Von stadtbildprägend bis versteckt: Sechs Neunburger Kirchen öffnen am Freitag ihre Türen

Egal von welcher Seite man sich Neunburg nähert, schon von weitem ist die Pfarrkirche St.Josef zu sehen. Das markante Gebäude im Herzen der Altstadt prägt die Silhouette von Neunburg. Es fehlt auf fast keiner Postkarte. Und doch gibt es in der Stadt mehr Gotteshäuser als nur die Pfarrkirche.
Diese Vielfalt wird am Freitag bei der Nacht der offenen Kirchen deutlich. Sechs Kirchen öffnen im Rahmen dieser Veranstaltung, die alle zwei Jahre stattfindet, ihre Türen. Es ist die seltene Chance, das eine oder andere Gotteshaus mal von innen zu besichtigen. Denn nicht alle stehen noch für Gottesdienste oder Andachten zur Verfügung.
Spitalkirche (Hauptstraße3): Die gotische Spitalkirche wird nicht mehr für kirchliche Zwecke genutzt. Bereits vor Jahren wurde sie entweiht und ist heute nur bei kulturellen Veranstaltungen wie beispielsweise Kunstausstellungen geöffnet.
Früher fanden in der Spitalkirche regelmäßig Gottesdienste für die Bewohner des benachbarten Seniorenstifts statt. Nachdem das Marienheim an die Rötzer Straße umgezogen war, war auch die Kirche als solche nicht mehr erforderlich und jahrelang ungenutzt. Um den Unterhalt des Gebäudes kümmert sich heute ein Ingenieurbüro, das mit der Stadt Neunburg für die Spitalkirche auch ein Nutzungsrecht für 50Jahre vereinbart hat.
Evangelische Versöhnungskirche (Bahnhofstraße 5): In den vergangenen Jahren ist an der Versöhnungskirche viel gebaut worden: Die Zugangstreppe wurde saniert, der öffentliche WC-Bereich barrierearm umgestaltet und die Kirchentür mit einem automatischen Öffnungsmechanismus versehen. Zuletzt wurde noch ein barrierefreier Zugang von der Bahnhofstraße gebaut. Anfang Oktober solle dieser offiziell übergeben werden, so Pfarrer Gerhard Beck. Mehr als 200000 Euro ließ sich die evangelische Gemeinde diese Maßnahmen kosten.
Auch nach diesem dicken Brocken bleibt kaum Zeit zum Ausruhen: Als Nächstes muss sich die Pfarrei Gedanken über einen Umbau des Heizungssystems machen. Die derzeitige Erdgasheizung stammt noch aus dem Jahr 1968 und beheizt neben der Kirche auch sämtliche Räume. Das sei energetisch nicht sinnvoll, meint der Pfarrer.
In der Kirche gibt es jeden Sonntag um 9.30 Uhr ein Angebot. Dabei handele es sich nicht nur um Gottesdienste, sondern auch um Andachten, die von ehrenamtlichen Helfer aus der Gemeinde gestaltet werden. Denn Pfarrer Beck predigt nicht jeden Sonntag in der Versöhnungskirche. In der Neunburger Pfarrei hat er nur noch eine halbe Stelle, die restliche Zeit ist er als Springer in anderen Pfarreien tätig. So feierte er vorigen Sonntag in Roding Gottesdienst, diesen Sonntag ist er in Cham und Furth im Wald im Einsatz und erst nächstes Wochenende gibt es wieder einen Gottesdienst mit Pfarrer Beck in Neunburg.
Pfarrkirche St. Josef (Im Berg 18): Die Kirche St. Josef ist das Zentrum der katholischen Pfarrei. Hier finden sonntags drei sowie unter der Woche mehrere Gottesdienste statt. Genutzt wird die Pfarrkirche auch für Beerdigungen, Hochzeiten und andere Feiern.
Vor zwei Jahren wurde der erste Bauabschnitt abgeschlossen, bei dem der neue Kirchenbau samt Sakristei und Eingangsbereich saniert wurde. Der ältere, historische Teil soll im Zuge des zweiten Bauabschnittes auf Vordermann gebracht werden. „Die Schäden sind bereits unübersehbar“, berichtet Pfarrer Stefan Wagner. Schon seit längerem sei die Sanierung angedacht. Wagner hofft, dass sie vielleicht im nächsten Jahr starten könnte.
