Spenden machen es möglich: Neunburgs Pfarrvikar Emmanuel Ogbu eröffnet Klinik in Nigeria

Wenn Pfarrvikar Emmanuel Ogbu von den strahlenden Kinderaugen erzählt, fühlt man sich, als wäre man vor Ort gewesen. Am Montag kehrte er aus Nigeria nach Neunburg zurück. Hier erwartet den 44-Jährigen nun wieder der Alltag in der Pfarrei St. Josef. Aber die Erinnerungen an eine besondere Reise bleiben.
Ogbu besucht jedes Jahr seine Heimatgemeinde Ogui im Südosten Nigerias. Im Januar und Februar ist er meist für mehrere Wochen dort. So auch diesmal. Und doch unterschied sich der jüngste Aufenthalt von den bisherigen. Der Pfarrvikar brachte ein neues Projekt zum Laufen: ein Krankenhaus in Ogui.
Für den Ort war die Eröffnung ein Ereignis, bei dem sogar der König des lokalen Stammes sowie seine Minister anwesend waren. „Die Frauen haben gesungen und getanzt“, berichtet Ogbu von der Feier.
Eine große Erleichterung für die Dorfbewohner
Mit 20 Betten ist es kein riesiges Hospital – und dennoch eine große Erleichterung für die Bewohner. Sie müssen jetzt nicht mehr lange bis zur nächsten öffentlichen Klinik fahren.
Neun Krankenschwestern kümmern sich rund um die Uhr um die Patienten. Acht von ihnen erhalten ihren Lohn vom Staat – für eine Krankenschwester zahlte Emmanuel Ogbu die ersten beiden Gehälter aus eigener Tasche. Sie bekommt monatlich 80000Naira, das sind etwa 70 Euro. Zudem hat er den Lohn für zwei Monate für zwei Reinigungskräfte und einen Sicherheitsmann übernommen. Sie erhalten umgerechnet gut 65 Euro im Monat.
Auf Dauer kann der Pfarrvikar die vier Gehälter aus eigener Tasche nicht bezahlen. Er sucht aus dem Grund Sponsoren, die die Bezahlung des Personals übernehmen würden. Gern würde Emmanuel Ogbu drei bis fünf weitere Krankenschwestern einstellen, aber das sei von Sponsoren abhängig.
Vielleicht würden die Wohltäter sogar einen höheren Lohn bezahlen, hofft der Pfarrvikar. Den bekommen nämlich die Krankenschwestern, die vom Staat bezahlt werden.
Medikamentenschränke wurden selber zusammengebaut
Für das Krankenhaus wurden neben den Betten und Matratzen unter anderem mehrere Blutdruckmessgeräte, ein Operationstisch, ein Notfallkoffer und Sterilisatoren gekauft. Auch mit Desinfektionsmitteln, medizinischen Masken und Handschuhe sowie Mitteln zur Wundversorgung wurde es ausgestattet. Für die Medikamentenschränke wurde nur das Material besorgt, zusammengebaut wurden sie dann von den Mitarbeitern.
Dass der Bedarf nach einer ärztlichen Versorgung vor Ort groß ist, zeigte sich während der Medizin-Aktion. An drei Tagen seien 789Patienten kostenlos behandelt und versorgt worden, sagt Ogbu. Es sei „sehr toll“ gewesen, lautet das Resümee des Pfarrvikars.
Eigentlich sei die Aktion nur für die Bewohner seiner Heimatgemeinde gedacht gewesen. Doch die kostenlose Behandlung hatte sich schnell über die Gemeindegrenzen hinaus herumgesprochen. Letztlich nutzten Patienten aus gut zehn Orten das Angebot. Weil es sich ebenfalls um Kranke gehandelt habe, seien die Menschen von außerhalb auch nicht abgewiesen worden, meint Ogbu.
Sechs Ärzte und 19Schwestern haben sich an den Aktionstagen um die Kranken gekümmert. Die Patienten wurden wegen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Malaria, Hepatitis oder Diabetes untersucht und erhielten Medikamente. Der Neunburger Pfarrvikar hatte im Vorfeld seiner Reise auch 18 Hörgeräte gespendet bekommen, die bei der Aktion an ausgesuchte Patienten verteilt wurden. HIV-Tests hatte das Ärzte-Team ebenfalls durchgeführt. Die Medikamente für Aids-Patienten werden in Nigeria vom Staat kostenlos ausgegeben.
Künftig können sich die Patienten im Krankenhaus die Medikamente besorgen. Sie werden aber nicht kostenlos ausgegeben. Mit dem Team des Krankenhauses hat Emmanuel Ogbu vereinbart, dass die Kranken nur die Hälfte der Arzneimittelkosten zahlen müssen. Der Rest soll über Spenden finanziert werden.
Weitere Spenden sind auf Konto bei Missio Aachen eingegangen
Vor seiner Rückreise hat der katholische Geistliche alle möglichen Medikamente besorgt. Der Nachschub wird so schnell nicht ausgehen – auch dank der weiteren Spenden, die in der Zwischenzeit eingegangen sind. In den vergangenen Wochen wurden auf dem Spendenkonto bei Missio Aachen 3100 Euro eingezahlt, darunter eine Großspende in Höhe von 1000Euro. Bei den größten Spendern will sich der Pfarrvikar mit kleinen Geschenken bedanken, die er aus Nigeria mitgebracht hat.
Der nächste wichtige Schritt sei die Sicherstellung einer dauerhaften Finanzierung des Krankenhauspersonals. Die Aktionstage für eine kostenlose Untersuchung und Behandlung will Emmanuel Ogbu künftig bei jeder seiner Reisen in die Heimat anbieten.
Sie sollen ebenso zur Tradition werden wie die Unterstützung von Schülern in seiner Heimatregion. Mehrere Hundert Kindern bekamen diesmal ein Geschenk. Das Präsent enthielt Zahnbürsten und Zahnpasta, Schulhefte und Stifte, Getränke und Nudeln. Allein in der Schule seiner Heimatgemeinde erhielten 69Kinder ein solches Geschenk. Für die 18 besten Schüler bezahlte der Pfarrvikar aus den zuvor gesammelten Spenden das Schulgeld für die nächsten beiden Semester. Auch für 26 weitere Schüler aus benachbarten Orten wurde das Schulgeld übernommen. Eine der Schulen erhielt zudem einen Extra-Betrag, um die Schulgebühren für die anderen Kinder niedrig halten zu können.
Spendenkonto: Missio Aachen, IBAN: DE2337060193 0000122122, BIC: GENODED1PAX, Verwendungszweck: MT/141/036/2022/001







