Lästige Insekten: Gibt es heuer wirklich so viele Wespen und Mücken im Landkreis Cham?

Von Sabrina Kauer · 15. August 2024 um 19:00

Sommer, Sonne, Wespen- und Mückenzeit. Egal, wo man im Moment die Hitze aussitzt, überall schwirren die Insekten umher. Oft sind dann noch Kommentare zu hören wie „Heuer gibt’s so viele Wespen“. Doch stimmt das wirklich? Und was kann man gegen die lästigen Insekten tun?

Ob es heuer tatsächlich mehr Wespen oder Mücken gibt als bisher, kann die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Cham auf Nachfrage im Moment noch nicht beantworten, da es dazu „noch keine fundierte Datengrundlage gibt“. Aber: Die Zahl der Wespen und Mücken nehme im Allgemeinen zu.

Gründe dafür könnten unter anderem das mildere Wetter durch die Klimaerwärmung sein. „Die Winter werden kürzer und die Sommer länger, was den Reproduktionserfolg der Insekten begünstigt“, teilt das Landratsamt mit. Viel Regen und damit vermehrt auftretende Hochwasserereignisse seien vor allem günstig für Mücken.

Machen sich die kleinen Blutsauger gleich über die Menschen her, wollen die Wespen hingegen „nur“ an deren Essen. „In der Regel kommen Wespen dort häufig vor, wo sie Futter finden“, sagt Markus Schmidberger, Geschäftsstellenleiter beim LBV Cham. Dass es heuer deutlich mehr Wespen und Mücken gebe als bisher, könne Schmidberger nicht bestätigen. „Ich wohne in Hohenwarth, habe einen Garten mit Zwetschgen, Birnen und Co. Mir fällt nicht auf, dass es mehr sind“, sagt er.

Zwei Hypothesen

Dass dem Menschen die Insekten aber im Moment vermehrt auf den Nerv gehen, dafür hat Schmidberger zwei Hypothesen parat:

Weil die Winter immer milder werden, könnte es sein, dass mehr Wespenköniginnen überleben. „Dann starten mehr Königinnen ins Frühjahr und dann gibt es auch mehr Völker“, sagt Schmidberger. Doch ob das wirklich so ist, müsste man wissenschaftlich beobachten und prüfen, und das sei laut Schmidberger „schwierig“.

Mehr Wespenköniginnen überleben die milden Winter

Zum anderen könnte es daran liegen, dass die Wespenköniginnen aufgrund der milden Temperaturen früher angefangen haben, ihre Eier zu legen. Das führe dazu, dass die Wespen-Nachkommen eher schlüpfen und somit auch die Nester bereits im Sommer verlassen und nicht erst im Herbst. „Deswegen haben die alten Damen eher Feierabend. Ihr Job ist die Jugendaufzucht“, erklärt Schmidberger. Wenn also die Jungen schon alle ausgeflogen sind, hätten die Versorgerinnen nichts mehr zu tun.

Deswegen würden die Arbeiterinnen sich auf Futtersuche für sich selbst begeben. Und wie sollte es auch anders sein: Die Weibchen stehen auf Süßes. „Zur Jungenaufzucht brauchen die Weibchen andere Insekten, Fleisch und Wurst. Aber wenn sie keine Jungen mehr versorgen müssen, gehen sie auf Kuchen oder Obst“, sagt Schmidberger.

Kommt eine, sind’s bald viele

Wespen sind soziale Wesen. Deswegen dauere es auch nicht lange, bis mehrere Wespen um einen umherschwirren, wenn man sich beispielsweise an einem waren Sommertag mit einem Stück Kuchen in den Garten setzt. „Wenn das eine Wespe entdeckt, dann erzählt sie das weiter und dann geht’s dahin. Dann steuern das alle an“, sagt Schmidberger.