Jakobskirche (Vorstadt 8): Die Jakobskirche gehört zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Sie ist ein Kleinod, liegt etwas versteckt in der Vorstadt. Von Mai bis Ende Oktober ist sie jeden Tag für Besucher offen – Mitglieder der Pfarrgemeinde kümmern sich darum, dass sie geöffnet und verschlossen wird. Daneben wird sie für kleinere Gottesdienste genutzt. In der warmen Jahreszeit findet hier einmal in der Woche das Rosenkranz-Gebet statt, im Mai gibt es jeden Freitag die Maiandacht und gelegentlich treten hier auch Brautpaare vor den Altar.
Baulich ist es nicht gut um die Jakobskirche bestellt. In den vergangenen 15Jahren wurden verschiedene Ausstattungsgegenstände wie Skulpturen und Gemälde restauriert. „Die komplette Kirche zu sanieren, wäre ein Traum“, so Pfarrer Wagner. Aber diesen zu erfüllen, daran sei in nächster Zeit nicht zu denken, räumt er ein.
Klosterkirche (Gerhardingerstraße 5): In der Hauskapelle des Ordens der Armen Schulschwestern wird zweimal in der Woche ein Gottesdienst abgehalten, der auch öffentlich ist. Laut Pfarrer Wagner nehmen daran Neunburger teil, die dem Kloster verbunden sind. Das Gotteshaus ist in einem guten baulichen Zustand, denn vor etwa 15 Jahren wurde das Kloster samt Kirche generalsaniert.
Friedhofskirche (Rötzer Straße 3): Aufgrund ihres baulichen Zustandes wird die Friedhofskirche nicht für Gottesdienste genutzt. Sie ist regulär geschlossen, wie der katholische Geistliche erklärt. Schon bevor Stefan Wagner die Neunburger Gemeinde übernommen hatte, befand sich das kleine Kirchlein in einer Art Dornröschenschlaf. Es gebe natürlich Überlegungen, so Wagner, die Friedhofskirche wieder in Betrieb zu nehmen, allerdings stehe dieses Vorhaben nicht an vorderster Stelle. Es gebe andere Kirchengebäude, deren Erhalt dringender sei. Aber ganz aufgeben will die Pfarrei das Projekt nicht. „Vielleicht ergibt sich ja mal irgendwann die Möglichkeit“, so Wagner.
Alle paar Jahre wird die kleine Kirche mal für Konzerte genutzt. Der Aufwand, sie dafür vorzubereiten, sei aber sehr groß. Auch bei der Nacht der offenen Kirchen ist sie mit dabei. Da momentan ein Rissmonitoring des Kirchendaches erfolgt, gibt es aber nur eine Veranstaltung an der Kirchentür. Innen könne sie dieses Mal nicht betreten werden, weist Wagner hin.
Programm (Auszug)
18 Uhr: Ökumenische Andacht zur Eröffnung mit Orgelmusik von Steven Heelein (Versöhnungskirche)
19 und 20 Uhr: „Komm zur Quelle des lebendigen Wassers“ – Meditatives Beten und Singen mit den Armen Schulschwestern und Ina Schuierer an der Harfe (Klosterkirche)
19 und 20 Uhr: „Abend wird es wieder“ – Chormusik aus verschiedenen Jahrhunderten, gesungen vom Gesangverein 1861 Neunburg (Spitalkirche)
20 Uhr: „Pilgerstab und goldener Schuh“ – Gespräch zwischen dem Heiligen Jakobus und der Heiligen Kümmernis, begleitet von Saxophonmusik (Jakobskirche)
21 Uhr: Bläserklänge mit der Stadtkapelle Neunburg (St.Josef)
21 Uhr: Orgelmusik zur Abendstunde mit Florian Sorgenfrei (Versöhnungskirche)
22 Uhr: „Singt dem Frieden ein Lied“ mit der Gruppe Contigo (St. Josef)
Weitere Veranstaltungen unter https://www.facebook.com/groups/199816177907326/user/100036165383600/




