Mobilitätsdrehscheibe am Unteren Wöhrd in Regensburg: Lohnt sich das Parkhaus überhaupt?

Von Philip Hell · 3. September 2024 um 05:00

Der Gedanke mag bei knapp 30 Grad noch weit entfernt scheinen, aber: Der Herbst kommt – und der verspricht zumindest politisch heiß zu werden. Neben dem Haushalt dürfte auch die Mobilitätsdrehscheibe am Unteren Wöhrd für erhitzte Gemüter in Regensburg sorgen. Dort soll ein Parkhaus entstehen. Das Projekt ist allerdings umstritten.

Seit einigen Wochen kostet das Parken am Alten Eisstadion Geld. Das Stadtwerk erhoffe sich dadurch „wichtige Erkenntnisse“ dazu, wie das Parken dort angenommen wird.

Der Bund Naturschutz (BN) hat über den gesamten August hinweg Anfang Zahlen erhoben, wie der Verein in einer Pressemitteilung schreibt. Ein Mitglied zählte an verschiedenen Wochentagen von 10 bis 12 Uhr die geparkten Fahrzeuge. Demnach seien an einem Dienstagvormittag in der Spitze lediglich 246 der insgesamt 410 Parkplätze belegt gewesen.

Der Tiefstwert liegt bei 173 geparkten Autos. „Ein Parkhaus, das das Angebot auf über 1100 beziehungsweise 1400 Parkplätze erweitern soll, wäre vor diesem Hintergrund nicht notwendig, ja unsinnig und völlig unwirtschaftlich“, kritisiert der Verein in seinem Schreiben. Und weiter: „Es gibt keinen Bedarf, um hier ein Parkhaus für 18 Millionen Euro zu bauen, selbst wenn weitere Parkplätze in der Innenstadt für Bäume oder verbesserte Aufenthaltsqualität entfallen müssten.“

Die Zahlen der Stadt

Auch die Stadt erhebt seit Anfang August Zahlen zum Parken am Unteren Wöhrd. Auf Anfrage teilt die Verwaltung mit, dass insgesamt 14823 Parkvorgänge von Anfang August bis zum vergangenen Donnerstag registriert wurden. Das entspricht 511 Parkvorgängen am Tag. Stadt-Sprecherin Katrin Holzgartner: „Bei einer durchschnittlichen Parkdauer von knapp sieben Stunden dürfte die Auslastung bei gut 400 zur Verfügung stehenden Parkplätzen sehr gut sein.“ Insbesondere für einen August, gibt Holzgartner zu bedenken. Der Monat gehöre aufgrund der Ferien- und Urlaubszeit zu den nutzungsschwächsten Perioden. Daher betont Holzgartner: „Aussagekräftig kann eine Evaluierung, wie vom Bund Naturschutz selbst geschildert, aber wohl nur sein, wenn diese über einen längeren Zeitraum und in der Tagesgesamtdauer erhoben wurde, statt eines punktuellen Zeitfensters.“

Die Arbeiten am Unteren Wöhrd laufen indes bereits. Für den Bund Naturschutz „ein idealer Anfangspunkt“, um einen unversiegelten Grünbereich am Donauufer zu schaffen. Stellplätze für Anwohner könnten maßvoll vorgehalten werden, schlägt der Bund Naturschutz in seiner Pressemitteilung vor. „Das Angebot vorhandener Parkplätze in Regensburg ist im Vergleich zu anderen Städten sehr gut und nicht ausgelastet.“

Die Stadt will allerdings weiterhin an dem Projekt festhalten, wie Sprecherin Holzgartner betont. Der Innenstadtverkehr gelange an seine Kapazitätsgrenzen. Eine nachhaltigere Stadtentwicklung und Verkehrsplanung seien zwingend notwendig. „Wir brauchen daher nicht nur endlich eine Verkehrswende in unserer Altstadt, sondern vor allem eine Verkehrsberuhigung im Sinne der dort lebenden, arbeitenden und besuchenden Menschen.“ Das erfordere allerdings Ausgleichsflächen – also Parkplätze außerhalb der Altstadt.

Ziel der Mobilitätsdrehscheibe sei also, so Stadt-Sprecherin Holzgartner, nicht die Schaffung zusätzlicher Parkplätze, sondern eine Verkehrsentlastung. Mit dem Parkhaus am Unteren Wöhrd wolle man wegfallende Stellplätze in der Altstadt kompensieren. Dem Vorwurf der Versiegelung tritt die Stadt entgegen: Die Fläche am Unteren Wöhrd sei ohnehin versiegelt. „Damit können Stellplätze gestapelt werden, die sonst verteilt auf einer Fläche stehen würden und damit auch zu einer weiteren Aufheizung des Stadtklimas beitragen.“ Die Kritik des BN an den Kosten relativiert Stadt-Sprecherin Holzgartner auf Anfrage. Das gesamte Infrastrukturprojekt koste rund 18 Millionen Euro – das Parkhaus an sich allerdings nur etwa 11,4 Millionen Euro. Wie viel die geplante südliche Umfeldaufwertung kosten wird, komme auch darauf an, was in dem Bereich geschaffen werden soll, sagt Holzgartner. „Hier wäre eine Entsiegelung der Flächen oder eine wertigere, menschenorientierte Nutzung dieser wertvollen und stadtnahen Fläche denkbar.“

Keine Mehrheit für Projekt

Stand jetzt scheinen die Planungen allerdings eh für den Papierkorb gewesen zu sein. Im Stadtrat hat das Parkhaus wohl keine Mehrheit mehr. Die Grünen sind erklärtermaßen gegen das Projekt – und haben unlängst die CSU auf ihre Seite gebracht. Die ÖDP-Fraktion will die Mobilitätsdrehscheibe an diesem Platz und in dieser Form nicht. Bei der letzten Sitzung des Stadtrates vor der Sommerpause kam es zu einem Eklat, weil Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer einen Dringlichkeitsantrag der Grünen, mit dem die Partei den Baustopp am Unteren Wöhrd erreichen wollte, nicht auf die Tagesordnung nahm.

Nun wird sich aller Voraussicht nach der Planungsausschuss mit der Mobilitätsdrehscheibe befassen. Auch dort scheint das Parkhaus keine Mehrheit zu haben – zumindest im Moment. Das Thema bleibt also heiß, auch wenn es bald keine 30 Grad mehr haben wird.

Die Bagger rollen bereits. Foto: Jonas Raab