Kommt das Verbot aus Berlin? Bei Chamer Landwirten geht die Angst vor dem leeren Stall um

Von Christoph Klöckner · 17. November 2023 um 05:00

Als Josef Schmaderer spricht, wird die Dimension dessen spürbar, was Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir vorhat. In einem neuen Tierschutzgesetzentwurf sollen Anbindeställe bereits in fünf Jahren verboten werden. Für Schmaderer und seine 30 Milchkühe, der mit seiner Frau Manuela die Landwirtschaft im Nebenerwerb lebt und liebt, wäre das das abrupte Aus. Ein Unsinn, findet der Bayerische Bauernverband (BBV) und ruft zum Protest auf.

„Wir bewirtschaften 26 Hektar im Nebenerwerb“, beschreibt der 56-Jährige seinen Hof in Obertraubenbach in der Gemeinde Schorndorf. Es sei immer sein Traum gewesen, Landwirt zu werden – „wenn ich aus der Schule kam, bin ich gleich auf den Bulldog! Das war das Höchste!“

Gelernt habe er dann Kfz-Mechaniker, danach die Ausbildung zum Landwirt angeschlossen, sei als Betriebshelfer unterwegs gewesen und habe als weiteres Standbein einen Garten- und Landschaftsbau aufgebaut, um die vier Kinder groß zubekommen. Von diesen übernimmt keines den Hof. So bleiben er und seine Frau dabei – und das gerne. „Ich bin leidenschaftlicher Bauer“ – doch dass in fünf Jahren damit Schluss sein soll, ein leerer Stall übrig bleibt, mag er sich gar nicht vorstellen. „Ich wünschte mir, ich könnte das machen, bis ich in Rente gehe!“ Für die Politik sei es einfach, ein Verbot auszusprechen – „doch mir tut das unendlich weh!“

Das Aus droht – und nicht nur seinem Hof. Noch die Hälfte aller Höfe im Landkreis hat einen Anbindestall, die 30 Prozent der Milch für die Goldsteig Molkereien in Cham liefern. Im Landkreis werde das folglich einen abrupten Strukturbruch bewirken. Der gehe auch ohne die „Brechstange“ des Verbots vorwärts – jedes Jahr koste das Höfe, sagt BBV-Kreisobmann Franz Holzapfel. Viel sinnvoller als ein Verbot sei es, abzuwarten – denn diese Haltungsform werde von sich aus auslaufen. Es sei zum einen eine Generationsfrage, zum anderen würden schon lange nur Laufställe gefördert.

Doch solche Kleinbetriebe, die sowieso in einigen Jahren das Wirtschaften einstellen würden, weil keine Hofnachfolger da seien, würden nicht mehr in Laufställe investieren. Ein Verbot ohne jede Zukunftsperspektive sei für sie keine Lösung, so Holzapfel. Im Landkreis Cham, wo 50 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Dauergrünland sei, gebe es als Nutzungsmöglichkeit keine andere Chance als Biogasanlagen oder Tiere.

Und noch etwas hebt er hervor, was bei Verbrauchern nicht bekannt sei oder falsch gesehen werde. Auch in Anbindeställen sei das Tierwohl mehr als gewährleistet. Allein die geringe Menge der Tiere, die in solchen Ställen zu Hause seien, biete beste Betreuung.

Jedes Tier werde täglich mehrfach angeschaut. Auch in solchen Ställen gebe es Verbesserungen zum Tierwohl, wie mehr Licht oder bessere Liegeflächen – da Kühe Gewohnheitstiere seien, fühlten sie sich in Anbindung wohl, Stress bleibe aus, da es keine Rangkämpfe gebe und sie ungestört fressen können. Seien die Ställe erst weg, sei die Alternative, diese landwirtschaftlichen Produkte aus dem Ausland zu importieren, wo nicht genau hingeschaut werde, so Holzapfel. Er appellierte deshalb an alle, sich dem Protest des BBV per Unterschrift anzuschließen, um den Gesetzesentwurf so nicht Wirklichkeit werden zu lassen.

Bayernweit seien allein 13000 Kleinbauern von dem Verbot betroffen, wenn es so komme. Das seien die Hälfte der Milchviehhalter im Freistaat Bayern. Denn auch die Kombi-Haltung, bei der die Kühe zeitweise Auslauf haben oder in Strohboxen sind, soll verboten werden.

Die Bedeutung der Kleinbetriebe

Aufgaben: Neben dem finanziellen Standbein für die Familien habe die Kleinlandwirtschaft, die in den allermeisten Fällen noch Anbindeställe hat, weitere wichtige Aufgaben, so der BBV im Landkreis Cham.

Regional: Sie bieten regionale Produkte an, erhalten die touristisch wichtige Kulturlandschaft im Landkreis und liefern Arbeit für die weitere Wirtschaft, wie etwa Landmaschinenunternehmen, für den Schlachthof, für weitere Firmen in der Umgebung.

Schrumpfprozess: In vier Jahren sei die Anbindehaltung bereits um ein Drittel zurückgegangen, so der BBV. Es brauche kein Verbot – wer investiere, baue Laufställe.

Protest: Da die Anbindeställe sowieso nur noch eine Frage der Zeit seien, sollte man sie lassen, fordert der BBV. Wer das unterstützen möchte, kann übers Internet (bayerischerbauernverband.de/ rettet-berta) seinen Namen zum Erhalt der kleinen Landwirtschaft abgeben.

Rettet Berta vor dem Schlachthof und die Kleinbauern vor dem Aus – das ist das Protestmotto des BBV.