Sportwagen, Häuser und Bargeld: Verstorbener Arzt will Schwandorf an Millionenerbe beteiligen

Bruno Faderl, ein Gynäkologe aus Wackersdorf, war ein „feiner Kerl“. So beschreiben Freunde den 80-Jährigen, der im Juni diesen Jahres verstarb. Und auch nach seinem Tod will er Gutes tun: Die Stadt Schwandorf, konkret die Bürgerspitalstiftung, soll einen Teil seines Millionenvermögens erhalten – sofern sie einen seiner letzten Wünsche erfüllt.
Der Mediziner war keine bekannte Persönlichkeit in der Region. Als einziges Kind der Eheleute Maria und Willibald Faderl wuchs er zwar in Wackersdorf auf. Doch nach der Schule zog es ihn hinaus in die Welt. Zunächst heuerte er als Berufspilot bei der Lufthansa an, studierte anschließend Lehramt in Regensburg und entdeckte dann doch noch die Liebe zur Medizin. Als Gynäkologe stieg er in einer Münchner Klinik bis zum Oberarzt auf.
Ferrari oder Porsche: Faderl war gern mit viel PS unterwegs
Doch so unterschiedlich seine Berufe waren, so gab es doch eine Konstante in seinem Leben: schnelle Autos. Zu Faderls bis zu drei Millionen Euro hohem Vermögen gehören zwei vermietete Wohnhäuser in Wackersdorf, etwa 500000 Euro Bankguthaben und Finanzanlagen, aber auch sechs Sportwagen, die Sammlerherzen höherschlagen lassen. Da steht zum Beispiel ein Ferrari 458 Spider in der Garage und bekommt von einem Porsche 911 Carrera RS, Typ 964, Gesellschaft. „Die Autos waren sein Leben“, erinnert sich Gunda Micke (86), die Lebensgefährtin des Verstorbenen.
Beide lernten sich 2019 nach dem Tod ihrer jeweiligen Ehepartner bei einer Urlaubsreise in Kroatien kennen. Schnell stimmte die Chemie, und man verbrachte gemeinsam den Lebensabend. „Ich hätte nie gedacht, dass man in meinem Alter noch so viel Liebe erfahren kann“, sagt Micke. Bruno Faderl sei ein „ganz lieber Mensch“ gewesen. Und ein Gentleman, wie er im Buche steht.
Die 86-Jährige erinnert sich noch gut daran, als sie ihr Bruno mit dem Ferrari nach Bogen chauffierte. Sie revanchierte sich für die Ausflugsfahrten jedes Mal mit gutem Essen aus der eigenen Küche. Apfelstrudel oder Pudding habe Faderl besonders gern gegessen. „Er war eben ein Süßer“, erinnert sich Gunda Micke.
Millionär wurde am Wackersdorfer Friedhof beigesetzt
Am 20. Juni 2024 verstarb ihr Lebensgefährte in einem Nürnberger Pflegeheim, seine letzte Ruhestätte fand er am Wackersdorfer Friedhof. Auch Monate nach seinem Tod ist Bruno Faderl im Leben von Gunda Micke omnipräsent. „Ich habe ein Bild von ihm in meiner Wohnung aufgestellt und spreche noch jeden Tag mit ihm.“
Auch die Seniorin kennt freilich das Testament ihres Partners. Und der hatte vor seinem Tod festgelegt, dass sein Vermögen gedrittelt werden soll. Ein Drittel soll an mehrere Hospizvereine in Bayern gehen, ein weiteres Drittel an einen Verein für krebskranke Kinder und ein Drittel eben auch an die Bürgerspitalstiftung in Schwandorf, die unter anderem das Elisabethenheim betreibt.
Testamentsvollstrecker und Rechtsanwalt Sebastian Lommer bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass das Erbe an eine Bedingung geknüpft sei. So würde der Erbteil nur nach Schwandorf fließen, wenn die Große Kreisstadt eine Straße oder einen Platz nach Bruno Faderl benennt. Darüber beriet auch kürzlich der Ferienausschuss in nichtöffentlicher Sitzung. Das Ergebnis: Die Entscheidung wurde zunächst vertagt. Erst soll die Stadt mit den anderen Erben in Kontakt treten und Details absprechen.
Verwaltung macht den Stadträten einen Vorschlag
In einer Beschlussvorlage heißt es, dass Recherchen der Verwaltung keine Hinweise oder Tatsachen ergeben hätten, „die dem Ruf des Erblassers abträglich wären“. Die Verwaltung schlug daher den Stadträten vor, den Vorplatz des Elisabethenheims, bei dem es sich um einen beschränkt öffentlichen Weg für Fußgänger handle, nach dem verstorbenen Frauenarzt zu benennen. So könnte man sogar einen räumlichen Bezug „zwischen dem Erblasser und der Bürgerspitalstiftung als Trägerin des Elisabethenheims herstellen“.
Wie die Stadt entscheidet, ist noch offen. Die Gemeinde Wackersdorf wurde indes vor Jahren ebenfalls von Bruno Faderl mit demselben Wunsch kontaktiert. Doch die dortigen Gemeinderäte entschieden sich 2016 laut Vize-Bürgermeister Thomas Neidl (FW) gegen das Erbe und die damit verbundene Widmung einer Straße. „Wir wollten keinen Präzedenzfall schaffen“, so Neidl.


