Aus für Regensburger Traditions-Autohaus: Nach 104 Jahren wird das Unternehmen Gebhardt Geschichte

Von Christian Eckl · 27. Juni 2024 um 22:00

Sabine Neubauer ist eine resolute Geschäftsfrau. Das hat sie von ihrem Vater geerbt, dem wenig bis nichts geschenkt wurde. „Bei uns zuhause mussten wir am Tisch still sein, weil sich der Vater erholen musste“, sagt die 59-jährige Autohausbesitzerin. Das Autohaus Gebhardt in der Friedenstraße in Regensburg ist für viele nicht wegzudenken. Aber es macht zu.

Ihr Vater Robert Schult flüchtete aus dem Osten, trat bei seinem Onkel ein und musste dort erst einmal als Angestellter arbeiten. Als der Großonkel starb, war nichts geregelt – und die Erben aus aller Welt wollten Geld. „Mein Vater hat mit Schulden angefangen“, sagt Neubauer heute. Er habe sich eben durchgebissen – eine Eigenschaft, die vielen heutzutage fehlen würde.

Seit 1920 gibt es Gebhardt bereits als Autohändler. Der Gründer Hermann Gebhardt begann aber bereits 1868 mit einer Kunstschmiede am Jakobstor. Dort wurden auch die Tore und Zäune für Schloss St. Emmeram geschmiedet. 1938 zog das Unternehmen an die Friedenstraße. Als Gebhardt das Autohaus verkaufte, bestand er nur darauf, dass sein Name erhalten blieb. Bis heute ist das so. Das Unternehmen ist gelebte Wirtschaftsgeschichte: Ältestes ADAC-Mitglied Bayerns und Zeuge einer Veränderung der Stadt – dort, wo heute die Friedenstraße eine der meistbefahrenen Verkehrsachsen der Stadt ist, standen einst Bäume und eine kleine Straße schlängelte sich an dem Autohaus vorbei.

„Lieber in Elternzeit“

„Fachkräftemangel“, so kommt es wie aus der Pistole geschossen, wenn man Neubauer fragt, wieso sie zusperrt. Und die Tränen schießen schnell hinterher. 2005 stellte sie einen Mann ein, der heute ihr Ehemann ist. Kinderspielsachen von den Enkeln stehen auf dem Boden ihres Büros. „Das hier ist mein Leben.“ Ihr Mann Matthias Neubauer erzählt, dass Kunden kämen und weinten, weil das Autohaus zusperrt. Ein Autohaus-Kollege habe zu ihnen gesagt: „Regensburg ohne Autohaus Gebhardt ist wie der Dom ohne Türme.“ Doch es helfe nichts.

Es sei die Politik, die alles schwieriger mache. Elternzeiten und andere Errungenschaften des Sozialstaates machten es für sie immer schwieriger, den Arbeitsaufwand abzudecken. „Die jungen Männer gehen lieber ans Band, die anderen erben – es geht uns zu gut“, meint Neubauer.

„Der Automobilhandel macht, wie viele andere Handelsbereiche auch, einen disruptiven Wandel durch“, sagt auch IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes. Die Hersteller setzten etwa immer mehr auf Online-Vertriebsmodelle. „Damit einher dürfte in den kommenden Jahren eine größere Konsolidierung der Branche gehen“, so Helmes. Insgesamt zeige sich der Automobilhandel bei den Konjunkturumfragen der IHK verhalten optimistisch. „Zwar wurde die Elektroauto-Förderung im Dezember 2023 gestrichen, gleichzeitig stiegen die Absätze bei Autos mit konventionellen Antrieben.“

Mercedes, Jeep, Fiat Professional und Dodge, das sind die Marken, die man auf dem Gelände des Autohauses noch erwerben kann.

Nicht auf E-Autos gesetzt

Doch der Elektro-Mobilität hatte sich Neubauer ohnehin versperrt. „Häuser wie wir verdienen doch durch den Ölwechsel und die Reparaturen“, sagt die Autohaus-Besitzerin. „Wir hätten uns einen Container hinstellen müssen, den man braucht, wenn die E-Autos Feuer fangen würden.“ Im November, kurz nach ihrem 60. Geburtstag, werden Sabine Neubauer und ihr Mann zusperren. Was mit dem Areal passiert, ist noch offen.

„Sie haben kluges Unternehmertum und Mut bewiesen“, hatte Handwerkskammer-Geschäftsführer Alexander Stahl beim 100-Jährigen gesagt. Der Mut hat die Neubauers verlassen. Dabei waren Urgesteine wie der legendäre Bäcker Georg Schindler Kunden. Den werden sie vermissen, denn Schindler bäckt ihnen privat bis heute Gebäck und bringt es ins Autohaus. Auch das wird bald Geschichte sein.

Bäume statt vielbefahrene Straße: So sah das Autohaus Gebhardt noch in den 70er Jahren aus. Foto: Gebhardt
Sabine lernte ihren Mann Matthias als Angestellten kennen. Foto: Eckl
Das Autohaus wurde in der Jakobstraße 8, gegenüber der Schottenkirche, gegründet. Den Torbogen gibt es noch. Foto: Gebhardt