Brandschutz und Bürokratie hätten Regensburger Traditions-Hotel fast den Garaus gemacht

Von Christian Eckl · 29. Mai 2024 um 17:00

„Der Wiendl“ in Kumpfmühl in Regensburg wird weiter betrieben, doch die Rahmenbedingungen sind denkbar schlecht, sagt die Betreiberin. Weil eine Betriebsübernahme durch die Söhne auch mit neuen Auflagen in Sachen Brandschutz verbunden gewesen wäre, macht die 61-jährige Chefin erst einmal weiter.

Es ist ein Gerücht, das sich nachhaltig in Kumpfmühl hält: Das Traditions-Hotel Wiendl soll schließen. „Das stimmt nicht“, sagt Betreiberin Elfriede Czogalla. Richtig sei, dass man bereits einen Verkauf an einen Investor geplant habe, der Wohnungen auf dem Areal bauen wollte. Doch das sei am Ende doch nicht zustande gekommen. „Wir machen weiter, wenn auch mit großen Sorgen“, sagte Czogalla im Hinblick auf die Rahmenbedingungen für die Branche in Regensburg. Kürzlich wurde bekannt, dass in Regensburg gleich zwei Traditionshäuser schließen: Das Avia-Hotel in der Frankenstraße im Herbst sowie das Apollo an der Uni Ende des Jahres.

Claudia Schwecke, Betreiberin des Avia-Hotels, und Irmgard Rösch vom Hotel Apollo hatten übereinstimmend von den immer schwierigeren Rahmenbedingungen für den Mittelstand gesprochen, die zur der Entscheidung geführt hätten, das Hotel aufzugeben. „Wir merken Corona immer noch“; sagt auch Czogalla. „Wir haben eben nicht zwei oder drei Häuser in unterschiedlicher Lage, die wir vermieten können, sondern sind auf die Einnahmen unseres Hauses in Kumpfmühl angewiesen.“

„Der Wiendl“ ist bekannt

Gerade die Regensburger kennen „den Wiendl“ auch als Restaurant und Biergarten. „Wir haben viele Stammgäste“, sagt die Unternehmerin. „Aber leider können wir von denen alleine nicht leben.“ Beim Avia- und beim Apollo-Hotel kam es in den letzten Jahren auch zu einem Investitionsstau. Apollo-Betreiberin Rösch schilderte, dass sie keinen Nachfolger für ihr Haus habe, da sich die Kinder nicht in der immer schwieriger werdenden Branche wohlfühlen würden. Auch im Avia-Hotel standen Millioneninvestitionen an, die in das Haus, das teilweise noch Anfang der 50er gebaut wurde, getätigt hätten werden müssen.

Der Wiendl ist frisch gestrichen und steht derzeit in leuchtendem Eierdottergelb an der Universitätsstraße. „Wir haben uns aber nicht getraut, die Corona-Hilfen in Anspruch zu nehmen und in die Substanz zu investieren, weil wir nicht wussten, ob wir das Geld zurückzahlen müssen“, sagt Czogalla. Und so ist es ja dann in der Tat zahlreichen Kollegen aus der Gastronomie ergangen. Immer wieder berichtete auch diese Zeitung von Fällen, in der die IHK Oberbayern, die für die Auszahlung der Corona-Hilfen zuständig war, Geld zurückgefordert hat. Zeitweise waren am Verwaltungsgericht 200 Klagen gegen solche Rückforderungen anhängig.

„Investitionen, die der Hotelgast am Ende nicht merkt“

Die Hotelbetreiberin sagt auch, dass die Investitionen, die getätigt werden müssen, beim Hotelgast am Ende gar nicht ankommen würden. Gerne würde die 61-Jährige beispielsweise ihr Hotel an die nächste Generation übergeben. Anders als die Apollo-Betreiber hat Czogalla zwei Söhne, die beide im Hotel tätig sind. Auch ihr Sohn Fabian, der Koch ist, arbeitet im Betreib. Aber: „Wenn wir übergeben würde, dann gilt der Bestandsschutz nicht mehr und wir müssten viel Geld in den Brandschutz investieren, ohne dass irgendein Gast mehr Komfort hätte.“ Das ist der Grund, wieso die Familie die Betriebsübergabe verschoben hat – „und zwar solange es geht“, sagt die Unternehmerin.

In der Branche sei derzeit ein Sterben der familien- oder inhabergeführten Betriebe zu beobachten. „Es gibt doch schon gar keine normalen Wirtshäuser mehr in Regensburg“, sagt Czogalla, „zumindest nicht mehr viele“.

Hotelbranche im Umbruch

In der Tat ist die Branche in Regensburg im Umbruch. Durch neu gebaute Hotels hat sich die Bettenzahl in den vergangenen Jahren deutlich nach oben entwickelt. Einer letzten Auswertung vom August 2023 zufolge sind es mittlerweile bereits etwa 8800 Betten. Zum Vergleich: Im Januar 2019 waren es noch etwas über 6000. Vor allem die immer mehr anwachsende Bürokratie fordere aber gerade kleinere Familienbetriebe heraus. Einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages zufolge liegen die Kosten je Betrieb allein für bürokratischen Aufwand zwischen 12.000 und 60.000 Euro. Der Studie zufolge, die durch die Sira Consulting GmbH für die DIHK durchgeführt wurde, machten diese Bürokratiekosten „bei einem typischen Unternehmen im Gastgewerbe jedes Jahr 2,5 Prozent des Umsatzes aus“. Laut der Studie leisten die Unternehmen der Branche durchschnittlich 14 Überstunden pro Woche, um 100 bis 125 komplexe Vorschriften etwa zur Kassenrichtlinie, Hygieneüberwachung oder Datenschutzgrundverordnung zu erfüllen, heißt es in der Studie. Und weiter: „Laut Hygienevorschrift müssen Gastro-Unternehmer zum Beispiel die Temperaturen von Kühlschränken täglich per Hand in ein Formular eintragen und ein Jahr aufbewahren – selbst dann, wenn sie über ein automatisches und digitales Mess-System verfügen.“