Möbelhäuser klagen über hohe Auflagen und gehemmte Kauflaune – Diese Wohntrends sind angesagt

In den 70er und 80er Jahren dominierten Bahamabeige, Moosgrün und auffällige Muster die eigenen vier Wände. Heute zeigen soziale Medien und Wohnzeitschriften die unterschiedlichsten Einrichtungstrends. Ob Boho-, Landhaus- oder Industrial-Stil: es gibt viele Inspirationen. Doch was ist bei den Chamern zuhause angesagt?
„Wir leben in einer Zeit, in der Trends und Stile gemischt werden“, sagt Helmut Hagner, Unternehmensleiter der Handelsgruppe Frey in Cham und Weiden. Daher sei es schwierig zu definieren, was gerade angesagt ist. Denn der Einrichtungsstil sei sehr individuell, und jeder habe das zu Hause, was ihm gefällt. Dadurch sei alles viel gemischter als zum Beispiel in der Mode, wo gerade weite Hosenbeine angesagt sind, so Hagner. Was derzeit aber wieder im Trend liegt, ist Cord.
Helle Möbel gefallen, aber dunkle werden gekauft
Weiße und helle Farben werden gerade propagiert, sagt Klaus Brückl, Geschäftsführer von Möbel Brückl in Cham. Doch wenn es zur einer Kaufentscheidung kommt, bevorzugen Kunden dann doch eher pflegeleichtere und dunklere Farben. Einen wirklichen Trend kann aber auch Brückl nicht ausmachen.
Das bestätigt Christian Staudacher, Inhaber von Möbel Staudacher in Neukirchen beim Heiligen Blut und Furth im Wald: „Helle Polstermöbel werden viel angeschaut, aber auf dem Kaufvertrag steht dann etwas dunkles.“ Zudem seien tiefe Sitzflächen, auf denen man gut liegen kann, beliebt.
Klare Linien und Pastellfarben
Franz Wanninger, Geschäftsführer von Möbel Wanninger in Straubing und Bad Kötzting, sieht dagegen zwei Trends: Zum einen moderne Wohnideen mit klaren Linien und pastelligen, gesetzten Farben. Und zum anderen ein Relaunch des Landhausstils, der jetzt eher puristisch und geradliniger ist. Bei Polstermöbeln ist alles im Trend, was sich „weich und kuschelig anfasst“, so Wanninger. Dazu zählen zum Beispiel Cord- und Bouclé-Stoff. „Zeitloses wie Leder bleibt nach wie vor angesagt“, so der Geschäftsführer.
Bei den Hölzern liege seit Jahren die Eiche im Trend. „Aber nicht rustikal“, sagt Wanninger, sondern hell, natürlich oder gekälkt. Und um eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, greifen Kunden auf verschiedene Beleuchtungsvarianten zurück, bei denen sich die Lichtfarbe einstellen lässt.
Gehemmte Kauflaune
Doch hohe Baupreise, Inflation und Unsicherheiten bremsen laut Helmut Hagner die Kauflaune. Das betreffe die gesamte Branche und sei spürbar. Möbel werden trotzdem gekauft. „Inspirieren und mit Service überzeugen“ ist deshalb wichtig, so Hagner.
„Es wird viel gejammert“, sagt der Unternehmensleiter der Frey-Handelsgruppe. Aber man müsse auch vor der eigenen Hautür kehren und sich fragen: „Was tun wir?“ Bei einigen Möbelhäusern gebe es nämlich noch viel zu verbessern, stellt Hagner fest. Denn die Anforderungen steigen. So sei es heute wichtig, auch in den sozialen Medien aktiv zu sein und in den Bereichen Beratung, Qualität, Service und Ausstellung gut zu performen.
Möbel im Internet sind nicht immer günstiger
Neben anderen Möbelhäusern stellt das Internet eine große Konkurrenz dar. Der Schein, dass Möbel im Internet viel günstiger sind, würde aber oft trügen, erklärt Hagner. Denn gute Qualität habe auch dort ihren Preis.
