer, Kreischef des Bunds Naturschutz (BN), sagte: „Dieser Beschluss ist auf jeden Fall ein großer Erfolg.“ Damit reagiere die Stadt auch auf die Bedenken des BN und anderer Verbände. In 14 Jahren an der Spitze des Kreisverbands habe er bisher nicht erlebt, dass ein Bebauungsplan in der Aufstellung noch einmal so neu aufgerollt wird wie jetzt beschlossen.
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Nun sei das Projekt ausdrücklich an die Verkehrsberuhigung der Altstadt gekoppelt und das mögliche Bauvolumen des Parkhauses sei um 60,70 Prozent gesunken, was mehr Platz für Grün schaffe. „Die Klimafunktion der Fläche ist jetzt auch anerkannt in dem Sinne, dass man sie stärken muss.“ Dass das Bebauungsplanverfahren erst in die nächste Runde geht, wenn am 30. Juni 2025 das Jahr endet, in dem die Stadt die Nutzung des bestehenden Parkplatzes auswertet, begrüßt Schoberer ebenfalls. „Wir hoffen natürlich, dass am Ende dort gar kein Parkhaus notwendig ist.“
So kritisch wie eh und je äußerte sich dagegen Wolfgang Bogie, Kreischef des ökologisch orientierten Verkehrsclubs Deutschland über das Vorhaben. „Es gibt keinen Parkdruck, keinen Bedarf und es ist an der falschen Stelle“, teilte er mit.