Kommt es so weit, würden viele versuchen, die Wespen durch anpusten oder durch umherfuchteln mit den Händen zu vertreiben. „Dann gehen die Wespen in Verteidigungshaltung und auf Attacke. Das ist schlecht, denn immer mehr Menschen reagieren allergisch auf das Eiweiß im Gift. Das kann schlimm ausgehen“, sagt Schmidberger.

Starke Düfte mögen sie nicht

Damit es gar nicht erst so weit kommt, kann man vorab schon etwas gegen Wespen, aber auch Mücken tun – und zwar auf natürliche Art und Weise. Und sollte man doch einmal gestochen werden, gibt es auch dafür chemiefreie Heilmittel.

„Mücken mögen keine starken Düfte“, sagt Monika Kerner, die beim LBV Cham unter anderem als Kräuterpädagogin tätig ist. Beispielsweise helfe Lavendel sehr gut. „Das lenkt die Mücken vom Körperduft ab“, sagt Kerner. Zudem könne man mit Weihrauch, Räucherstäbchen oder Harzen räuchern. „Das hat auf jeden Fall eine gewisse Abwehrreaktion“, sagt Kerner. Bei einem Wespen- oder Mückenstich könne man sich mit dem ausgedrückten Saft eines Spitzwegerich helfen. „Das Mittel ist auf der Wiese schnell gepflückt und hat einen großen Wirkungseffekt“, sagt Kerner.

Kräuterpädagogin Stefanie Götz stellt eigene Mücken-Roll-Ons her

Darauf schwört auch Heilpraktikerin Stefanie Götz, die als Kräuterpädagogin unter anderem Kurse im Klostergarten in Neukirchen b. Hl. Blut gibt. Sie empfiehlt bei Stichen beispielsweise einen selbst hergestellten Roll-On (ein kleines Fläschchen, dessen Inhalt auf der Haut aufgetragen werden kann) aus Spitzwegerich, Wodka, Aloe Vera-Gel und Lavendelöl. „Spitzwegerich ist die Heilpflanze Nummer Eins. Der Alkohol macht es lange haltbar. Der Roll-On ist perfekt für unterwegs und so einfach und schnell gemacht mit Kräutern aus dem eigenen Garten“, sagt Götz.

Auch Lavendelöl alleine oder mit Wasser verdünnt wirke beruhigend und entzündungshemmend auf Stiche, aber auch bei Sonnenbrand. Die Pflanze Mädesüß – das laut Götz „natürliche Aspirin“ – wirkt ebenfalls entzündungshemmend und beruhigend.

Räuchern hilft: Fluchtinstinkt bei Wespen und Mücken

Um Wespen und Mücken vom Körper und auch vom Esstisch fernzuhalten, hat Götz diese natürlichen Hilfsmittel parat: Ein Mücken-Abwehr-Spray kann man aus Lavendelwasser, Alkohol oder destilliertem Wasser und ätherischen Ölen (am besten mit Orangen- oder Zitronenduft) herstellen. Auch das Räuchern helfe, um die Insekten zu vertreiben. Der imitierte Brand löst bei den Tieren den Fluchtinstinkt aus, sagt Götz. Man kann beispielsweise Kräuterbuschen oder getrockneten Salbei anzünden. Zudem könne man eine Räucherkohle in einer mit Sand gefüllten Schale anzünden und gegebenenfalls noch Kräuter wie Thymian und Rosmarin oder getrockneten Kaffeesatz draufstreuen. „Man hat die Sachen eh daheim, und ich finde es toll, wenn man die so vielseitig einsetzen kann. Die Gesundheit ist im eigenen Garten daheim“, sagt Götz.

Die Insekten loswerden sowie Wespen- und Mückenstiche auf natürliche Weise behandeln: So funktioniert es

Anti-Mücken-Salbe: Stefanie Götz zeigt beim Termin, wie man selbst eine natürliche Salbe herstellt, die Mücken, aber auch Zecken, vom Körper fernhält und für Babys und Kinder geeignet ist. Zudem wirkt die Salbe pflegend für die Haut, vor allem auch bei Neurodermitis und Schuppenflechte, so Götz.

