Sie ist Neunburgs neue Psychotherapeutin: Verena Sorgenfrei praktiziert in der Alten Canzley

Bisher hat Verena Sorgenfrei bewusst nicht viel Werbung für ihre neue Praxis gemacht. Über Arbeitsmangel kann sich die Neunburger Psychotherapeutin dennoch nicht beklagen. Ihr Terminkalender ist inzwischen so gut gefüllt, dass sie gar nicht alle Anfragen von Patienten bedienen kann.
Einen Termin in der psychotherapeutischen Sprechstunde kann sie in der Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen anbieten. Dabei wird das Anliegen der Patienten und der Behandlungsbedarf abgeklärt. Bis die eigentliche Therapie starten kann, müssen die Patienten etwas länger warten.
Die ersten Anfragen hatte Verena Sorgenfrei, als ihr Praxisbetrieb noch gar nicht gestartet war. Die Patienten hatten gehört, dass sie sich als Psychotherapeutin in Neunburg niederlassen will und sich deshalb gleich bei ihr gemeldet.
Erster Patient im Oktober
Am 9. Oktober 2023 behandelte die 38-Jährige ihren ersten Patienten. Zwei Wochen später seien alle freien Termine vergeben gewesen, sagt sie. Ein Mitarbeiter der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) hatte Verena Sorgenfrei vorgewarnt. „Planen Sie gut. Ich gebe Ihnen eineinhalb Wochen und Sie sind voll“, habe er zu ihr gesagt.
Die Psychotherapeutin war durchaus gespannt, wie es funktionieren wird, in einer Kleinstadt wie Neunburg gleichzeitig zu arbeiten und zu wohnen. Denn in ihrem Fachbereich gilt die Regel, dass man nur Personen behandeln darf, zu denen man privat keinen regelmäßigen Kontakt hat. Das sei in einer kleineren Stadt natürlich eine Herausforderung, ist sich Verena Sorgenfrei bewusst. Die Zukunft werde zeigen, welche Überlappungspunkte es gebe, so die Psychotherapeutin.
Sollte es tatsächlich Patienten geben, die sie aufgrund privater Kontakte nicht behandeln darf, werde sie diese an Kollegen weiterempfehlen. Derartige Fälle seien aber kein Phänomen von Kleinstädten – auch in München habe sie eigene Patienten außerhalb der Praxis getroffen.
In der bayerischen Landeshauptstadt war Verena Sorgenfrei bisher tätig. Hier hatte sie 2011 ihre Therapeutenausbildung begonnen und 2016 die Approbation, also die Zulassung, erhalten. Danach war sie als angestellte Psychotherapeutin im MVZ für Psychotherapie in Unterhaching beschäftigt. Es sei eine „ideale Teststrecke“ gewesen, blickt sie heute auf diese Zeit zurück.
Zusätzlicher halber Sitz für den Landkreis Schwandorf
Im Zuge einer neuen Bedarfsplanung wurde für den Landkreis Schwandorf ein zusätzlicher halber Sitz als Psychotherapeut ausgeschrieben. Sie habe sich Anfang 2022 dafür beworben, berichtet Verena Sorgenfrei. Dass sie den Sitz auch tatsächlich bekomme, damit habe sie nicht gerechnet. Im März 2022 wurde sie aber ausgewählt.
Unabhängig von der Vergabe dieses Sitzes machte sie sich mit ihrem Mann Christian schon länger Gedanken über eine Rückkehr nach Neunburg. Die 38-Jährige stammt ursprünglich aus der Pfalzgrafenstadt, ihre Eltern wohnen noch heute hier. Die Familie hatte aus diesem Grund auch 2019 ein Haus in der Neunburger Altstadt, das sogenannte Ackerbürgerhaus, erworben. Das Gebäude aus dem Mittelalter wurde in der Folge auf Vordermann gebracht. Die Sanierung befinde sich nun in Teilen des Gebäudes auf der Zielgeraden, erzählt Verena Sorgenfrei.
Der Architekt ihres Wohnhauses, Johannes Steidl, hatte ihr auch Räumlichkeiten für die Psychotherapiepraxis angeboten. Die befinden sich in der Alten Canzley in Neunburg. Das denkmalgeschützte Gebäude unweit des Burghofes wird derzeit ebenfalls saniert.
Da der Sitz für den gesamten Landkreis Schwandorf gilt, konnte sie den Standort ihrer Praxis selbst wählen. Ihre Patienten kommen dagegen auch von weiter her bis nach Neunburg. Aufgrund der freien Arztwahl, dürfen sich die Patienten den für sie besten Therapeuten suchen – auch außerhalb des eigenen Landkreises.
Sitz ruhte erstmal
Eigentlich hätte der Praxisbetrieb bereits Anfang Juli 2022 starten können. Da zu diesem Zeitpunkt die Praxisräume noch nicht zugänglich waren und sie sich noch in Elternzeit befand, beantragte sie, den Kassensitz erstmal ruhen zu lassen. Bis Ende 2023 hätte der Sitz theoretisch geruht, da ihre beiden Kinder aber im September in Kindergarten und Krippe starteten, konnte sie schon im Oktober mit der Praxis starten.
Ein noch früherer Beginn wäre zwar denkbar gewesen, doch in den Behandlungsräumen wurde bis zum Spätsommer noch gewerkelt. Auch jetzt stehen im zweiten Behandlungszimmer noch Restarbeiten an, deshalb wird ihn Verena Sorgenfrei erst später nutzen können.
Der zweite Raum soll künftig zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen dienen. Hierfür führe die Psychotherapeutin aktuell Vorgespräche. Während ihrer Ausbildung zur Verhaltenstherapeutin hatte Verena Sorgenfrei die Altersgruppe der Erwachsenen ausgewählt. Zeitgleich absolvierte sie jedoch eine Zusatzausbildung für die Therapie von Kindern und Jugendlichen, sodass in der Praxis in Neunburg Patienten aller Altersgruppen behandelt werden können. Auch auf dem Gebiet der Schmerzpsychotherapie hat sie sich im Rahmen der Tätigkeit am Oberbayerischen Kopfschmerzzentrum weiterqualifiziert.
Termine bei ihr sind unter der Woche von 8 bis 14 Uhr möglich. Zusätzlich bietet sie an zwei Nachmittagen Behandlungen an.