Der Chamer Moritz Frisch gewinnt mit seiner Stute Fjóla die Bayerische Islandpferde Meisterschaft

Vom 5. bis 8. September fand die Bayerische Islandpferde Meisterschaft auf dem Pferdehof Menzinger in Hammersdorf (Landkreis Erding) statt. Ein Chamer konnte dort auf ganzer Line überzeugen.
„Für mich ist es ein wahnsinniger Ausgleich“, sagt der zweifache bayerische Meister und deutsche Vizemeister Moritz Frisch über sein Hobby. „Ich stamm‘ aus keiner Reiterfamilie, aber Pferde haben mich schon von klein auf fasziniert“, blickt der 21-Jährige zurück. Mit sieben Jahren begann der Chamer, in der Reitschule von Susanne Dedecek in Hagendorf (Gemeinde Traitsching) zu reiten. Die Faszination stieg – und mit 15 Jahren bekam Frisch sein erstes eigenes Islandpferd: Fjóla von Hagendorf.
„Dieses Pferd ist meine Jugendsünde“
„Ich habe kein super teures Sportpferd bekommen, sondern musste mir alles selbst erarbeiten“, sagt Frisch. Denn im Gegensatz zu seiner damals fünfjährigen Fjóla sind Sportpferde gut ausgebildet. „Es war hartes Training und viel Arbeit“, sagt Frisch, der fünf bis sechsmal die Woche mit seiner Stute arbeitete. Auch wenn sich alles um das Pferd drehte, möchte der 21-Jährige diese Zeit nicht missen.
„Dieses Pferd ist meine Jugendsünde“, aber natürlich nur im positiven Sinne, sagt der junge Reiter. Die heute elfjährige Stute hat ihn durch viele Lebensabschnitte begleitet, und „sie hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin“, so Frisch.
Charakter der Islandpferde
Islandpferde haben einen sehr ausgeglichenen Charakter. „Sie sind sehr ehrliche Pferde“, sagt Frisch, und dieser top Charakter mache sie aus. Bei Fjóla könne der Chamer abschalten und die Probleme des Alltags vergessen. Außerdem seien die Tiere robust. Um das zu erklären, müsse man sich nur das Wetter in Island anschauen, so Frisch.
Um mit einem Islandpferd richtig zu trainieren, ist es wichtig, es bei Laune zu halten, denn jedes Tier hat seinen eigenen Kopf, erklärt der 21-Jährige. Außerdem müsse das Pferd für einen arbeiten wollen, und man dürfe es nicht überfordern, denn man bilde ein Team. Es gibt aber auch immer wieder schwierige Phasen, erzählt Frisch. Da helfe neben viel Routine auch eine positive Einstellung.
„Meine Eltern haben mich unterstützt, wo sie konnten, obwohl sie keine Ahnung von Pferden haben“, sagt der bayerische Meister, der nicht daran geglaubt hatte, schnell Erfolg zu haben. In der Schule sei er oft belächelt worden: ein Junge, der sich mit Pferden beschäftigt... „Meinen Sport und meine Leidenschaft lasse ich mir nicht von jemanden kaputt machen“, stellt der 21-Jährige klar. Und deshalb hat Frisch die Kritik ausgeblendet. „Ich hab immer an mich und mein Pferd gelaubt“, sagt er.
Prüfung in Viergang und Tölt gemeistert
Für einen Turnierstart müsse man sich und das Pferd gut kennen und wissen, wo die Stärken und Schwächen liegen. „Es gibt kein Nonplusultra“, sagt Frisch, deshalb nehme er auch weiterhin Unterricht, um noch besser zu werden. Dabei dürfe man aber nicht über die Stränge schlagen, denn das Wohl des Tieres stehe immer im Mittelpunkt.
Bei der Bayerischen Meisterschaft trat der Chamer mit Fjóla in der Junioren-Klasse an. „Es ist eine eigene Sparte“, erklärt der 21-Jährige. Denn Islandpferde beherrschen neben Schritt, Trab und Galopp noch zwei weitere Gangarten: Tölt und Pass. In den Prüfungen Viergang und Tölt auf der Ovalbahn überzeugten die beiden wie schon im Vorjahr und holten sich jeweils den Titel des Bayerischen Meisters.
Zeit mit Pferd genießen
„Ich versuche, alles rechtzeitig herzurichten“, berichtet Frisch über die Zeit unmittelbar vor der anstehenden Prüfung. Um sich vor der Bewertung ein wenig zu entspannen, hört er Musik und konzentriert sich auf sich und sein Pferd. Moritz Frisch versucht dann immer, sein Bestes zu geben. Es gebe aber immer wieder Dinge, die nicht so klappen, wie man es sich wünscht, sagt er, aber das sei normal, wenn man mit einem Lebewesen arbeitet. „Es soll Spaß machen“, sagt der bayerische Meister. Sich selbst unter Druck zu setzen und verbissen zu sein, sei eher kontraproduktiv. Er rät deshalb anderen Reitsportlern, es weiter als Hobby zu betrachten, denn am Ende gehe es nicht um Platzierungen oder Noten, sondern um die gemeinsame Zeit mit dem Pferd.
Heimspiel für Moritz Frisch und Fjóla
Alle zwei Jahre findet die Weltmeisterschaft statt. Doch nächstes Jahr reitet der Chamer in der Erwachsenen-Klasse. „Da werden die Karten neu gemischt“, sagt Frisch. Er weiß zwar nicht, ob eine Teilnahme bei der WM realistisch sei, aber man sollte „niemals nie sagen“. Deshalb sei es zwar kein Ziel, aber ein Traum.
Bei der Bayerischen Meisterschaft in Hammersdorf hatte Frisch mit seiner Stute eine Art Heimspiel. Denn der Chamer studiert in München zurzeit Soziale Arbeit. Fjóla ist deshalb dort auf dem Pferdehof Menzinger untergebracht. Der Sportler habe bei der Organisation und Planung der Meisterschaft geholfen. Es war ein anstrengendes und eine super schönes Erlebnis, sagt Frisch, der sich vorstellen kann, später einmal Reitpädagogik anzubieten.

