Neunburgs Pfarrvikar hat an Heiligabend Geburtstag – und wünscht sich Spenden für ein Krankenhaus

Von Jan Lange · 23. Dezember 2023 um 05:00

Für Emmanuel Ogbu ist der 24. Dezember ein ganz besonderer Tag: Es ist nicht nur Heiligabend, sondern gleichzeitig auch sein Geburtstag. 44 Jahre wird Neunburgs Pfarrvikar heuer alt.

Obwohl der Tag mit kirchlichen Aufgaben gut abgedeckt ist, nimmt er sich aufgrund seines Schnapszahl-Jubiläums auch Zeit für ein gemeinsames Mittagessen mit den Mitarbeitern der Pfarrei. In diesem Jahr hat der gebürtige Nigerianer einen besonderen Wunsch: Er bittet um Spenden für ein Krankenhaus in seiner Heimatgemeinde Ogui im Südosten Nigerias.

Seit Jahren hilft er bereits den dortigen Einwohnern – auch mit tatkräftiger Unterstützung des Neunburger Kirchenarbeitskreises Emmanuel. So werden die Schulgebühren für die Kinder übernommen und Reis an arme Familien verteilt. Am 12. Januar wird Emmanuel Ogbu wieder in seine westafrikanische Heimat fliegen – und 3000 Kilogramm Reis verschenken. Um die Lebensmittel kaufen zu können, wurde beim diesjährigen Herbstmarkt um Spenden geworben.

Gebraucht wird alles: Betten, Matratzen, OP-Tische, Blutdruckmessgeräte

Der Geistliche hofft, im Januar auch schon ein paar Materialien und Geräte für das Krankenhaus mitbringen zu können. Gebraucht wird im Grunde alles – von Betten und Matratzen, über OP-Tische und Blutdruckmessgeräte bis hin zu Rollstühlen und Infusionsgeräten. Acht Betten und Matratzen konnte er bereits besorgen, aber das reicht bei weitem nicht aus.

In seiner Heimatgemeinde gibt es ein Gebäude, das vor Jahren mal als Krankenhaus diente. Hier soll künftig die Behandlung der Patienten stattfinden. Im April konnte mit Spenden das Haus ein bisschen renoviert werden. Nun fehlt noch die medizinische Ausstattung. Das wenige, was vor Ort noch vorhanden ist, kann nicht mehr genutzt werden.

Im Nachbarort von Ogui gibt es zwar eine Privatklinik, doch die dortige Behandlung ist so teuer, dass sie sich die meisten Bewohner aus Emmanuel Ogbus Heimatgemeinde nicht leisten können. Eine Krankenversicherung wie in Deutschland gibt es nicht – die Patienten müssen alle Untersuchungen und Medikamente selber bezahlen. Die Not der Menschen sei sehr groß, sagt der katholische Geistliche.

Das nächste öffentliche Krankenhaus ist eine Dreiviertelstunde Fahrzeit entfernt. Im Ernstfall ist das viel zu weit. Wenn die Bewohner von Ogui krank sind, dann gehen sie meist in ein Krankenhaus in der Hauptstadt Lagos. Bis dorthin beträgt die Fahrzeit sogar eineinhalb Stunden. Emmanuel Ogbu will deshalb den Menschen in seiner Heimatgemeinde helfen und ein Krankenhaus vor Ort einrichten.

Der Transport nach Nigeria ist teuer, auch Geldspenden helfen

Mit seiner Bitte wendet sich der Pfarrvikar zum einen an Gesundheitseinrichtungen in der Region, die vielleicht Betten, Matratzen oder medizinische Geräte, die im eigenen Haus nicht mehr benötigt werden, zur Verfügung stellen könnten. „Wir wäre sehr dankbar, wenn uns die Spender auch beim Transport helfen könnten“, meint Ogbu. Denn die Ausstattung nach Nigeria zu verschiffen, ist teuer.