Und im Gegensatz zum Onlinehandel erhalte man vor Ort eine individuelle Beratung durch einen Fachberater. „Der hat auch seinen Wert“, sagt der Unternehmensleiter. Wenn Möbelhäuser und Innenstädte weiterhin mit Geschäften belebt sein sollen, dann sollten Käufer auch ein paar Euro mehr in die Hand nehmen und den lokalen Handel unterstützen, so Hagner. „Wir müssen aber auch besser werden“, stellt er fest, denn nur da zu sein, reiche nicht mehr aus.
„Kunden wollen Qualität“
Dass Kunden derzeit zurückhaltender sind, berichtet auch Klaus Brückl. Möbel Brückl, das erneut mit dem 1a-Fachhändlerpreis ausgezeichnet wurde, setzt daher auf Qualität und Service, um gegen die gebremste Kauflaune zu handeln. „Kunden wollen Qualität“, sagt Brückl. Im Geschäft könne man im Gegensatz zum Onlinehandel bei Postermöbel etwa den Sitzkomfort testen und den Stoff fühlen. Zudem gebe es meist eine große Farbauswahl und unterschiedliche Qualitäten, aus denen der Kunde seinen Favoriten auswählen könne.
Hohe Auflagen – Maut für Lieferfahrzeuge
Brückl beklagt aber auch die vielen und hohen Auflagen durch die Politik. So müsse er neuerdings für Lieferfahrzeuge Maut bezahlen, obwohl diese für handwerkliche Tätigkeiten wie Montagen eingesetzt würden. Das führe dazu, dass auf Nebenstraßen ausgewichen werde. Aber auch die hohen Energiekosten belasten den Unternehmer, denn diese „sind bis ins unendliche gestiegen“. Gerade für die Präsentation der Möbel wird viel Beleuchtung und damit Energie benötigt, erklärt Brückl.
Eine Subvention lehnt der Unternehmer jedoch ab, denn das „müssen alle bezahlen“. Brückl wünscht sich aber, dass die Politik die Rahmenbedingungen verbessert und damit erträglicher macht.
Kunden vergleichen Preise
Energiekosten und Bürokratie bemängelt auch Christian Staudacher. „Man sitzt viel vor dem PC“, sagt er. Deshalb müsse der bürokratische Akt vereinfacht werden, um mehr Zeit für andere Dinge zu haben. Das betreffe aber nicht nur die Möbelbranche, sagt der Inhaber. Auch der Personalmangel sei ein Thema. „Momentan passt es“, sagt er über die eigene Personalsituation. Aber es gebe immer wieder Zeiten, in denen unter anderem Monteure oder Fachberater händeringend gesucht würden.
Einen Kundenrückgang kann Staudacher aber nicht feststellen. „Wir sind ein Familienbetrieb“, sagt der Inhaber. Die entstehenden Kosten seien daher vergleichsweise gering. Früher haben Kunden jedoch in der Nähe eingekauft, heute würden Preise stärker verglichen und die Leute nähmen weitere Wege auf sich. Möbel Staudacher setzt daher auf die Zufriedenheit der Kunden und auf Mundpropaganda.
„Die Wohnungs- und Hausbausituation ist fatal“
Möbel Wanninger will neben guter Beratung unter anderem mit gelernten Schreinern punkten, die die Möbel aufbauen und montieren. Doch auch Wanninger habe einen Rückgang der Kauflust in den Absatzzahlen gemerkt. „Die Wohnungs- und Hausbausituation ist fatal“, sagt Franz Wanninger. Aber die Branche würde sich langsam wieder erholen. „Die Zinsen werden wieder erträglicher, und auch die Inflation geht zurück“, sagt er.
Der Geschäftsführer sieht aber noch einen weiteren Grund: Vor und während Corona hätten die Menschen in ihr Zuhause investiert, um es sich schön zu machen. Im vergangenen und in diesem Jahr habe dann der „Freiheitsdrang“ mit Erlebnissen im Vordergrund gestanden. Nun hofft Wanninger, dass sich die Menschen wieder mehr besinnen und in ihre eigenen vier Wände investieren.