Glitzernde Schätze in Willmering: Mineraliensammler Andreas Plötz bringt Raritäten ans Licht

Der Bayerische Wald birgt viele Schätze. Ob schöne Wanderwege, blaue Seen oder funkelnde Kristalle, die in der Erde verborgen sind. Andreas Plötz aus Brennet bringt sie ans Licht.
Seit rund 50 Jahren sucht der 59-Jährige in Ostbayern nach Mineralien. Er ist sich sicher, das wurde ihm in die Wiege gelegt, denn sein Großvater arbeitete in einem Steinbruch in Cham-West. Steine haben mich schon als Kind interessiert und fasziniert, sagt Plötz. Zunächst sammelte er „Glitzersteine“ am Straßenrand, als er mit 18 Jahren ein Auto bekam, hat er mit seinem Hobby richtig losgelegt.
Wissen austauschen
1983 traf er in Viechtach am großen Pfahl im Quarzbruch einen aktiven Mineraliensammler. „Er sagte zu mir: Bub such einfach hinter mir“, erzählt Plötz. Und tatsächlich fand er seine ersten Quarzkristalle. „Ich war infiziert“, so der 59-Jährige.
Der Chamer Allgemeinmediziner Dr. Hans-Jürgen Moser brachte dem jungen Andreas Plötz so einiges an Mineralienwissen bei, zum Beispiel wie man Mineralien erkennt. Gemeinsam haben sie viele Fundstellen in der Region abgesucht. Aber nicht nur mit Moser fachsimpelt der 59-Jährige über Kristalle, im Verein Minerologischer Kreis Bayerischer Wald treffen sich Mineraliensammler jeden zweiten Mittwoch im Gasthaus Gierl in Geiersthal (Landkreis Regen), um sich auszutauschen.
Was findet man in der Region?
Das Grundgebirge im Bayerischen Wald bestehe aus Granit und Gneis. „Feldspat, Quarz und Glimmer, dich vergess ich nimmer“, erinnert sich Plötz an einen Spruch, mit dem man sich die Zusammensetzung von Granit und Gneis merken kann. Das sind auch die Mineralien, die man am häufigsten findet.
Doch wo entdeckt man Kristalle?
Oft findet man Exemplare in Pegmatitgängen (eine gangartige Mineralienanreicherung, in der sich Kristalle bilden) nach einer Sprengung im Steinbruch. Aber auch bei Straßenbauarbeiten, im Wald oder auf Feldern können Kristalle gefunden werden. „Die Tiefen sind ganz unterschiedlich“, sagt Plötz. Manche liegen schon an der Oberfläche oder nur wenige Zentimeter tief, andere befinden sich mehrere Meter unter der Erde.
Neben dem heutigen kommerziellen Abbau im Steinbruch können Sammler auch nach historischen Plätzen suchen. Plötz erklärt, dass im Mittelalter Holz und Quarz für die Glasherstellung und später Feldspat für die Porzellanherstellung benötigt wurden. Andere Mineralien wie Apatit oder Turmalin, die mit abgebaut wurden, wurden auf Halde gelegt, weil man sie nicht brauchte. Durch Geologen wie Carl Wilhelm von Gümbel oder Mathias von Flurl wurde die Region kartiert und wurden Fundstellen beschrieben. Diese Stellen sind daher für Sammeler begehrte Orte um nach Mineralien Ausschau zuhalten. Manche Stellen seien heute aber nicht mehr auffindbar, sagt Plötz.
Pseudomorphosen: echte Raritäten
Das Glücksgefühl bei einem Fund ist unbeschreiblich, sagt der 59-Jährige. Und jeder Fund sei etwas Besonderes. Besonders in Erinnerung geblieben ist dem Hobby-Mineralogen unter anderem ein Apatitfund aus Katzberg. Nach einer Analyse stellten sich außerdem zwei Kristalle (Stichtit vom Asbestloch am Hohenbogen und Schulenbergit aus der Fürstenzeche in Lam)als Erstfunde im Bayerischen Wald heraus, so Plötz. In seiner Sammlung befinden sich auch ein paar echte Raritäten wie etwa Pseudomorphosen. Diese entstehen, wenn sich ein altes Mineral auflöst und sich ein neues, anderes Mineral in der Form des alten bildet.
Mit Wasser reinigen
Doch nicht jeder Kristall schafft es in sein Reich der Mineralien. Denn viele Exemplare sind mit Lehm zu, und man sieht nicht, wie der Stein unter der Dreckschicht aussieht. Diese müssen erst mit Wasser gereinigt werden, bevor der Moment der Wahrheit kommt. Durch die jahrelange Erfahrung, weiß ich schon, welche Exemplare sich rentieren mitzunehmen, aber trotzdem ist es oft Glück, sagt Plötz.
Doch seit einiger Zeit kann er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auf die Suche gehen, weshalb er sich derzeit mit historischen Funden beschäftigt. Interessant sind für ihn Kristalle im Fundzeitraum von circa 1780 bis 1870, die mit alten, handgeschriebenen Etiketten versehen sind. Plötz erklärt, dass früher beim Sammeln andere Prioritäten gesetzt wurden. Es wurden kleinere Stücke mitgenommen, da die Leute zu Fuß unterwegs waren: meist eines zum Sammeln und eines zum Tauschen.
Ausstellung im Krügerhaus in Freiberg
In seiner Schatzkammer sind rund 5000 Mineralien katalogisiert. Das ist wichtig, erklärt der 59-Jährige, denn dort ist unter anderem beschrieben, wann und wo der Fund gemacht wurde. Doch nicht alle Exemplare sind bei Plötz, denn rund zehn bis 15 Stufen (mehrere Kristalle, die miteinander verwachsen sind) befinden sich in der Mineralogischen Sammlung Deutschland im Krügerhaus in Freiberg. Der Dipl. Mineraloge Andreas Massanek suche sich in Plötz’ Sammlung die passenden Kristalle für die Ausstellung im Museum aus. „Für mich ist das eine Ehre“, sagt der Hobbysammler und freut sich, dass die Allgemeinheit diese Schätze zu sehen bekommt.
Mit seinem Hobby will der 59-Jährige die Kristalle für die Nachwelt erhalten. Deshalb sagt er: „Es gibt keinen Steinhaufen den ich nicht durchschau.“
Regeln und Tipps
Literatur: In vielen Büchern, wie zum Bespiel dem von Carl Wilhelm von Gümbel, sind laut Plötz Mineralienfundstellen beschrieben.
Internet: Auf der Website mineralienatlas.de werden Themen rund um Kristalle erklärt.
Austausch: Auch bei Sammlertreffen und auf Mineralienbörsen wird Fachwissen ausgetauscht, und Anfänger können sich Tipps und Tricks von erfahrenen Sammlern holen.
Verhaltensregeln:Beim Sammeln sollte man sich an Regeln halten. Gefundener Müll sollte mitgenommen werden. Zudem muss man sich die Erlaubnis der Feld-, Steinbruchs-, oder Waldbesitzer einholen. Werkzeuge sollen ebenso wieder mitgenommen werden. Außerdem sollte nichts beschädigt und entstandene Löcher wieder zugeschüttet werden. Handschuhe, Helm und Sicherheitsschuhe sollten getragen werden.