Zutaten: 300 Gramm Kokosöl, eine große Handvoll Schwarzkümmel, 20 Gramm Bienenwachs, ätherische Öle wie Patchouli

Zubereitung: Kokosöl, das man beispielsweise im Supermarkt in der Asia-Abteilung bekommt, wird ab 25 Grad Celsius flüssig. Das Kokosöl erwärmen, den Schwarzkümmel mörsern, beides zusammenschütten und erwärmen (unter der Siedetemperatur). Das Gemisch eine halbe Stunde ziehen lassen. Danach abseihen, Bienenwachs dazugeben und noch einmal erwärmen. Etwa fünf bis zehn Tropfen Patchouli dazugeben. Danach in ein ausgekochtes Gefäß füllen und abkühlen lassen. Durch das Bienenwachs wird die Salbe fest.

Ein Roll-On zum Auftragen auf die Stiche

Zutaten:

etwa 15 Blätter Spitzwegerich, Wodka oder Zwetschgenwasser (etwa 35 bis 40 Prozent Alkohol) zur längeren Haltbarkeit), Aloe Vera-Gel 1:1 mit Wasser verdünnt, zehn Tropfen naturreines Lavendelöl, Roll-On-Fläschchen aus der Apotheke oder dem Internet

Zubereitung: Den Spitzwegerich zerkleinern, den Wodka hinzugeben, sodass die Blätter bedeckt sind und beides mixen. Danach z.B. durch einen Teefilter abseihen. Das mit Wasser verdünnte Aloe Vera-Gel 1:1 hinzugeben und vermischen. Zum Schluss noch etwa zehn Tropfen vom Lavendelöl dazugeben.

Vorteile: Den kleinen Roll-On-Stift kann man überall mit hinnehmen. Durch den Alkohol muss der Inhalt auch nicht gekühlt werden. Zudem spendet das Aloe Vera-Gel der Haut Feuchtigkeit, erklärt Götz.

Eigenes Anti-Mücken-Spray herstellen

Zutaten:

Als Grundlage braucht es ein Hydrat, beispielsweise Lavendelwasser, Alkohol oder destilliertes Wasser - davon 50 Milliliter. Zudem stark duftende ätherische Öle wie Orange oder Zitrone.

Um das Spray herzustellen, müssen die Zutaten einfach nur vermischt und in ein kleines Sprühfläschchen abgefüllt werden.

Ätherische Öle sollten laut Götz immer verdünnt werden, bevor man sie auf die Haut aufträgt, weil sie sonst zu intensiv und ggf. auch ätzend sind.

Im Biergarten oder auch bei Grillfeiern daheim: Durch Räuchern die lästigen Insekten vertreiben

Geeignet dafür sind Kräuterbuschen aller Art, beispielsweise mit dem Wilden Dost oder getrocknetem Salbei.

Räucherkohle hat den Vorteil, dass sie vor sich hin dampft und man sie nicht immer wieder neu anzünden muss wie beispielsweise die Kräuterbuschen.

Diverse Kräuterbuschen gibt es bei Stefanie Götz im Online-Shop unter www.natuerlich-steffi.de zu erwerben.

Kräuterpädagogin Stefanie Götz füllt die Spitzwegerich-Wodka-Mischung in das Roll-On-Gefäß ab. Foto: S. Kauer
Die Anti-Mücken-Salbe muss nun abkühlen, damit sie fest wird. Sie wirkt auch pflegend für die Haut. Foto: S. Kauer
Das ist das Bienenwachs, das die flüssige Anti-Mücken-Salbe wieder fest macht. Foto: S. Kauer
Der Nachteil am Kräuterbuschen beim Räuchern: Er muss immer wieder neu angezündet werden. Foto: S.Kauer
Die Räucherkohle dampft vor sich hin und vertreibt so die Wespen und Mücken, sagt Götz. Auch auf ein Stövchen kann man Kräuter legen und so die Insekten vom Tisch fernhalten.