Debatte um Erweiterungspläne für Bauernhof: Wie viel Huhn in der Luft ist erlaubt?

Die Landwirtschaft hat es heute schwer genug – das sieht auch die Stadt so. Daher versicherte Chams Bürgermeister Stoiber am Mittwoch, dass man keinesfalls den Hofausbau in Tasching behindern wolle – und der Bauausschuss gab sein Einvernehmen zu den Plänen. Dennoch hoffen er wie die Stadträte auf ein Veto des Landratsamtes – da sie in der Bauausschusssitzung speziell zu einem Projekt des Landwirts die Nase rümpften.
Der Landwirt, der Milchviehwirtschaft betreibt und bislang 76 Plätze für Milchkühe hat, hat einen Antrag für einen Vorbescheid für eine breite Erweiterung seines Hofs in Tasching gestellt. Mehrere Neubauten sollen sich hinter dem bisherigen Hof gruppieren, der mitten im Dorf liegt. Gebaut werden sollen ein großer neuer Stall für 120 Milchkühe, ein Jungviehstall mit 100 Plätzen, fünf Fahrsilos und eine offenen Güllegrube mit einem Fassungsvermögen von 2000 Kubikmetern Gülle.
Das alles sieht die Stadt nicht als problematisch an, auch wenn es sicher noch eine passendere Lösung als eine offene Güllegrube gebe, wie Arthur Scheurer vom Bauamt anmerkte. Das Vorhaben grundsätzlich sei privilegiert, da es ein landwirtschaftliches sei – und damit auch genehmigungsfähig, wie das Amt für Ernährung, Landwirtschaft, und Forsten bestätigt hat.
Doch wo die Stadträte, die Verwaltung und der Bürgermeister ein massives Problem sehen, ist der ebenfalls geplante Bau eines Hühnerstalls für 3000 Legehennen, der zudem direkt als erster Neubau im Anschluss an die bestehende Bebauung anschließen soll – und somit praktisch im Dorf beheimatet sein wird. Damit komme die Emissionsthematik ins Spiel, so Scheurer.
Zu lange Geruchshäufigkeit
Denn die 3000 Hühner im Dorf würden laut der Berechnung einer Gutachterin im Auftrag der Stadt die hier zulässigen Geruchsstundenhäufigkeiten bei den nächstgelegenen Wohnhäusern deutlich überschreiten. Manche Häuser in Tasching seien 15 Stunden durch die Geruchsbelastungen betroffen, bei einigen Häusern liege die Belastung sogar über 20 Stunden am Tag.
„Die dortigen Bewohner haben und brauchen einen Bestandsschutz“, sagte Stoiber und ergänzte gleichzeitig noch einmal: „Wir wollen die Landwirtschaft nicht aufhalten!“ Neben dem erwarteten Geruch durch den Hühnerstall werde hier Ammoniak freigesetzt. Da sich in nächster Nähe einige Biotope befänden, müsse auch abgeklärt werden, welche Auswirkungen diese Freisetzungen auf die Natur vor Ort hätten, sagte Arthur Scheurer. Die Planungen seien zumindest in dem Punkt „immissionsschutzrechtlich bedenklich“.
Wobei das Milchvieh allein hier kein Problem darstelle, betonte Bürgermeister Stoiber. Der Neubau des Legehennenstalls mit den 3000 Hühnern in Bodenhaltung und Außenscharrraum sei ein Thema für das Landratsamt, befand Stoiber. Hier gebe es Handlungsbedarf für die Genehmigungsbehörde. Das werde vermutlich ein Gutachten zu der zu erwartenden Belastung anfordern und danach entscheiden.
Ein weiterer Punkt, der in dem Zusammenhang den Stadträten Sorgen bereitet, ist das gerade in Planung befindliche Neubaugebiet für Tasching.
Bauplätze gleich nebenan
Die Stadt hatte hier Grund gekauft, um neun Bauplätze zu verwirklichen. Der Bebauungsplan dafür ist auf dem Weg, die Umsetzung baldmöglichst geplant. Die neun Bauplätze liegen direkt im Anschluss an das Gebiet, wo jetzt die Landwirtschaft erweitert werden soll. Ob man sich mit dem Einvernehmen in dieser Sache das künftige Baugebiet nebenan nicht selbst entwerte, fragte ein Stadtrat in die Runde. Es gebe keine Möglichkeit der Stadt, solche Bauvorhaben zu verhindern, da sie privilegiert seien, antwortete Bürgermeister Stoiber.
Zweiter Bürgermeister Walter Dendorfer fragte, ob die Baupläne für das neue Baugebiet an sich eine Rolle spielen würden. Sie müssten in jedem Fall berücksichtigt werden, entgegnete Scheurer und verwies darauf, dass es auch einmal eine Planung ohne Hühnerstall gegeben habe. Schließlich gab der Bauausschuss am Ende der Debatte bei einer Gegenstimme das Einvernehmen für die Pläne des Landwirts in Tasching.

