Regensburger Kaffee-Legende gestorben: Heinz Rehorik war ein Genussmensch mit Klasse

Von Christian Eckl · 1. Juli 2024 um 11:21

Der Regensburger Unternehmer wurde 95 Jahre alt. Er gründete das Feinkostgeschäft am Brixener Hof und gehörte zu einer Generation, die das Nachkriegs-Regensburg prägten. Sein Enkel und Nachfolger Heiko erzählt, wieso der Großvater trotzdem nicht wollte, dass er in seine Fußstapfen tritt.

Seine Geschichte war die vieler Legenden in der Nachkriegszeit: Sie kamen aus den Gebieten, die aufgrund des Angriffskrieges der Deutschen verloren wurden – und bauten die Stadt mit auf. Heinz Rehorik stammte aus dem heute tschechischen Karlsbad. Dort hatte sein Vater bereits 1928 ein Feinkostgeschäft mit Kaffeerösterei gegründet. 1948 gründete sein Vater das Geschäft in Regensburg neu. 1950 stieg Heinz Rehorik ins Geschäft mit ein. Jetzt ist er im Alter von 95 Jahren verstorben.

„Schehorschik, mit der Betonung auf der ersten Silbe“: So schrieb es MZ-Autor Helmut Wanner noch im April auf – und setzte mit einem wunderbaren Porträt einer echten Regensburger Legende ein literarisch-journalistisches Denkmal. „Rehor ist die tschechische Form von Gregor. Rehorik ist dann sowas wie Gregorle.“ So hatte es Rehorik dem Autor erklärt. Dass das Regensburg der Nachkriegszeit ohne die damals nicht sonderlich gerne gesehenen Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten des Reiches ganz anders ausgesehen hätte, das ist unbestritten.

Heinz Rehorik wurde zunächst Berufsmusiker. „Es war mein Großvater, der mir mein Saxofon über eine Spedition für Displaced Persons nachgeschickt hat“, erzählte der Kaffeeexperte später einmal. Er schaffte es damals Ende der 40er Jahre erst in die Harry Loy Big Band und schließlich zu Kurt Edelhagen, eine der führenden deutschen Big Band Leader der Nachkriegszeit. Sein Auftrag war klar: Die US-Boys zu unterhalten, die für eine stabile Nachkriegsordnung im in Trümmern liegenden Deutschland zu sorgen hatten. Sein Vater hatte mit einem Stammkapital von 500 Mark und jeweils 1000 Mark von zwei Freunden das Unternehmen am Brixener Hof gegründet.

Als Heinz Rehorik 1950 ins Geschäft einstieg, spielte die Musik von nun an in der Kaffeerösterei, die in Regensburg heute jedes Kind kennt. Rehoriks Vater wollte, dass aus Sohn Heinz ein Kenner seines Faches wird. Er ging in die Rösterschule, besuchte Weingüter und lernte die Geschmackssinne richtig zu deuten. Es folgte 1954 eine Begegnung mit seiner Marlene, die er im Fürstenhof zum ersten Date und schließlich zum Traualtar führte. Heute ist das Unternehmen Rehorik unter Enkel Heiko noch immer eine absolute Nummer für Kaffeeliebhaber.

Was Autor Wanner in seinem Text auch verriet, ist, dass der alte Jazzer Rehorik sich zu seinem Abschied von der Welt, der er so viel an gutem Geschmack geschenkt hat, ein Stück eines musikalischen Genies wünscht: Das Adagio aus Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert in A-Dur. Schon vor Jahren hat er das Stück eingespielt, er selbst spielte dabei die Klarinette.

Enkel Heiko Rehorik sagte zur Mittelbayerischen, vergangene Woche habe er noch ein sehr emotionales Gespräch mit seinem Großvater geführt. Natürlich sei sein Großvater stolz darauf gewesen, das sein Lebenswerk im Enkel einen Nachfolger gefunden hat. „Mein Großvater war ein sehr lebensfroher Mensch der auch sehr sensibel war.“ Er habe sich stark über seine Musik ausgedrückt. „Sie war sein Zufluchtsort.“ Aber Heinz Rehorik war auch ein „Genussmensch, der die Produkte, die er selbst verkauft hat, auch immer genossen hat“.

Heinz Rehorik ist am Samstag im Altersheim verstorben.