Anwohner kritisieren Pläne für SAD5 – Eigentümer wollen für Ausbau kein Land abgeben

Dass die Kreisstraße SAD5 saniert werden soll, dagegen haben die Naabsiegenhofener grundsätzlich nichts. Und doch weigern sie sich, Flächen entlang der Kreisstraße bei Schwandorf zur Verfügung zu stellen. Denn die Pläne für deren Ausbau gefallen den Anwohnern so gar nicht.
Zwischen Naabsiegenhofen und Wiefelsdorf ist die Kreisstraße SAD5 eine wahre Holperstrecke mit zum Teil erheblichen Straßenschäden. Schon seit Jahren will der Landkreis Schwandorf deshalb die wichtige Verbindung ausbauen. Dafür braucht er allerdings Flächen, die direkt an die Kreisstraße angrenzen. Deren Eigentümer sind zu einem Verkauf aber nicht bereit. Aus gutem Grund, wie sie jetzt der MZ erklären.
Massiver Ausbau stört
Sie machen ihre Kritik vor allem an den geplanten Linksabbiegespuren fest. In einem Abstand von etwa 150 Metern sollen gleich zwei dieser Extra-Spuren entstehen. Ein solcher Ausbau sei für ihre kleine Ortschaft zu massiv, finden die Anwohner.
Landkreissprecher Hans Prechtl bestätigt auf Nachfrage, dass im Zuge des Ausbaus der SAD5 bei Naabsiegenhofen Linksabbiegespuren entstehen sollen. „Bei dieser Kreisstraße handelt es sich um eine klassifizierte Straße, für welche die Einhaltung der Richtlinien für die Anlage von Landstraßen (RAL) zwingend erforderlich ist“, teilt er mit. „Bei den Zufahrten nach Naabsiegenhofen handelt es sich um Gemeindeverbindungsstraßen. Bei diesen Straßeneinmündungen sind nach RAL zwingend Linksabbiegespuren einzuplanen“, so Prechtl weiter.
Das sei dem Landkreis auch bei einer Rücksprache mit der Regierung der Oberpfalz erklärt worden. Ausnahmen seien nur für gering belastete Wirtschaftswege oder Grundstückszufahrten zulässig. Ohne Einhaltung der geltenden Vorschrift seien Zuschüsse aus dem Finanzierungstopf des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes nicht zu erwarten, teilt Prechtl weiter mit.
Nur weil es dafür eine Förderung gebe, dürfe Steuergeld nicht einfach verschwendet werden, meinen die Naabsiegenhofener. Denn die Maßnahme werde nach ihrer Einschätzung durch den größeren Ausbau auch deutlich teurer. Für ihre Ablehnung führen die Anwohner gute Gründe an: Ihr Ortsteil umfasse nur 13 Anwesen und die Straße führe ringförmig durch Naabsiegenhofen. Es gebe keine weitere Abzweigung zu einer anderen Ortschaft. Die kleine Ortsstraße werde deshalb auch nur von den Anwohnern und ein paar wenigen Besuchern benutzt.
Von der SAD5 würden am Tag vielleicht 25 Fahrzeuge abbiegen, so die Schätzung der Naabsiegenhofener. Für diese Anzahl seien die geplanten Linksabbiegespuren aus ihrer Sicht nicht wirklich sinnvoll. Man müsse auch an die Ökologie denken und nicht alles massiv versiegeln.
Die Kreisstraße werde durch den Bau von Linksabbiegespuren deutlich breiter, kritisieren die Anwohner. Nach ihren Informationen werde die Kreisstraße durch den vorgesehenen Ausbau mehr als doppelt so breit. „Die gesamte Fahrbahnbreite im Bereich der Linksabbiegespur würde 9,75Meter betragen“, bestätigt Hans Prechtl. „Es handelt sich dabei um die Mindestbreite nach RAL.“ Die Fahrbahn werde ansonsten auf eine Breite von sechs Metern ausgebaut.
In Naabsiegenhofen habe es auch noch keine Unfälle an den Ausfahrten gegeben, so die Anwohner weiter. Josef Mulzer kann sich in den zurückliegenden 30 Jahren an keine einzige Kollision erinnern.
Das könnte sich bei einer mehr als doppelt so breiten Straße ändern, befürchten die Naabsiegenhofener. Denn es sei dann schwerer, die Straße mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen zu überqueren. Und in dem kleinen Ortsteil gebe es viele Bauern.
Die Forderungen der RAL sind unabhängig von der Häufung von Unfällen oder den Verkehrszahlen zu erfüllen, sagt der Kreissprecher. In der RAL gibt es laut Prechtl für Landstraßen vier Entwurfsklassen. Auch bei der geringsten Klasse 4 – wie bei der SAD 5 – müssten die Richtlinien angewendet und die Vorschriften eingehalten werden, damit die Einheitlichkeit von Straßen einer Entwurfsklasse als auch der Unterschied von Straßen verschiedener Entwurfsklassen für den Kraftfahrer begreifbar sei.
An anderer Stelle nötiger?
Aussagen, dass ein Ausbau der SAD5 auch ohne Linksabbiegespuren gefördert werden könnte, tritt Prechtl entgegen: „Nach den ersten Grunderwerbsgesprächen wurden noch mal Gespräche mit der Regierung der Oberpfalz geführt. Dabei gab es die eindeutige Aussage, dass der Bau der Linksabbiegespuren Fördervoraussetzung ist.“
Warum soll die Kreisstraße nicht so bleiben, wie sie jetzt ist, nur eben saniert, fragen sich die Anwohner. Es gebe aus ihrer Sicht andere Ecken, an denen Linksabbiegespuren dringender wären. Als Beispiel nennen sie die Abzweigung zur Firma Horsch auf der SAD3 bei Ettmannsdorf.
Mit den Eigentümern der Straßengrundstücke in Naabsiegenhofen verhandelt der Landkreis laut dem Pressesprecher seit Sommer 2023. Die Anwohner ärgern sich darüber, dass bei den verschiedenen Terminen immer die gleichen Vorschläge gemacht worden seien. Sie erwarten von künftigen Gesprächen, dass der Landkreis ihnen entgegenkomme.
„Kompromisse bei den benötigten Grundstücken bedeutet, dass die Planung geändert werden muss. Dazu ist der Landkreis bereit und hat dies auch in den Verhandlungen signalisiert. Bauvorschriften und Vorgaben der Förderstelle sind dabei natürlich zu beachten“, erklärt Hans Prechtl auf Nachfrage. Es sei nun geplant, eine Infoveranstaltung mit den betroffenen Grundstückseigentümern abzuhalten. Nach Informationen der MZ soll sie am 28. Oktober in Gögglbach stattfinden.
Man werde auch weiterhin versuchen, an die erforderlichen Flächen im freien Grunderwerb zu gelangen. Eine Enteignung sei kein Thema. In den vergangenen Jahrzehnten habe der Landkreis Schwandorf keine Enteignung zum Ausbau einer Kreisstraße durchgeführt, betont Prechtl.