Kakaokrise: Regensburger Chocolaterie setzt auf indigene Stämme und einen Röster von 1926

Die Chocolaterie La Mara aus Regensburg kooperiert beim Thema Kakao mit indigenen Stämmen in Kolumbien. Geröstet werden die Bohnen dann vom bekannten Regensburger Unternehmen Rehorik.
Schon zu Jahresbeginn waren die Importpreise für Kakaobohnen um 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen – und dieser Trend wird anhalten. Längst ist von einer Kakaokrise die Rede, die natürlich schon bald auch Auswirkungen etwa auf den Preis für Schokolade hierzulande haben dürfte.
Vielfältige Herausforderungen
Vor diesem Hintergrund stellen sich gerade in Deutschland als dem wohl größten Schokoladenmarkt Europas immer mehr Akteure den vielfältigen Herausforderungen rund um die Kakaobohne.
Dabei könnten die Antworten auf die Probleme in den Anbauregionen Westafrikas oder auch in Südamerika, also mit Blick auf die Auswirkungen des Klimawandels, die diversen Baumkrankheiten oder ganz generell angesichts einer ungerechten Verteilung entlang der Wertschöpfung kaum unterschiedlicher sein. Während das mit der Oberpfälzer Confiserie Seidl zusammenarbeitende Unternehmen Planet A Foods der Geschwister Sara und Max Marquart aus fermentiertem Hafer und Sonnenblumenkernen das neue Produkt „Nocoa“ entwickelt und damit Kakao ersetzt haben, schlagen Tamara Seidenglanz und Max Wittl einen anderen Pfad ein.
La Mara: Mischwälder statt Monokulturen
Die Chocolaterie La Mara der beiden Konditormeister setzt ganz bewusst auf die nachhaltigen, ökologisch bewirtschafteten Kakaowälder etwa in Südamerika. Wie Tamara Seidenglanz anlässlich einer ersten Röst-Präsentation von Kakaobohnen bei dem Regensburger Traditionsunternehmen Rehorik betonte, zahle man nicht nur faire Preise an die Bauern, sondern bemühe sich auch bei der Bewältigung struktureller Problemen hilfreich zu sein. Konkret arbeitet das inzwischen aus dem Landkreis nach Regensburg übersiedelte junge Unternehmen vor allem mit 150 Familien des indigenen Stammes der Arhuacos im Norden Kolumbiens zusammen. Hier werde vor allem auf Monokulturen verzichtet, zumal die Kakaopflanze – wie man längst weiß – in Mischwäldern ohnehin besser gedeiht. Für die Landwirte bedeute diese Kooperation außerdem die Möglichkeit, mit zusätzlichen Früchten weitere Einkommen zu erzielen.
Dem inzwischen auf sieben Mitarbeiter angewachsenen Team von La Mara geht es aber auch generell darum, das eigene Handeln möglichst nachhaltig zu gestalten. Neben der innovativen Produktgestaltung und einem ausgeklügelten Vertriebssystem mit derzeit über 40 Wiederverkäufern und einem besonderen Angebot für Firmenkunden bieten die beiden Konditormeister auch Chocolaterie-Kurse an.
Traditionsreiche Maschine bei Rehorik in Regensburg
Auf all diesen Feldern fand das junge Unternehmen mit Heiko Rehorik offenbar den richtigen Partner. „Ich liebe es, zu beobachten, wie sich Kakaobohnen beim Rösten entwickeln“, sagt der leidenschaftliche Kaffeeröster und reaktivierte ganz spontan seinen Kugelröster, den man bei Rehorik vor drei Jahren ausgemustert hatte. Auch wenn diese traditionsreiche Maschine aus dem Jahre 1926 damals einer größeren Anlage weichen musste, das Handwerk, so Heiko Rehorik als Repräsentant der vierten Generation des Familienbetriebs, „und die Leidenschaft dahinter sind geblieben“. Jedenfalls sei der Kaffeespezialist Heiko Rehorik schon immer auch Schokoladen-Fan gewesen: „Die Kakaobohnen werden dem Kugelröster am Brixener Hof neues Leben einhauchen.“