Die Blauzungenkrankheit bereitet Schafhaltern im Landkreis Cham Sorgen

Keine gute Nachricht für Schaf- und Ziegenhalter sowie Landwirte im Landkreis Cham: Die Blauzungenkrankheit ist auf dem Vormarsch. Im August war die Seuche in Deutschland nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) mit mehr als 5500 Fällen auf dem höchsten Stand seit 2009. Bis auf Berlin sind alle Bundesländer betroffen. Wie steht es um die Wiederkäuer im Landkreis Cham?
Die Blauzungenkrankheit ist laut Reinhold Schoierer, Leiter des Veterinäramts am Chamer Landratsamt, anzeigepflichtig. Die positive Nachricht: „Bisher ist kein Fall im Landkreis bekannt“, sagt er. Von der Krankheit seien vor allem Schafe und Rinder betroffen. Aber auch Rehe, Hirsche, Ziegen und Alpakas können sich damit infizieren. „Die Schafe trifft es am härtesten“, sagt Schoierer.
Entzündungen und Lahmheit
Bei einer Infektion mit der Blauzungenkrankheit können beispielsweise hohes Fieber, Entzündungen und Schwellungen unter anderem der Kopfschleimhäute (Maul, Nase und Augen) sowie in den Klauen auftreten. Dadurch können die Tiere beim Gehen lahmen.
Manchmal komme es auch zu einer starken Durchblutung und Schwellung der Zunge, so dass diese blau wird. „Die namensgebende Verfärbung der Zunge ist sehr selten und nur bei hochempfänglichen Schafrassen und sehr schweren Verläufen zu erwarten“, so das FLI. Bei Rindern könne es zu einem Milchrückgang kommen.
Im Landkreis Cham gibt es laut Schoierer 700 Betriebe, die in der Summe etwa 8000 Schafe halten. Dazu würden lediglich die ansässigen Betriebe und nicht die Schäfer auf Wanderschaft zählen. Bei den Rindern sind 1300 Halter mit insgesamt circa 97000 Wiederkäuern zu verzeichnen.
Sobald ein Tier Symptome aufweist, sollte unbedingt der Tierarzt verständigt werden, sagt Schoierer. Um die Vierbeiner von vornherein vor der Seuche zu schützen, könne man sie impfen. Das sei laut FLI im Moment der „einzig effektive Schutz gegen die klinischen Symptome, Tierverluste und vor der Virusausbreitung“. Dabei gelte dasselbe wie bei der Corona-Impfung: Die Injektion schütze nicht 100-prozentig vor einer Infektion, jedoch würde sie die Symptome der Erkrankung lindern.
Symptome nach Impfung
Einer, der seine Schafe in der Vergangenheit gegen die Blauzungenkrankheit hat impfen lassen, ist Marco Begerl aus Lohberg im Lamer Winkel. Dort ist er als „der Dorfschäfer“ bekannt. „Ich hab’s in meiner Schafzeitung gelesen, dass die Krankheit wieder im Umlauf ist“, sagt er. Die Thematik würde man als Schäfer beziehungsweise Schafhalter sicherlich verfolgen. Aktuell schließt Begerl eine Impfung für seine derzeit 63 Tiere aus. Wie er sagt, seien sie nach der Impfung in der Vergangenheit anfälliger für andere Krankheiten geworden. „Die Schafe hatten Blähungen oder einen komischen Husten. Die sind dann nicht so gewachsen und waren matter und sind teilweise dann auch gestorben“, sagt er. Ob das damals mit der Impfung in Zusammenhang gestanden hat, könne er jedoch nicht sicher sagen. Allerdings seien danach die Symptome aufgetreten, sagt der Lohberger.
Noch nicht sicher, ob er seine Tiere impfen lassen soll, ist der Hobby-Ziegenhalter Tobias Reil aus Waldmünchen-Prosdorf. Mit seinen vier Tieren, die er seit etwa einem Jahr besitzt, bietet er Wanderungen an. „Ich hab’ gehört, dass das umgeht, aber ich bin noch am Überlegen, ob ich meine Ziegen impfen lasse, wegen der Nebenwirkungen“, sagt er.
Deswegen sei er vorsichtig und möchte sich erst einmal mit anderen Nutztier-Besitzern aus dem Umkreis über deren Erfahrung mit der Impfung austauschen.
„Ich bin da schon vorsichtig, es geht ja auch um die Tiere. Die einen haben ihre Tiere schon impfen lassen, die anderen warten noch damit. Ich möchte das noch beobachten“, sagt er.
Blauzungenkrankheit
Vorkommen und Übertragung: „Der Erreger kommt weltweit vor, zum Beispiel in Regionen Afrikas, Süd- und Nordamerikas, Asiens, Australiens und Europas. Die Übertragung erfolgt ausschließlich über blutsaugende Insekten (Gnitzen). (...) Eine direkte Ansteckung von Tier zu Tier findet nicht statt“, heißt es auf der Webseite des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.
Gnitzen: Die Blutsauger werden auch Bartmücken oder Gnitten genannt. Sie können „innerhalb weniger Tage mehrere Kilometer weit fliegen – bei Rückenwind sogar Hunderte Kilometer. Auch der Transport von kranken Tieren kann zur Verbreitung des Virus beitragen“, schreibt dpa.
Variante: Bislang seien mehr als 30 Serotypen (Varianten) des Virus bekannt. Im Moment kursiere der Serotyp 3 (BTV-3). Laut Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, könnten infizierte Gnitzen mit Materialien über den globalen Handel eingeschleppt worden sein.
Verbreitung: Im September 2023 ist die Variante laut dpa erstmals in den Niederlanden aufgetreten; im Oktober 2023 dann in Deutschland, wo sich der Erreger rasch ausgebreitet habe. Auch in Bayern sind Fälle bekannt.
Ursache der raschen Verbreitung: Laut dpa begünstigt der Klimawandel Ausbrüche der Krankheit, weil Gnitzen bei milden Temperaturen einfacher überwintern und sich so in den folgenden Monaten schneller ausbreiten können. Auch der Erreger könne sich bei höheren Temperaturen einfacher vermehren.
Übertragung auf Menschen: Laut FLI ist der Erreger für Menschen ungefährlich. Fleisch sowie Milchprodukte empfänglicher Tiere können bedenkenlos verzehrt werden.