Nachts in Schwandorfer Bank eingesperrt: Feuerwehr rettet 33-Jährige

Es war ein ungewöhnlicher Einsatz für Polizei und Feuerwehr: Kürzlich mussten sie eine junge Frau aus der Bankfiliale am Schwandorfer Marktplatz befreien. Eine 33-Jährige war dort mitten in der Nacht mehr als zwei Stunden eingeschlossen. Wie konnte es so weit kommen?
Es sei schon weit nach 22 Uhr gewesen, als sie an einem der verbliebenen Automaten in der früheren Raiffeisenbank Geld abheben wollte, erzählt die junge Frau. Am Kartenlesegerät neben der Eingangstür habe „Foyer geöffnet, bitte eintreten“ gestanden. Daher sei sie auch davon ausgegangen, dass die Bank noch geöffnet ist. Doch die Tür zum Bankraum habe sich nicht öffnen lassen.
Die Eingangstür sei bereits verschlossen gewesen, heißt es dazu von der Stadt Schwandorf, die Eigentümerin des Gebäudes ist. Der SB-Bereich ist nur zwischen 6 und 22 Uhr geöffnet, teilt Pressesprecherin Maria Schuierer mit. Diese Zeit sei von der VR-Bank festgelegt worden. Eine von der Bank beauftragte Sicherheitsfirma sorge jeden Tagen dafür, dass die Zugangstür geöffnet und verschlossen wird.
Da die Anzeige am Kartenlesegerät jedoch etwas anderes offerierte, nahm die junge Schwandorferin an, dass der Schalterraum noch offen ist und die Tür vielleicht nur spinnt. Da die Tür daneben offen gewesen sei, kam sie doch noch in die Bank. „Warum die rechte Eingangstür nicht richtig verschlossen war, ist leider noch unklar“, teilt Pressesprecherin Schuierer auf Anfrage mit und fügt hinzu: „Ob hier ein mechanisches Problem vorliegt oder die Tür nach dem Verlassen nicht richtig zugefallen ist, wird derzeit geprüft.“ Der elektronische Türöffner per Bankkarte sei jedenfalls nicht mehr aktiv.
Passanten bemerkten die eingeschlossene Frau nicht
Für die junge Frau begann mit dem Betreten des Bankraums aber das Unglück. Denn die Nebentür kann nur von einer Seite geöffnet werden. Vom SB-Bereich aus ist sie nur noch mit einem Schlüssel zu öffnen. So war die 33-Jährige in der Geldautomatenhalle eingeschlossen. Ihr Handy hatte sie nicht dabei und auf ihr Winken habe auch keiner der vorbeilaufenden Passanten reagiert.
Ihre Freundin saß zum Glück nur wenige Meter entfernt im Auto. Nach etwa einer Viertelstunde habe sich die Begleiterin Sorgen gemacht, warum die 33-Jährige so lange zum Geldabheben brauche. Die Freundin schaute nach dem Rechten und merkte, dass ihre Bekannte in der Bank eingesperrt war. „Da sie kein Kunde der Raiffeisenbank ist, kam sie aber selber nicht in den Schalterraum hinein“, berichtet die junge Schwandorferin. Die Nebentür, über welche die 33-Jährige in die Bank gelangt war, war mittlerweile zugefallen und ließ sich auch nicht mehr öffnen.
Ihrer Freundin blieb also nichts anderes übrig, als kurz nach 23 Uhr die Polizei zu alarmieren. Für die Beamten der Schwandorfer Dienststelle nahm damit einer der ungewöhnlichsten Einsätze der vergangenen Wochen seinen Lauf.
Mit mehreren Beamten rückte die Polizei am Ort des Geschehens an. Versuche, die Eingeschlossene mit eigenen Mitteln zu befreien oder Verantwortliche der Raiffeisenbank zu erreichen, misslangen jedoch.
