Neunburgs Pfarrer Stefan Wagner haut beim Festspiel „Vom Hussenkrieg“ auf die Pauke

Der Neunburger Stadtpfarrer Stefan Wagner (45), aufgewachsen in Bernhardswald bei Regensburg, ist nach elf Jahren in der Pfarrei St.Josef längst in der Stadt angekommen. Und er will sich in die Gesellschaft einbringen. Seit ein paar Jahren schlüpft er daher in sein Kostüm bei den Burgfestspielen „Vom Hussenkrieg“. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen.
Herr Stadtpfarrer, am vergangenen Samstag konnten Sie mit Ihren Festspielkollegen eine umjubelte Premiere im Burghof feiern. Wie haben Sie den Abend erlebt?
Stefan Wagner: Den Abend habe ich als sehr schön und beeindruckend empfunden. Ich war froh, dass es das Wetter mit uns gnädig gemeint hat und die Regenschauer kurz nach der Eröffnung durchgezogen waren. Es war wirklich eine sehr schöne Premiere.
Als Pfarrer sind Sie es gewohnt, vor einem größeren Publikum zu stehen. Worin liegt der Unterschied zwischen Altar und Festspielbühne?
Wagner: (lacht) Der Unterschied ist räumlich ein ganz geringer. Kirche und Festspielbühne grenzen ja direkt aneinander. Ansonsten sind beide Orte grundlegend verschieden. Die Kirche ist keine Theaterbühne. Hier feiern wir die Begegnung mit Christus im Gottesdienst. Auf der Festspielbühne wird dagegen ein Theaterstück dargeboten. Und ein ganz praktischer Unterschied für mich ist, dass ich beim Gottesdienst von Anfang bis Ende dabei bin. Beim Festspiel stehe ich als Musikant nur zwischendurch auf der Bühne.
Haben Sie einen Tipp gegen Lampenfieber?
Wagner: Ein Stoßgebet hilft sicher immer.
Wie sind Sie zum Festspiel gekommen?
Wagner: Ich bin sprichwörtlich wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Als direkter Festspielnachbar gab es seit meiner Zeit in Neunburg schon immer Berührungen mit dem Festspiel. 2017 wurde ich dann gefragt, ob ich nicht bei der Fanfarengruppe die Trommel schlagen möchte. Das habe ich dann ganz ohne Erfahrung gerne gemacht. Ich habe mir dafür von erfahrenen Trommelspielern die nötigen Tipps und Tricks zeigen lassen. Im Laufe der Jahre ist dann immer mehr dazugekommen. Inzwischen spiele ich auch bei der Hofmusik. Und zusammen mit Martina Prechtl und Helmut Mardanow bilde ich die Sängergruppe im Stück. Weil in dieser Saison die Stimmen knapp besetzt sind, werde ich bei Bedarf auch bei einem Stück mit der Flöte mitspielen.
Hatten Sie schon vor Ihrer Zeit in Neunburg Bühnenerfahrung?
Wagner: Nur auf der Musikbühne als Chorsänger. Auf einer Theaterbühne stand ich zuvor noch nicht.
Beim Festspiel sind Sie als Trommler und Flötist zu sehen. Welche Rolle spielt die Musik in Ihrem Leben?
Wagner: In meinem Leben spielt die Musik eine große und wichtige Rolle – und das schon seit Kindertagen. Ich habe Blockflöte, Klavier und Orgel gelernt.
Blicken wir in die Zukunft. In welche Rolle würden Sie beim Festspiel noch gerne schlüpfen?
Wagner: Ich bin mit meinen Rollen in den Musikgruppen ganz zufrieden. Da fühle ich mich wohl, das passt so.
Beim Stück „Vom Hussenkrieg“ gibt es auch einen Pfarrer. Er wirkt aber sehr aufbrausend, bestimmend und rechthaberisch. Würden Sie die Rolle anders interpretieren?
Wagner: Wie Pfarrer Mockel seine Rolle im Festspiel ausführt, ist vom Text des Stückes vorgegeben. Gott sei Dank hat er im Spiel die entsprechenden Gegenpartner, die seine strengen und harten Ansichten korrigieren.
Wenn Sie als Stadtpfarrer schon mitspielen, könnte doch auch Bürgermeister Martin Birner mitwirken. In welcher Rolle sehen Sie ihn?
Wagner: (lacht) Jetzt muss ich mir etwas Kluges überlegen. So wie die Rolle des Pfarrers im Festspiel schon besetzt ist, ist auch die des Bürgermeisters schon vergeben. Ich könnte mir vorstellen, dass ich ihn mit ein paar privaten Trommelstunden fit mache für unsere Fanfaren-Gruppe.
Die Neunburger Burgfestspiele haben am Wochenende eine umjubelte Premiere erlebt. Und das völlig zurecht, findet MZ-Redaktionsleiter Martin Kellermeier in seinem Kommentar. Er sieht das Stück als mahnendes Beispiel für unsere Gesellschaft.
Wie unterscheiden sich die Kirche aus der Zeit des Festspiels, anno 1433, und die heutige?
Wagner: Der Glaube ist grundsätzlich der gleiche. Hier gibt es keinen Unterschied zwischen dem Spätmittelalter und der heutigen Zeit. Die Struktur der Kirche und auch der Gesellschaft ist natürlich über die Jahrhunderte nicht mehr zu vergleichen. Damals gab es ein klar gegliedertes Gesellschaftssystem und einen großen Einfluss der Kirche auf das Alltagsleben der Menschen. Heutzutage ist die Gesellschaft viel offener. Die Kirche kann sich nun nicht mehr auf Privilegien ausruhen. Sie muss immer aufs Neue versuchen, die Botschaft zu den Menschen zu bringen.
Auch wenn die Geschichte des Festspiels schon vor fast 600Jahren spielt, scheint sie aktueller denn je. Sehen Sie das auch so?
Wagner: Das sehe ich auf jeden Fall auch so. Das Neunburger Festspiel soll kein Ritterspektakel sein. Es beinhaltet die ganz klare Mahnung zum Frieden. Es ist eine Botschaft gegen Schwarz-Weiß-Malerei und für die Zwischentöne. Außerdem ist das Stück ein Beispiel, wie sehr eben die Schrecken von Gewalt und Unterdrückung auch persönliches Leid hervorrufen können.
Nach dem Festspielbesuch in Neunburg weiß man wieder, was Frieden in der Welt bedeutet und wie wichtig er für uns ist. Wo könnten wir in unserem Alltag für noch mehr Frieden sorgen?
Wagner: Das Festspiel endet ja mit der Frage, ob wir aus Geschichte lernen. Für den Alltag ist es für mich auch die Aufforderung, nicht nur in gut und böse einzuteilen. Wir sollten offen sein für andere Meinungen.
Weitere Festspiel-Termine
Aufführungen: Das Festspiel „Vom Hussenkrieg“ wird noch an vier Terminen im Neunburger Burghof gezeigt: 12., 13., 19. und 20.Juli. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr, Einlass erfolgt bereits ab 19 Uhr.
Eintritt: Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre zahlen elf Euro, Erwachsene 17 Euro.