So können Gärten im Kreis Cham auf den Klimawandel vorbereitet werden

Hitze, Trockenheit und Starkregen: Der Klimawandel schreckt auch nicht vor dem heimischen Garten zurück. Doch wie kann das Paradies vor der Haustür im Kreis Cham so gestaltet werden, dass es die extremen Wetterlagen übersteht? Wir haben mit einer Ornithologin gesprochen.
Ornithologin Angelika Nelson vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) rät, Pflanzen wachsen zu lassen. Dadurch könne zum Beispiel der Rasen besser Wasser speichern und ist so vor dem Austrocknen geschützt. „Löwenzahn und Gänseblümchen sollen auch mal zur Blüte kommen dürfen“, sagt Nelson, denn diese seien Nahrung für viele Insekten. Ein Mähroboter ist daher kontraproduktiv: Der Rasen verbrennt im Sommer und Insekten können keine Nahrung finden.
Heimische Gewächse bevorzugen
„Gärten sind vom Menschen geschaffene Lebensräume“, deshalb sei auch die eine oder andere mediterrane Pflanze „in Ordnung“. Allerdings sollte es sich dabei um eine nicht invasive Art handeln, denn diese kann sich schnell ausbreiten und einheimische Gewächse verdrängen.
„Es sollte auf heimische und regionale Pflanzen zurückgegriffen werden, diese haben sich an unser Klima angepasst“, sagt Nelson. Als Beispiele nennt sie die Königskerze, die Wiesenflockenblume oder den Natternkopf. Regionale Gewächse brauchen in der Regel weniger Pflege und Wasser als exotische Pflanzen.
Bäume spenden Schatten und brechen den Wind
Rund 500 Nachtfalterarten leben an einer Eiche, sagt die Ornithologin, damit sei sie der artenreichste Baum. Viele Vögel ernähren sich von den Raupen der Falter. Außerdem spendet die Eiche aufgrund ihrer Größe viel Schatten. Wer einen kleinen Garten hat, dem empfiehlt Nelson einen Obstbaum wie Apfel oder Kirsche.
Hecken und Sträucher sind ein weiterer wichtiger Bestandteil der grünen Oasen, in ihnen brüten unter anderem viele Vögel. Geeignet sind zum Beispiel Schlehen, Weißdorn oder Pfaffenhütchen. Außerdem bremsen Bäume und Sträucher den Wind und sorgen laut Landratsamt für mehr Struktur im Garten. Auch kleine Hügel und Senken können den Garten vor dem Austrocknen oder vor Überschwemmungen schützen.
Das kühlt den Garten ab
„Wichtig ist ein funktionierendes und geschlossenes Ökosystem“, sagt Nelson. Auch übermäßiges Düngen sollte vermieden werden, denn viele heimische Pflanzen bevorzugen einen nährstoffarmen Boden. Mit einem Komposthaufen kann Humus und damit ein optimaler Dünger hergestellt werden. Humus speichert Wasser effizient und gibt es langsam an die Pflanzen ab, so der LBV.
Die Sonne heizt Wände und Dächer stark auf und gibt die Wärme an die Umgebung ab. Rank- und Kletterpflanzen wie Efeu, Wein oder Rosen können an diesen Stellen für Schatten und Kühlung sorgen, erklärt Nelson. Auch ein Gartenteich hat einen kühlenden Effekt, da das Wasser verdunstet. Allerdings sollte die Wasserstelle nicht den ganzen Tag der Sonne ausgesetzt sein. „Wie eine Wasserstelle in der Wüste ist ein Gartenteich bei Igeln, Vögeln, Libellen und vielen anderen Tieren heiß begehrt. Wichtig ist auch, dass es flache Stellen am Ufer gibt. So können Tiere, die eventuell hineinfallen, selbst hinausklettern“, sagt Nelson.
Neue Schädlinge durch den Klimawandel
Der LBV rät außerdem, eine bunte Mischung an Pflanzen in der heimischen Oase anzulegen. Denn Vielfalt gibt der Natur die Möglichkeit, mit neuen Kreuzungen dauerhaft auf Umweltveränderungen zu reagieren.
Durch den Klimawandel können neue Schädlinge, wie zum Beispiel der Buchsbaumzünsler, bei uns Fuß fassen, so die Stelle für Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt. Laut der Ornithologin wird es einige Zeit dauern, bis Vögel die neuen Ungeziefer als Nahrung ansehen. Wenn das geschehen ist, könne dadurch wieder ein Gleichgewicht hergestellt werden.
Ist der Trend schon angekommen?
Der Trend, das heimische Paradies fit für den Klimawandel zu machen, sei allerdings bei vielen Hobbygärtnern noch nicht angekommen. Nach heimischen Pflanzen wird laut Josef Pöschl, Inhaber der Gärtnerei in Arnschwang, wenig gefragt. Daher sei auch die Auswahl an regionalen Gewächsen eher mager. Hohe Nachfrage bestehe bei bienenfreundlichen Blumen und Sträuchern, aber auch heimische Kräuter wie Bärlauch oder Waldmeister sind beliebt. Viele Kunden würden aus Klimaschutzgründen zu torffreier Erde greifen.
Die meisten Pflanzen in der Gärtnerei seien Züchtungen. Das sei aber nicht prinzipiell schlecht, denn so blühen die Pflanzen zu unterschiedlichen Zeiten und locken Insekten an. Als besonders robust gilt laut Pöschl zum Beispiel die Geranie, sie sei aber nicht insektenfreundlich. Beliebt und zudem hitzeresistent sind auch südeuropäische Pflanzen wie etwa Schopflavendel.
Das Wichtigste fehlt laut Nelson aber noch: „Wir sollten uns im eigenen Garten wohlfühlen und daran erfreuen.“