Gegen 23.40 Uhr rückte die Feuerwehr Schwandorf an
Deshalb riefen die Polizisten gegen 23.40 Uhr die Feuerwehr Schwandorf zu Hilfe, die mit zwei Fahrzeugen, darunter der Drehleiter, im Einsatz war. Man korrespondierte mit der Stadt. Die verweist auf Anfrage darauf, dass es für die städtischen Gebäude eine technische Rufbereitschaft gibt. „Aufgrund der Dringlichkeit wurde vereinbart, die Tür durch die Einsatzkräfte öffnen zu lassen, um die Person schnellstmöglich befreien zu können“, teilt Pressesprecherin Schuierer mit. Konkret wurde die Glasscheibe in der Eingangstür zerschnitten.
Die eingeschlossene Frau hatte sich zwischenzeitlich schon damit abgefunden, die gesamte Nacht in der Bank verbringen zu müssen. Doch zu der unfreiwilligen Übernachtung kam es letztlich nicht.
Als die 33-Jährige nach mehr als zwei Stunden wohlauf die Bankfiliale verlassen konnte, wurde sie mit Beifall willkommen geheißen. „Ich habe mir in dem Moment gedacht, ob das jetzt echt passiert ist“, blickt die Frau auf den Augenblick ihrer Rettung zurück.
Als die Einsatzstelle dem Technischen Hilfswerk, das für die Verschalung der aufgeschnittenen Glasscheibe sorgte, übergeben worden war, konnten die Feuerwehrleute die Einsatzstelle am Marktplatz wieder verlassen. Das war gegen 1.45Uhr der Fall. Inzwischen wurde die Glasscheibe sowie die Türmechanik repariert, teilt die Stadt mit. Der Schaden habe sich auf 700 Euro belaufen.
Am Anfang sei das ganze Geschehen „lustig gewesen“, meint die Schwandorferin. Irgendwann habe sie dann jedoch Durst und Kopfschmerzen bekommen, erinnert sie sich. Und sie habe sich „nur noch gelangweilt“ und mit der Überwachungskamera geredet, sagt die junge Frau. Denn ihr Handy hatte sie bekanntlich ja nicht in der Tasche.
Eigentlich sei sie eine Person, die kein großes Wesen um sich macht, meint die 33-Jährige. Deshalb will sie im Bericht auch anonym bleiben. Am Abend des Vorfalls sei das aber nicht möglich gewesen. Sie habe sich bei der Situation wie in einem Glaskasten gefühlt, wo sie von allen angestarrt wird.
Stadt ergreift Maßnahmen für mehr Sicherheit
Sowohl die Stadt als auch die VR-Bank bedauern den Vorfall sehr, heißt es. „Es werden nun alle Maßnahmen ergriffen, um solche Vorfälle in Zukunft auszuschließen“, teilt die städtische Pressesprecherin mit.
Folglich habe man nun einen provisorischen Aushang mit den Öffnungszeiten an der Eingangstür angebracht. Ferner werde der Sicherheitsdienst die Räumlichkeiten auf noch anwesende Personen kontrollieren.
„Sowohl die rechte Eingangstür als auch die Zwischentür werden abgeschlossen. Alle städtischen Mitarbeiter, die sich im Gebäude aufhalten, sowie der Reinigungsdienst wurden nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, beim Verlassen des Gebäudes auf das ordnungsgemäße Schließen der Türen zu achten“, erklärt Schuierer im Namen der Stadt.
Wenn sie nun die Bank wieder betritt, habe sie schon ein etwas mulmiges Gefühl, meint die 33-Jährige. Ganz ohne Geldabhebungen und Bargeld in der Hand gehe es aber nicht, fügt sie hinzu. „Beim Bäcker braucht man zum Beispiel noch Bargeld.“ Bisher habe sie mit der Raiffeisenbank-Filiale am Marktplatz auch gar keine Probleme gehabt.
Die Volksbank Raiffeisenbank Regensburg-Schwandorf hatte ihren neuen Hauptsitz im Stadtosten 2022 eingeweiht, am Marktplatz stehen seitdem nur noch Geldautomaten zur Verfügung.
