Im Wohnmobil oder Zelt: Campingplatz-Betreiber aus dem Landkreis Cham stellen neuen Trend fest

Von Sabrina Kauer · 16. August 2024 um 19:00

Während der Corona-Pandemie hat das Campen regelrecht geboomt. Viele haben sich zu der Zeit ein Wohnmobil zugelegt oder einen Bus gekauft und diesen zu einem Camper-Van umfunktioniert. Doch wie sieht es zwei Jahre nach dem Höhepunkt während der Pandemie aus? Wieso entscheiden sich die Reisenden überhaupt für einen Camping-Aufenthalt im Landkreis Cham? Und welchen neuen Trend stellen die Campingplatz-Betreiber fest?

„Die Saison läuft gerade hervorragend. An den Wochenenden im Juli und im August waren und sind wir ausgebucht“, sagt Peter Allwicher, der zusammen mit seiner Frau Erika den Ferienpark Perlsee in Waldmünchen betreibt. Peter Allwicher könne keinen Rückgang in der Camping-Szene feststellen. Im Gegenteil: „Sehr viele Leute haben sich 2020 und 2021 Wohnmobile gekauft. Die sind jetzt alle unterwegs“, sagt Allwicher.

80 bis 100 Kilometer Umkreis

Dennoch schließe er nicht aus, dass diejenigen, die das Campen während Corona begonnen beziehungsweise probiert haben, möglicherweise in den nächsten Jahren wieder wegfallen werden. „Der Großteil wird aber bleiben“, sagt Allwicher, der heuer einen klaren Trend beobachtet.

„Die Leute kommen vermehrt aus der Umgebung, aus dem Umkreis von etwa 80 bis 100 Kilometern“, sagt Allwicher. Beispielsweise kämen manche seiner Camping-Gäste aus dem Regensburger Raum, Amberg, Nürnberg, aber auch aus Geigant oder Cham. Die Einheimischen würden meist etwa zwei bis drei Nächte auf dem Campingplatz bleiben.

Wie Allwicher sagt, wollen immer mehr Urlauber eine schnelle Auszeit ohne langwierige Anreise. „Viele wollen einfach zwei Tage abschalten und dann wieder heim. In dem Ausmaß hat es das in der Vergangenheit nicht gegeben“, so der Ferienpark-Betreiber.

An einem verlängerten Wochenende campen

Das bestätigt auch Katja Breu. Sie ist die Lebensgefährtin von Martin Bredl, der das Adventure Camp in Bad Kötzting betreibt. Auch dort bleiben vermehrt Gäste, die aus der näheren Umgebung kommen, beispielsweise aus Hohenwarth oder Cham. „Die meisten Einheimischen nutzen den Campingplatz an einem verlängerten Wochenende“, sagt Breu. Auch Bad Kötztinger selbst würden den Campingplatz am Weißen Regen besuchen. „Das sind oft Familien, die mit den Kindern zelten und unsere Adventure-Angebote nutzen“, sagt Katja Breu und zitiert dabei einen einheimischen Vater, der zu ihr gesagt habe: „Dafür braucht man nicht kilometerweit rumfahren“.

In der diesjährigen Hauptsaison sei der Campingplatz laut Breu „gut ausgelastet“. Insbesondere an verlängerten Wochenenden seien die 45 Stellplätze jedes Mal ausgebucht und seit dem Boom während der Corona-Pandemie stelle sie keinen Rückgang im Camping-Trend fest.

Viel Geld in Wohnmobile investiert

So auch Doris Wutz, Vorsitzende des Chamer Kanu Clubs Graf Luckner. Da die Leute viel Geld in die Wohnmobile beziehungsweise -wägen investiert hätten, würden sie die Fahrzeuge jetzt nicht einfach nach so kurzer Zeit wieder verkaufen, sondern behalten und auch nutzen. „Unser Wohnmobilplatz ist immer gut ausgebucht, aber die Zelte sind weniger geworden“, sagt Wutz. Grund dafür könnten eingeschränkte Flusswege für Kanus sein. „Viele der Gäste waren Kanufahrer, die haben immer gezeltet“, sagt Wutz.

Regen macht Geschäft „mau“

Die Camping-Touristen kämen aus „halb Europa“, sagt sie. Viele würden aber auch aus der näheren Umgebung wie Rötz kommen. „Die Gäste genießen es, von daheim weg zu sein – am Wasser.“ In der Zeit um Pfingsten war das Camping-Geschäft wegen des Hoch- beziehungsweise Vielwassers „mau“, so die Vorsitzende. Der August hingegen laufe „recht gut“.

Der Ferienmonat zieht auch viele Urlauber zum Drachenstich und Cave Gladium nach Furth im Wald. Deswegen seien im Moment am Campingplatz Einberg alle Plätze belegt, weiß Natalie Neumann, deren Mann Christopher Neumann, den Further Campingplatz betreibt.

„Etwa 50 Prozent kommen wegen des Drachenstichs und des Cave Gladiums hierher. Die anderen 50 Prozent sind Urlauber, die das gar nicht auf dem Schirm haben und das dann entdecken, wenn sie hier sind“, sagt Neumann.

Auch in Furth im Wald würden einige Einheimische, unter anderem aus Roding, Cham oder auch aus Furth selbst, wortwörtlich ihr Zelt aufschlagen. „Die Leute machen Urlaub mit den Kindern und bleiben zwischen zwei bis drei Tagen oder einer Woche“, sagt Natalie Neumann, die einen „kleinen Rückgang“ des Camping-Booms während der Corona-Pandemie empfindet.

Hier finden Sie Video und Bilder vom Further Drachenstich 2024: Drachenstich-Premiere: Großartig aufgelegte Spieler begeistern das Publikum in Furth im Wald

Dennoch sei die Stimmung auf dem Campingplatz Einberg „ganz, ganz gut“. „Jeder versteht sich, keiner nörgelt. Wenn es einem Camper an irgendwas fehlt, steht schon der nächste auf der Matte. Das ist das schöne am Camping: jeder versteht sich, jeder hilft“, sagt Neumann.

Solch eine Harmonie erlebe unter anderem auch Peter Allwicher in Waldmünchen. „Es macht echt Spaß heuer“, sagt er und verrät: „Was die Urlauber an unserer Gegend so schätzen, ist die Freundlichkeit der Einheimischen. Weil zum Beispiel beim Metzger nebenbei ein Gespräch entsteht oder weil sie in der Stadt gegrüßt werden. Ich höre das ganz oft, dass es die Leute deswegen in die Oberpfalz zieht“.

Der Campingplatz des Chamer Kanu Clubs ist wegen seiner Nähe zum Fluss auch sehr bei Anglern und Kanufahrern beliebt, sagt Vorsitzende Doris Wutz.