Mehr Lärm, Verkehr und Staub: Anwohner in Oberkreith fürchten geplante Rodung und die Folgen

Von Oliver Hausladen · 17. September 2024 um 19:00

Die geplante Rodung von etwa acht Hektar Wald für eine Vergrößerung des Industriegebiets Oberkreith bewegt derzeit die Menschen in Roding (Landkreis Cham). Nachdem der Bund Naturschutz eine Unterschriften-Aktion gegen die Rodung initiierte, melden sich nun Anwohner zu Wort, die noch mehr Belastung durch Lärm, Verkehr, Staub und Lichtverschmutzung befürchten.

Lärm, Verkehr, Staub, Lichtverschmutzung – „die Belastung ist jetzt schon kaum erträglich“, berichtet Johann Graf, der in Oberkreith in der Nähe des Industriegebiets wohnt. Bei ihm und anderen Anwohnern ist die Sorge groß, dass sich die Situation noch wesentlich verschlechtert, wenn wie geplant rund acht Hektar Wald für eine Erweiterung des Industriegebiets nach Norden hin gerodet werden sollen.

„Der Wald als Filter würde dann komplett wegfallen“, hat Graf Sorge. 1975 hat er sein Haus in Oberkreith gebaut, damals sei die Lage noch eine ganz andere gewesen: „Bis runter zu den Bahngleisen war Wald“, erinnert er sich. Er habe damit gerechnet, dass dies nicht so bleiben würde, allerdings nicht mit einer Erweiterung der Industrie in diesem Ausmaß. „Die Wohnqualität in Oberkreith würde noch einmal massiv sinken“, sagt er im Hinblick auf die Erweiterungspläne.

Alleine in der Zeit der Rodungsarbeiten, sei aufgrund der Größe des Gebiets und der Zahl der Bäume mit viel Schwerlastverkehr und auch mit entsprechendem Staub und Dreck zu rechnen, wenn die Lastwagen in den Wald und wieder hinaus auf die Straße fahren, so Graf.

Noch mehr Verkehr

Danach würde es auch nicht besser, unter anderem, weil der Verkehr auf der einzigen Straße, die in Richtung Norden aus Roding herausführt, noch einmal stark zunehmen werde, befürchtet der Anwohner. Schon jetzt seien 2500 bis 3000 Fahrzeuge pro Tag auf der Kreisstraße unterwegs. Eine Erweiterung des Industriegebiets würde zu noch mehr Pendlern und Lastwagen-Verkehr führen, ist sich Graf sicher – was auch zu einer noch höheren Unfallgefahr auf der ohnehin schon gefährlichen Straße führen würde.

Nicht das einzige Problem, das Wald-Rodung und Erweiterung des Industriegebiets für die Anwohner mit sich bringen würden, „auch der Lärm wird noch einmal stark zunehmen“, sagt Graf. Schon jetzt sei unter anderem durch Gebläse auf den Dächern der Fabriken ständig ein Brummen zu hören, so der Anwohner. Künftig würde dies auch nicht mehr durch den Wald gefiltert werden und deshalb lauter sein. „Die Firmen werden ihre gesetzlichen Vorgaben einhalten“, so der Oberkreither, „aber alle gemeinsam ergeben trotzdem für die Anwohner ein stetes Geräusch.“

„Jeder Interessierte soll sich selbst ein Bild machen“

Ebenfalls befürchtet Graf eine Zunahme der Lichtverschmutzung. Schon jetzt falle viel Licht von der Ausleuchtung der Gebäude und Anlagen in sein Haus, berichtet er, „es kann ja auch keine Lösung sein, abends alle Rollos runterzulassen.“ Auch in diesem Fall würde dann der Wald als Filter fehlen, zudem würde die Erweiterung des Industriegebiets, die bis auf 55 Meter Entfernung zu seinem Grundstück reichen würde, wohl sehr gut ausgeleuchtet.

Graf lädt alle Interessierten ein, sich einmal in den Abendstunden selbst ein Bild vom Licht- und Lärmpegel in Oberkreith zu machen, „die meisten wissen gar nicht, was los ist.“ Ebenso wenig würden nur wenige Rodinger wissen, wie viel Wald nun abgeholzt werden soll.

Was Graf nicht verstehen kann: „Wie kann man in der heutigen Zeit einen gesunden Wald in dieser Größe abholzen?“ Der Mischwald sei in einem sehr guten Zustand, weiß er aus zahlreichen Spaziergängen. Wenn er erst einmal gerodet sei, sei es zu spät, gibt er zu bedenken. „Diese Natur und auch das Naherholungsgebiet sind dann für immer verloren.“

Hoffen auf Unterschriften

Graf unterstützt deshalb die Unterschriften-Aktion, welche die Rodinger Ortsgruppe des Bund Naturschutz mit dem Ziel initiiert hat, ein Bürgerbegehren gegen die Rodung auf den Weg zu bringen. „Ich hoffe, dass viele Menschen dadurch darauf aufmerksam gemacht werden, was hier geplant ist, und unterschreiben“, sagt der Oberkreither.