Den Transport der Lebensmittel, die er in seiner Heimatgemeinde verteilt, hat der Seelsorger bisher oft aus eigener Tasche finanziert. Bei größeren medizinischen Geräten oder mehreren Betten sei das aber kaum möglich, sagt Ogbu. Aus diesem Grund bittet er auch um Geldspenden, mit denen die Ausstattung für das Krankenhaus dann in Nigeria gekauft werden kann. Wer das Vorhaben unterstützen will, kann sich direkt an den Pfarrvikar oder das Pfarrbüro in Neunburg wenden.

Spender, die gerne eine Spendenquittung haben wollen, können den Betrag auch auf das Konto von Missio Aachen überweisen, erklärt Emmanuel Ogbu. Wenn bei der Überweisung eine Adresse angegeben werde, erstellt Missio automatisch eine Spendenquittung. Missio Aachen ist für anglophone Länder, also Staaten, in denen Englisch eine offizielle Amtssprache ist, zuständig und übernimmt deshalb gern die Abwicklung der Spenden.

Der Neunburger Pfarrvikar wäre glücklich, wenn er bereits im Januar das eine oder andere für kranke Menschen tun könnte. So würde er bis dahin zum Beispiel ein paar Medikamente besorgen, mit denen die Patienten in Ogui behandelt werden könnten. Er würde im Januar auch mit entsprechenden Geräten den Blutdruck der Menschen messen. „Viele sind aufgrund des Wetters dann krank“, weiß Emmanuel Ogbu. Mit den Ärzten und Schwestern in seiner Heimat habe er dies schon abgesprochen.

Ogbu überlebte als Einziger einen schweren Busunfall – er sieht es als Wunder

Dass er Pfarrer geworden ist, verdanke er zum einen dem Geistlichen seiner Heimatgemeinde, der ihn sehr geprägt habe, sagt Ogbu. Zum anderen gab ein Unfall den endgültigen Anstoß. 2007 war er in einem Kleinbus unterwegs, als dieser plötzlich verunglückte. Von den neun Insassen starben sechs, drei überlebten – darunter Emmanuel Ogbu.

Im Krankenhaus lag er danach tagelang im Koma. Während dieser Zeit starben auch die beiden anderen Insassen an den schweren Verletzungen, die sie sich bei dem Unfall zugezogen hatten. Dass er letztlich als Einziger das Unglück überlebte, empfindet Emmanuel Ogbu als ein Wunder.

Bei dem Unfall hatte er sich auch die rechte Hand so schwer verletzt, dass sein Bischof zustimmte, dass sie amputiert wird. Ohne rechten Arm hätte er aber nicht mehr Priester sein können, meint Emmanuel Ogbu. Dass er heute noch über seinen rechten Arm verfügt, verdankt er dem Chefarzt der damaligen Klinik, in der er gelegen hatte. Der war kurz zuvor aus den USA zurückgekehrt, hörte von einer Schwester, dass der Arm abgenommen werden soll und entschied daraufhin, alles zu versuchen, um eine Amputation zu verhindern. Mit Erfolg.

Für Emmanuel Ogbu sei auch das ein Zeichen Gottes gewesen. Nach diesen Erfahrungen war für ihn auch klar, dass er als Geistlicher anderen Kranken und Schwachen helfen muss. Deshalb ist ihm die Einrichtung des Krankenhauses in seiner Heimatgemeinde auch so ein wichtiges Anliegen – und sein größter Geburtstagswunsch in diesem Jahr.

Wie man helfen kann

Spendenkonto: Missio Aachen, IBAN: DE23 3706 0193 0000 1221 22; BIC: GENODED1PAX; Verwendungszweck: MT/141/036/2022/001

Pfarrbüro: Im Berg 10b, 92431 Neunburg; Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag jeweils von 8 bis 12Uhr sowie Mittwoch von 14 bis 17 Uhr

Mit finanzieller Unterstützung aus Deutschland wurde das frühere Krankenhaus bereits baulich auf Vordermann gebracht. Foto: Ogbu
Die wenige Ausstattung, die in der früheren Klinik noch vorhanden ist, kann nicht mehr genutzt werden. Foto: Ogbu