Bauarbeiten ruhen nach Abbruch: Ein neuer Antrag für das Gillitzer-Haus in Rötz ist notwendig

Von Stefanie Bauer · 13. September 2024 um 11:00

Beim „Gillitzer-Haus“ am Marktplatz 5 ist Stefan Zisler mittlerweile schon fast an Umplanungen gewohnt. Der große Wunsch des Unternehmers für die dringend wiederzubelebende Rötzer Ortsmitte wäre eigentlich zunächst ein kompletter Neubau mit einem Geschäft oder Café im Erdgeschoss gewesen.

Weil das altehrwürdige Gebäude aber wie der gesamte Straßenzug unter den Ensembleschutz Altstadt Rötz fällt, sollte es, als der Bauausschuss Anfang Juli grünes Licht gab, eine aufwendige Sanierung werden, bei der vier moderne Wohnungen entstehen sollen. Auch diese Neubauwohnungen sollen den Ortskern aufwerten und beleben. Ende August begannen die Bauarbeiten an dem markanten grünen Haus, in dem früher unter anderem die Pfarrbücherei untergebracht war.

Anzeige bei Behörde

Dabei habe sich beim Entkernen sofort herausgestellt, dass die Schäden an dem alten Gebäude noch weit größer waren als angenommen: „Das komplette Fundament war marode oder fehlte, die Mauerwerkswände wiesen eine enorme Rissbildung auf“, beschreibt es Zisler.

Ein Grund dafür sei neben dem Zahn der Zeit, der an dem jahrhundertealten Gebäude nagt, auch die Tatsache, dass von vorne gesehen linkerhand einmal ein Anbau daran gebaut und später einmal weggerissen wurde, so der Unternehmer weiter. Deshalb sei die linke Außenmauer des grünen Hauptgebäudes auch gar nicht mehr als solche geeignet gewesen. Der Plan sei es zunächst gewesen, auch den rückseitigen Teil stehen zu lassen, führt Zisler aus, doch die einzige Lösung sei letztlich ein Abbruch des kompletten rückseitigen Gebäudeteils gewesen. Und diese setzte er auch kurzerhand um. Denn: Nicht nur, dass es aufgrund der Schäden gar keine andere Lösung gegeben habe. Es falle auch nichts unter den Ensembleschutz bis auf die dem Marktplatz zugewandte Außenwand, die noch steht.

Das sei bereits in den Neunziger Jahren in einem Gutachten festgehalten worden, sagt der Unternehmer, der gebürtig aus dem Rötzer Ortsteil Hillstett stammt. Doch an den Arbeiten störte sich jemand ganz offensichtlich: Wie ein Sprecher des Landratsamts bestätigt, habe sich am 26. August ein Anwohner bei der Behörde über die Abbrucharbeiten und die damit verbundenen Belästigungen beschwert.

Aufgrund dieser Anzeige hat das Sachgebiet Immissionsschutz am gleichen Tag eine Ortseinsicht durchgeführt. „Dabei wurde festgestellt, dass das Gebäude bis auf eine Außenwand vollständig beseitigt war“, heißt es weiter in der schriftlichen Stellungnahme.

Bauarbeiten eingestellt

Weitere Bauarbeiten, sprich der Wiederaufbau des Gebäudes, seien daraufhin förmlich eingestellt worden. Die Baueinstellung werde vom Landratsamt überwacht. „Für einen auf dem Grundstück beabsichtigten Neubau muss ein entsprechender Bauantrag zur Prüfung eingereicht werden.“ Hinsichtlich der Entsorgung des Abbruchmaterials seien vom Bauherrn ein Verbringungsnachweis bzw. entsprechende Entsorgungsbelege angefordert worden.

Zisler gibt an, den neuen Bauantrag werde er dieser Tage stellen und bei der Behörde einreichen, damit der Wiederaufbau so schnell wie möglich vonstatten gehen könne. Auch im Bauausschuss wird der Antrag dann auf der Agenda stehen. Der Bauherr hofft, dass er schnell die erforderlichen Genehmigungen bekommt, um die Struktur wieder aufzubauen und die vier Wohnungen entstehen zu lassen. Denn aufgrund der Einbeziehung des Denkmalamts seien die Vorgespräche, bis die Baupläne das erste Mal genehmigt werden konnten, sehr langwierig gewesen. Aus der Bevölkerung in Rötz bekomme er nicht nur, aber großteils sehr viel Zuspruch, dass er nun bereits das dritte Gebäude in der Innenstadt sanieren und wieder mit Leben füllen wolle.

Auf die dreijährige Planungsphase angesprochen, zeigt auch Bürgermeister Dr. Stefan Spindler Verständnis für den Bauherrn. Doch für die durchgeführte Maßnahme hätte auf ganz offiziellem Weg eine Abrissanzeige gemacht werden müssen, betont er. Nun müsse alles seinen geregelten Weg gehen, die Fachstellen am Landratsamt und der Bauausschuss würden den neuen Antrag, sobald er eingegangen sei, prüfen.

Bauantrag für Sanierung war genehmigt worden

Vorgeschichte: Wie die Behörde angibt, war beim Landratsamt ein Bauantrag für die Sanierung des Wohn- und Geschäftshauses am Marktplatz 5 der Stadt Rötz und die Errichtung von Wohnungen beantragt worden. Nachdem das Gebäude Bestandteil des Ensembles „Altstadt von Rötz“ ist und auf dem Grundstück ein Bodendenkmal verzeichnet ist, wurde die Genehmigung in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege erteilt.

Neuer Antrag: Nach dem Abbruch des Gebäudes bis auf eine Außenwand muss nach Angaben des Landratsamts für einen auf dem Grundstück beabsichtigten Neubau nun ein entsprechender Bauantrag zur Prüfung eingereicht werden.

Das grüne Gebäude am Marktplatz 5, in Rötz „Gillitzer-Haus“ genannt, im Juli 2024
Wo früher linkerhand des Gebäudes einmal ein Anbau stand, ist eine Lücke.