Gibt es Probleme mit Kirschlorbeer und Indischem Springkraut? – Diese Gewächse soll man meiden

Von Lisa Steigerwald · 30. August 2024 um 05:00

Invasive Arten können sich schnell ausbreiten und in einem Gebiet die Herrschaft übernehmen. Die Schweiz hat daher den Verkauf und das Einpflanzen von bestimmten Pflanzenarten ab September verboten, darunter auch der im Landkreis Cham beliebte Kirschlorbeer. Doch wie gefährlich sind eingeschleppte Gewächse?

Die Meinungen sind konträr, sagt Markus Schmidberger, Leiter des LBV-Zentrums Nößwartling. Der Kirschlorbeer habe in keinem Fall etwas in der freien Wildbahn verloren. In vielen Chamer Gärten ist er aber zu finden, zum Beispiel als Hecke. Schmidberger würde die Pflanze zwar nicht empfehlen, es sei aber „zu viel des Guten“ sie bei Bestand rauszunehmen. Immerhin hat die Pflanze einen kleinen Nutzen: In den immergrünen Hecken würden unter anderem Vögel brüten und Igel überwintern. Wer jedoch seine grüne Oase für die Natur optimieren möchte, sollte sich vom Kirschlorbeer trennen.

Flächendeckend kein Problem

Laut Susanne Deutschländer, Leiterin des Sachgebiets für Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt Cham, stellt der Kirschlorbeer flächendeckend kein Problem für den Landkreis dar. Es gebe jedoch einzelne Exemplare, die über den Zaun gewachsen sind oder durch Gartenbesitzer in der Landschaft „entsorgt“ wurden.

„Die Entfernung aus den Gärten leistet einen Beitrag dazu, die Ausbreitung in der freien Natur zu unterbinden“, sagt Deutschländer. Für die Entsorgung sollen die Grüngut-Annahmestellen genutzt werden. Außerdem ist zu beachten, dass Kirschlorbeer giftig ist und daher in Gärten mit kleinen Kindern nicht angepflanzt werden sollte. „Laut der Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen kann es nach dem Verzehr zu Erbrechen und Bauchschmerzen kommen“, sagt Deutschländer.

Indisches Springkraut breitet sich schnell aus

Anders sieht es beim Indischen Springkraut aus. „Es hat eine extreme Ausbreitungstendenz“, sagt Schmidberger, daher sei es nicht für den Garten geeignet. „Das Springkraut kann man gut in den Griff bekommen“, so der Leiter des LBV. Die Pflanze ist einjährig und wurzelt nicht tief. Das Kraut kann deshalb einfach mit der Hand herausgezogen werden, dass sollte aber noch passieren, bevor die Samen reif sind – am besten noch vor der Blüte.

„Viele sagen, das Springkraut wächst überall: Doch das ist jetzt nur augenscheinlich so“, berichtet Schmidberger. Denn Mitte/ Ende Juli übernimmt die Pflanze die Herrschaft. Sie wächst höher als andere Gewächse wie etwa Brennnessel oder Mädesüß und schiebt sich deshalb an ihnen vorbei und überschirmt sie. Für Insekten ist das Springkraut eine Nektarquelle, da es auch im späten Sommer noch Nahrung bietet. Auch auf den LBV-Flächen kommt die invasive Art vor, doch eine Verdrängung heimischer Arten konnte aber noch nicht festgestellt werden, sagt Schmidberger.

„Kampf gegen Windmühlen“

Es sei ein „Kampf gegen Windmühlen“, deshalb bekämpfe der LBV das Kraut nur dort, wo seltene Arten wie die Segge in der Regentalaue oder Orchideenflächen wachsen. „Landschaftspflege ist Pflege der Kulturlandschaft“, sagt Schmidberger. Deshalb werden immer wieder Pflanzen an bestimmten Stellen herausgenommen, damit andere wachsen können.

Auch Schmidberger nennt als Problem Gartenabfälle, die im Wald oder an Böschungen abgeladen werden. Dadurch gelangen unter anderem Samen und Wurzeln in die Landschaft und die Pflanzen können in freier Wildbahn entspringen.

Diese Gewächse sollen zudem gemieden werden

Neben Kirschlorbeer und Indischem Springkraut können sich so auch andere invasive Arten wie die Herkulesstaude (auch Riesen-Bärenklau genannt), die Kanadische Goldrute oder der Japanische Staudenknöterich ausbreiten. Letzterer dominiere ganzjährig und sei deshalb nichts für die heimische Grünoase. Schon eine kleine Wurzel habe eine große Regenerationskraft. „Man kann ihn nicht besiegen“, sagt Schmidberger.

Verbrennungen durch die Herkulesstaude

Auch die Kanadische Goldrute habe sich im Landkreis bereits etabliert. Sie ist unter anderem auf Industriebrachen zu finden. „Sie schafft den Sprung über den Zaun“, sagt der Leiter des LBV und rät davon ab, das Gewächs im heimischen Garten anzupflanzen. Gefährlich kann es mit der Herkulesstaude werden. Sie ist toxisch und kann beim Anfassen Verbrennungen zweiten Grades auslösen, so Schmidberger. Neben dem großen Gefahrenpotenzial bietet die Pflanze aber auch reichlich Nektar, weshalb sie bei Imkern beliebt ist.

Auch der Schmetterlingsflieder steht laut Deutschländer in der Kritik. Denn ältere Sorten säen sich selbst aus und sind deshalb ebenfalls in der Natur zufinden. „Es gibt bereits verschiedene moderne Sorten, die keine Samen ansetzen, auf diese sollte man ausweichen“, erklärt Deutschländer. Zudem sollte ebenfalls die Ausbreitung des echten Flieders unterbunden werden.

Alternativen zum Kirschlorbeer

Hecken: Deutschländer empfiehlt, freiwachsende gemischte Hecken mit einem hohen Anteil an heimischen Gehölzern. Diese Hecken seien ökologisch wertvoller und bieten Lebensraum, Nahrung und Schutz für Tiere. „Zudem bieten sie unterschiedliche Blütenfarben und –zeiten sowie abwechslungsreiche Blattstrukturen und Duft“, sagt sie. Diese Gewächse sind laut der Leiterin des Sachgebiets für Gartenkultur und Landespflege geeignet:

Die Hainbuche behält ihre Blätter auch im Winter, diese werden aber braun. Mit dem Neuaustrieb werden sie abgeworfen.

Der Liguster kommt trotz Schnitt zu Blüte, trägt aber giftige Beeren. Liguster ist im Winter grün, der Laubabfall erfolgt im Frühjahr.

Der Feuerdorn ist kein heimisches Gewächs. Die Früchte werden gerne von Vögeln gefressen und durch seine Dornen ist er ein guter Brutplatz.

EineHummel findet Nektar in der Blüte des Springkrauts. Foto: Lisa Steigerwald
Kirschlorbeer ist immer grün. Foto: Christoph Reichwein, dpa
Japanischer Staudenknöterich blüht. Foto: Schmidberger