Internationale Kette schnappt sich Regensburger Hotels – Familienunternehmen unter Druck?

Zwei Häuser im Welterbe kooperieren jetzt mit Best Western. Der Regensburger Hotelverein sieht das nicht kritisch, beklagt aber Druck auf kleine Häuser und spricht von einer „Reise nach Jerusalem“. Diese beiden Hotels schließen in Regensburg.
Immer mehr internationale Hotelketten erobern die touristisch begehrte Welterbestadt Regensburg. Kürzlich verkündete die BWH-Gruppe, die unter der Marke Best Western bekannt ist, einen Deal in Regensburg: Die beiden von André Zitzelsberger betriebenen Häuser Hotel Jakob am Jakobstor sowie das Hotel Central beim Regensburger Hauptbahnhof sind Ende August zur hinzugekommen. Sie gehören jetzt zu den Hotels der Gruppe, die als „Collections“ firmiert. Während die Nachricht die Zukunft der Häuser sichert, geben in Regensburg immer wieder Hotels auf, die noch von der Eigentümerfamilie geführt werden. Doch ist es egal, ob große Ketten hinter dem Betrieb stecken?
„International vermarktet“
„Wir haben uns aufgrund des internationalen Vermarktungsansatzes für BWH Hotels als Markenpartner entschieden. So können wir Gästegruppen erreichen, die wir über unsere eigenen Kanäle allein eher weniger ansprechen können“, erklärten jedenfalls Ralph Schleupner, Hoteldirektor des Hotel Jakob Regensburg Downtown und des Hotel Central Regensburg CityCentre, sowie André Zitzelsberger, Geschäftsführer und Betreiber der beiden Häuser. Und auch bei der großen Hotelkette herrscht eher Euphorie: „Zwei neue Häuser in Regensburg in unserer Gruppe willkommen zu heißen, freut uns sehr. Die Destination ist sowohl touristisch als auch für Businessreisende sehr spannend und wir sehen dort ein großes Erfolgspotenzial“, sagt Marcus Smola, Geschäftsführer bei BWH Hotels Central Europe.
Nach Angaben der Regensburg Tourismus GmbH, einer städtischen Tochter, gibt es derzeit 83 Hotelbetriebe mit knapp 8900 Betten in Regensburg. Doch es gibt aktuell massive Umwälzungen auf dem Markt. Zwei beliebte Häuser verliert die Stadt: Zum einen das gehobene Avia-Hotel an der Frankenstraße, zum anderen das Hotel Apollo in Kumpfmühl. Auch alteingesessene Betriebe wie das Hotel Wiendl klagen darüber, dass immer höhere Auflagen Investitionen nach sich ziehen, die sich für Familienbetriebe immer weniger lohnen. Zum anderen stehen bereits Investoren vor der Tür, denn Regensburg wird immer beliebter bei Reisenden. Im Regensburger Stadtosten, der nach wie vor eher industriell geprägt ist, gibt es eine Bauvoranfrage für ein sechsstöckiges Hotel. Ob bereits ein Bauantrag gestellt wurde, konnte die Stadt bisher nicht beantworten.
Wie sehen die Hoteliers in Regensburg die Lage selbst? „Die Flucht nach vorne der Familie Zitzelsberger, sich unter das Dach einer Hotelkette zu begeben, ist nachvollziehbar und folgt damit der konsequenten Ausrichtung unserer Stadtentwicklung und der Regensburg Tourismus GmbH, die Kettenhotellerie in Regensburg zu etablieren“, sagt Kathrin Fuchshuber stellvertretend für den Hotelverein Regensburg.
„Diese Strategie barg unter anderem den Ansatz mehr Gäste in Regensburg zu beherbergen, neue Hotels vorzuweisen und die weltweit agierenden Ketten zu nutzen, um die Destination Regensburg kostenfrei zu vermarkten und zusätzlich deren eigenen Gäste in die Stadt zu holen“, so Fuchshuber weiter. Derzeit könne angesichts der zunehmenden Individualisierung auch der Reisenden nur „der überleben, der ein Alleinstellungsmerkmal hat“. Fuchshuber weiter: „Das heißt, dass wir uns bemühen, in jedem unserer noch privat- oder familiengeführten Hotels ein einzigartiges und authentisches Erlebnis zu bieten, bei dem der Gast im Mittelpunkt steht.“
Zahl der Betten steigt
Fuchshuber sagt weiter, die Zukunft der Ketten wäre wohl rosiger als die der Individualhotels, denn die Ketten könnten einen Großteil der Kosten bündeln und damit senken. Sie nennt Zahlen, die veranschaulichen, welche Belastung auf die Hotels zukommen: 2019 verzeichnete Regensburg 1,145 Millionen Übernachtungen. 2023 waren es bereits 1,337 Millionen. „Doch die jährliche Auslastung sank von 47,3 auf 40,9 Prozent“, so Fuchshuber. „Das erklärt sich aus dem Zuwachs der Hotels und der Bettenkapazität, die seit 2019 um 2735 Betten gestiegen ist.“
Angesichts der Schließungen zweier familiengeführter Häuser vermutet Fuchshuber aber auch, dass die „Reise nach Jerusalem“ längst begonnen habe.
