Festspielpremiere in Neunburg begeisterte die Gäste – Emotionen wurden lebendig

Von Ralf Gohlke · 7. Juli 2024 um 17:00

Seit Samstag wird wieder gekämpft im Burghof der ehemals Wittelsbacher Residenz in der historischen Altstadt von Neunburg. Mit einer hervorragenden Premiere wurden die Burgfestspiele „Vom Hussenkrieg“ unter der Regie von Karin Michl und ihrer Assistentin Verena Hergl eröffnet.In gewisser Weise war es heuer sogar eine doppelte Premiere, auf die allerdings alle gern verzichtet hätten: Es war der erste Saisonauftakt seit Beginn der Festspiele im Jahr 1983, der von Regen begleitet wurde – zum Glück setzte er nach einer halben Stunde aus. Selbst währenddessen agierten die rund 120 Laienschauspieler auf der offenen Bühne großartig.

Zur Tradition am Premierentag gehört der Empfang des Schirmherren, heuer Regierungspräsident Walter Jonas, im Schlosssaal des Gebäudes. Dazu hieß Bürgermeister Martin Birner eine Reihe von Ehrengästen willkommen. Unter ihnen waren die Bundestagsabgeordnete Martina Englhardt-Kopf, Tobias Gotthardt, Staatssekretär vom Ministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, die Landtagsabgeordneten Martin Scharf, Bernhard Heinisch und Julian Preidl sowie der stellvertretenden Landrat Richard Tischler.

Ein ganz besonderer Gruß galt Ehrenbürger Theo Männer, dem Gründervater, Museumsleiter und Ehrenvorsitzenden des Festspielvereins. Es schloss sich eine weitere lange Liste von Namen an, darunter auch zahlreiche ehemalige Schirmherren und -damen.

Blick auf unruhige Zeiten

Nach einem Dank an Caroline Valades-Gaitan für den stimmungsvollen musikalischen Einstieg am Klavier, versetzte Birner die Gäste zurück in das Jahr 1433, eine Zeit großer Umbrüche und Konflikte.

Die Hinrichtung des Reformators Jan Hus in Konstanz habe seinerzeit eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt, die mit der Schlacht bei Hiltersried einen ihrer Höhepunkte erreichte. Das Stück beschreibe, wie der Wittelsbacher Pfalzgraf Johann von seiner Residenz in Neunburg aus mit einem Heer aus Rittern, Bürgern und Bauern einen bitteren Sieg über die zahlenmäßig überlegenen Feinde erringen konnte.

Die Neunburger Burgfestspiele haben am Wochenende eine umjubelte Premiere erlebt. Und das völlig zurecht, findet MZ-Redaktionsleiter Martin Kellermeier in seinem Kommentar. Er sieht das Stück als mahnendes Beispiel für unsere Gesellschaft.

Selten, so Birner, sei die Geschichte so aktuell gewesen wie heute. Umso wichtiger sei es, dass alle aus der Vergangenheit gelernt hätten und deshalb grenzüberschreitender Austausch, Völkerverständigung, Gemeinschaft und Zusammenhalt sowie gegenseitige Unterstützung Werte seien, die es aufrecht zu erhalten gelte. Das Festspiel selbst stelle eine solche Gemeinschaftsleistung dar.

Der Bürgermeister schloss mit einem Dank an alle, die erneut die Basis für eine erfolgreiche Saison gelegt hätten, insbesondere Manuel Winkler, Vorsitzender des Festspielvereins, und seiner Mannschaft. „Wir tun unser Bestes“, versprach Winkler und betonte ebenfalls die Verbindung zum Heute. Das Stück stelle für alle eine gewaltige Herausforderung dar. Er erwähnte auch, dass Kunst und Kultur, gerade im Ehrenamt, mehr sei als eine wirtschaftliche Investition.

Walter Jonas unterstrich erneut, dass ihm diese Schirmherrschaft eine Ehre sei. Das Neunburger Festspiel gehöre zu den herausragenden in der Oberpfalz.

Herzblut und gute Ausführung

Es erfordere enormes Engagement mit Herzblut, Leidenschaft und Spielfreude, aber auch Organisationstalent. Der einzige Dank dafür sei ein hoffentlich tosender Applaus des Publikums. Wichtig war ihm der Hinweis, dass es sich hier um ein Anti-Kriegsstück handle, das verdeutliche, wie sinnlos kriegerische Auseinandersetzungen seien. Das so auf die Bühne zu bringen, sei jeden Euro wert. Bürgermeister und Schirmherr hießen im Anschluss auch das Publikum auf der ausverkauften Tribüne willkommen.

Anschließend bewiesen die Darsteller den von Regisseurin Karin Michl geforderten persönlichen Einsatz jedes Einzelnen. Heuer stand dabei der Ausdruck der Emotionen im Fokus. Die Zuschauer erhielten Einblick in die innere Zerrissenheit des Pfalzgrafen, der nicht selbst mit in die Schlacht gezogen war. Sie erlebten den Konflikt zwischen Sohn und Vater Zenger, wobei der Junior nicht versteht, warum ihn die Leute als „Böhm“ verachten. Und sie sahen auch, wie die Frauen um ihre Männer fürchteten, die in den Kampf ziehen mussten.

Alles gipfelte im Schlachtgetümmel, das noch nie so mitreißend inszeniert worden ist wie heuer. Stehender Applaus des Publikums demonstrierte den Erfolg, den alle mit dieser Inszenierung feiern konnten.

Noch viermal, nämlich am Freitag,12. Juli, Samstag, 13. Juli, Freitag, 19. Juli und Samstag, 20. Juli, wird es weitere Vorstellungen geben. Einlass ist jeweils ab 19 Uhr, Beginn ist um 20.30 Uhr. Karten sind bei okticket.de oder an der Abendkasse erhältlich.

Zur Tradition des Schirmherrenempfangs gehört der Eintrag ins goldene Buch der Stadt. Regierungspräsident Walter Jonas (sitzend) wurde dabei von den Ehrengästen eingerahmt. Foto: Ralf Gohlke
Bestürzung herrschte unter den Frauen, nachdem ein Kind von den Hussiten verletzt wurde. Foto: Martin Kellermeier
Da hilft nur noch beten: Michael Helmuth als Pfalzgraf Johann vor der Schlacht. Foto: Martin Kellermeier
Er gab den Takt an: Stadtpfarrer Stefan Wagner ist seit Jahren als Trommler dabei. Foto: Martin Kellermeier
Voll Trauer um ihren Sohn: Karin Alesik spielte eine hussitische Mutter. Foto: Martin Kellermeier
Er verkörperte die Rolle als Ritter Hindschi Pflugperfekt: Oliver Cieslik führte bei der Schlacht gegen die Hussiten das Heer von Pfalzgraf Johann.die Foto: Martin Kellermeier