Hotel-Sterben in Regensburg geht weiter: Jetzt schließt auch dieser Traditions-Betrieb

Nach der Nachricht, dass das Regensburger Avia-Hotel schließt, die nächste Hiobsbotschaft: Ein Haus mit 45 Betten wird Ende des Jahres geschlossen. Fehlende Nachfolger, vor allem aber die Belastungen für den Mittelstand sind die Gründe. Das sagt die Firmenchefin.
Das Hotel-Sterben in Regensburg geht weiter. Nach der Nachricht, dass das Avia-Hotel an der Frankenstraße schließen wird, die nächste Hiobsbotschaft: Auch das Apollo-Hotel in Regensburg-Neuprüll wird nicht mehr fortgeführt. Wie die Inhaberin Irmgard Rösch bestätigte, will man das Haus bis zum Ende des Jahres aufgeben. „Wir haben Kinder, die mit einem Hotelbetrieb aufgewachsen sind und die verständlicherweise sagen: Das wollen wir nicht“, sagt Rösch.
Doch nicht nur ein Mangel an Nachfolgern hat die Unternehmerfamilie dazu gebracht, das Hotel aufzugeben: „Wir müssten wie im Avia-Hotel Millionen investieren.“ Das sei aber angesichts der Rahmenbedingungen und der Tatsache, dass man keine Nachfolger habe, utopisch. „Der Entschluss ist nicht von heute auf morgen gekommen, sondern ist gereift“, sagt Rösch zudem.
Denn ähnlich wie im Avia-Hotel hat die Familie Rösch eine lange Tradition: Das heutige Hotel war ein Landwirtschaftsbetrieb in Neuprüll, das damals schon zu Regensburg gehörte. 1904 wurde Karthaus-Prüll und damit auch Neuprüll eingemeindet. Doch als 1967 am Regensburger Campus der Lehrbetrieb startete und 1978 der Grundstein für ein Universitätsklinikum unweit entfernt gelegt wurde, stieg der Bedarf an Übernachtungsbetten an. Bis heute sind es vor allem Tagungsgäste und Forscher oder Ärzte, die an Uni und Uniklinikum Veranstaltungen wahrnehmen, die im Apollo-Hotel ein Zimmer finden. „Wir haben einen Swimmingpool und anders als viele andere Hotels einen großen Parkplatz, das hat unsere Stammkundschaft auch gebunden“, sagt Rösch. Während das Avia-Hotel vor allem auch wegen seiner Gastronomie auch für viele Regensburger eine relativ große Bekanntheit hat, ist das Apollo-Hotel eher außerhalb Regensburgs bekannt und geschätzt.
Unternehmer sind verbittert
Wer mit der Hoteliersfrau spricht, der merkt, wie tief die Verbitterung zwischenzeitlich auch im lokalen Mittelstand ist. Die Unternehmerin sagt, es sei für sie schwer, Personal zu finden – 17 Mitarbeiter hatte sie früher, jetzt sind es nur noch sechs. Während ihr treue Mitarbeiter über die Jahre hinweg den Rücken freigehalten haben, seien die letzten beiden Einstellungen schwierig gewesen. Mangelnde Pünktlichkeit und plötzliche Kopfschmerzen seien ein Problem gewesen, „weil dann ja andere die Arbeit machen müssen“. Sie halte es für problematisch, dass auch die Signale aus der Politik stets die seien, dass die Menschen im Land weniger arbeiten sollen – „wie soll das funktionieren?“, fragt sie sich.
Auch die Belastung durch Steuern und Abgaben empfindet die Unternehmerin mittlerweile als problematisch. Unternehmer müssten für die Altersvorsorge vorbauen. Doch der Staat bediene sich. „Ich kann verstehen, dass der Staat Geld braucht.“ Aber sie frage sich, ob dieses auch für die richtigen Dinge verwendet werde. Ihre Familie war betroffen, als sie Grund für die Bundesautobahn abtreten mussten.
Einen Kommentar zum Thema finden Sie hier: Der Mittelstand leidet unter immer mehr Bürokratie
„Der Betrag, den wir dafür bekommen haben, war lächerlich niedrig – und versteuern mussten wir ihn auch noch“, sagt Rösch. Ihre Einschätzung wird von Kathrin Fuchshuber vom Hotel Münchner Hof bestätigt. „Die halten uns Unternehmer für unfähig, Unternehmen zu führen“, sagt Fuchshuber über die Regierung. „Daran verzweifelst Du einfach.“ Sie sitze den ganzen Tag im Büro, müsse Formulare ausfüllen, Listen abhaken und komme nicht mehr dazu, „um was es doch geht im Hotel“. Das fehle dann am Ende am Gast. Die großen Ketten würden den Bürokratismus zentralisieren. „Die haben eine Armada von Kontrollfreaks, die das machen. Wir in den familiengeführten Hotels müssen das selbst machen.“
Fuchshubers Lieblingsbeispiel ist der Leiterbeauftragte, den sie ausbilden musste. „Ich musste jemanden ausbilden lassen, der alle drei Monate die Trittleitern überprüft“, sagt Fuchshuber. „Wenn wir eine neue Mitarbeiterin einstellen, braucht die eine Einweisung, wie sie auf eine Leiter steigen soll und wieder runterkommt. Das ist doch Wahnsinn“, so Fuchshuber.
„Vorzeigedame der Branche“
Dass die Röschs nun aufgeben, ist für Fuchshuber besonders bedauerlich. Sie habe die Irmgard Rösch als „Vorzeigedame in der Branche“ kennengelernt, die sich eingebracht habe in die Verbände. „Gastgeberin zu sein, fließt bei Irmgard Rösch in den Adern“, sagt Fuchshuber. Dass nun dieses Haus schließe, sei ein weiterer Tiefschlag für die Branche in Regensburg. Zusätzlich zu den bürokratischen Belastungen sagt Rösch, dass es für die familienbetriebenen Hotels in Regensburg schwieriger werde. „Wir haben keine großen Messen oder Veranstaltungen“, sagt die Unternehmerin. Hinzu kommt, dass die Zahl der Betten von etwas über 6000 auf über 8500 gestiegen ist in den vergangenen Jahren. „Wer bleiben will, muss investieren“ – das käme aber für ihre Familie nicht mehr in Frage. Für das Hotel gibt es keine Zukunft mehr. Es werde noch einen Abverkauf von Mobiliar geben. Dann wird das Hotelgebäude in Neuprüll abgerissen. Ein Investor hat den Grund gekauft und will Wohnungen auf dem Areal errichten.