Die Zahl der Straftaten im Altlandkreis Kötzting steigt um satte 25 Prozent an

Zum jährlichen Sicherheitsgespräch mit allen 13 Bürgermeistern der Gemeinden des Altlandkreises hatte der Leiter der Polizeiinspektion Bad Kötzting, Christian Pongratz, am Freitag in das Rathaus nach Arrach geladen. Zu verkünden gab es eine kräftige Erhöhung der Gesamtstraftaten, die insgesamt aber immer noch weit unter dem Durchschnitt in der Oberpfalz lägen.
Eingangs stellte Pongratz aber erst einmal den neuen stellvertretenden PI-Leiter Thomas Schmidt vor, der die Nachfolge von Josef Weindl, der fünf Jahre lang Stellvertreter und insgesamt 15 Jahre in Bad Kötzting gewesen war, angetreten hat. Schmidt war seit eineinhalb Jahren Leiter der Polizeistation in Waldmünchen. Als gebürtiger Rimbacher und wohnhaft in Bad Kötzting, habe er sich gerne auf die freie Stelle in seiner Heimatstadt beworben – den Bürgermeistern bot er dieselbe gute Zusammenarbeit wie bisher an.
„Ein massiver Anstieg“
Danach ging es dann auch in die Zahlen. „Wir haben einen massiven Anstieg“, sagte Pongratz. 25 Prozent mehr Straftaten als im Vorjahr, das lasse aufhorchen, „aber: Was ist in den letzten fünf Jahren passiert?“ Die Talsohle durch die Corona-Pandemie sei durchschritten und die Straftaten dadurch wieder auf dem Niveau von 2019 und den Jahren zuvor. Es gebe wieder mehr „reisende Täter“, die zur Begehung von Straftaten nach Deutschland kämen. Auch seien einige Mitbürger „durch die Pandemie etwas seltsamer geworden“. Auch, dass mehr mit dem Schwerpunkt Rauschgiftdelikte kontrolliert worden sei, habe zum Teil zu dem Anstieg beigetragen.
Mit einer Aufklärungsquote von 73 Prozent liege PI Bad Kötzting über der in der Oberpfalz (69,9 Prozent) und der in Bayern insgesamt (65,2 Prozent). Ein Vorteil der Dienststelle im ländlichen Raum sei, dass sich die Beamten auch noch auf viele Hinweise auf Straftaten aus der Bevölkerung verlassen könnten. Wichtig sei, dass verdächtige Beobachtungen auch weitergemeldet würden.
Christian Pongratz verwies im Besonderen auf die Häufigkeitszahlen. Im Dienstbereich der PI Bad Kötzting liege die Belastung pro 100 000 Einwohner bei 2513 – in der Oberpfalz bei 3927, in Bayern bei 4361 und bundesweit bei 7040. „Für mich die wichtigste Zahl, die zeigt, wie sicher man bei uns in der Region leben kann. Ein Thema, „mit dem man auch offen umgehen muss“, so Christian Pongratz, sei das der nichtdeutschen Tatverdächtigen. Etwas über 14 Prozent betrage der Anteil an Ausländern an der Bevölkerung im Landkreis Cham. 111 nichtdeutsche Tatverdächtige bedeuteten im vergangenen Jahr eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr, womit diese Gruppe 37 Prozent der Gesamtverdächtigen im Jahr 2023 entsprochen hätte. Bei den Betrugsdelikten lägen tschechische Staatsangehörige vorne, bei den Körperverletzungen seien Asylbewerber innerhalb dieser Gruppe an erster Stelle.
Der frühere stellvertretende PI-Leiter Josef Weindl fügte zu dem Punkt noch an, dass im Asylbewerberheim in Bad Kötzting rund 260 Bewohner untergebracht seien und die Einrichtung auch einen Sicherheitsdienst habe. 40 Einsätze gebe es pro Jahr im Zusammenhang mit der Einrichtung, so Pongratz. „Tatsächlich angefahren haben wir die Unterkunft aber nur 20 Mal“, sagte er. Allerdings verwies er auch auf zwei größere Messer-Stechereien in den vergangenen Jahren mit Beteiligten aus der Unterkunft.
„Trauriger Höhepunkt“ der Gewaltdelikte sei im vergangenen Jahr die Tötung eines Mannes im Stadtgebiet gewesen, wobei beide Beteiligten deutsche Staatsbürger gewesen seien. Die Zahl der Gewaltdelikte habe sich mit 26 ebenfalls verdoppelt, wobei 23 davon gefährliche oder schwere Körperverletzungen gewesen seien. Stark angestiegen sei die Zahl der Diebstahlsdelikte: 149 Straftaten in diesem Bereich im Vergleich zu 117 Straftaten im Jahr 2022 bedeuteten eine Zunahme von 27,4 Prozent. Allerdings habe dieser Wert vor Beginn der Corona-Pandemie bei 135 Fällen gelegen – bei einer Aufklärungsquote von 34,8 Prozent.
120 Betrugsfälle seien im vergangenen bei der PI angezeigt worden, die nicht in der Statistik auftauchten. Das liege daran, dass bei Betrug im Internet zwar der Geschädigte im Bereich der PI liege, der Täter aber nicht. Darum stünden in der Statistik lediglich 46 Betrugsdelikte – wobei selbst die 120 statistisch nicht erfassten Fälle sicher nur die Spitze eine Eisberges seien, da gerade kleinere finanzielle Schäden gar nicht angezeigt würden.
Blick in die Gemeinden
Zwei tödlich verletzte Personen und „auffallend viele und auch brutale Suizide“ habe es im vergangenen Jahr gegeben, erklärte Pongratz. Fälle, die auch die Kollegen sehr belasteten. Vier größere Vermisstensuchen seien da noch dazugekommen, wobei er sich sehr bei allen Mitgliedern der „Blaulichtfamilie“ bedankte. Egal, ob Rettungsdienst oder Feuerwehr und viele weitere Organisationen: Die Zusammenarbeit sei hervorragend und besser als in vielen anderen Regionen.
Josef Weindl warf noch einen genaueren Blick in die einzelnen Gemeinden. In Arrach etwa sei ein Kilogramm Marihuana sichergestellt worden. Dass die Stadt Bad Kötzting die höchste Belastungszahl (3885) aufweise, liege an der Größe sowie der Zahl der Nachtclubs – ganze 60 Körperverletzungs-Delikte (die Hälfte davon rund um die drei Discotheken) seien aber auf normalem Niveau. In Chamerau schlage sich die Nähe zur B85 nieder (Kennzahl 2212), zehn Fälle seien alleine auf Streitigkeiten zwischen zwei Unternehmern zurückzuführen gewesen. „In Grafenwiesen ist alles unspektakulär“, resümierte Weindl, wobei Thomas Schmidt aufgefallen war, dass die Zahl der Bedrohungen und Beleidigungen, die rund ein Viertel aller Straftaten ausmachten, schon auffällig sei.
In Hohenwarth findet sich die niedrigste Auklärungsquote mit 31,7 Prozent, was an mehreren Fällen von gelockerten Schrauben an Autoreifen liege, zu denen es „nicht einen einzigen Hinweis gegeben hat“.
In Lam habe es neben der „öffentlichen Schlägerei“ in der Arberstraße auch Diebstähle und Sachbeschädigungen (verkratze Autos) gegeben. In Lohberg steche die Sprengung des Geldautomaten hervor. „Es gibt nichts, was bei uns nicht vorkommt, wenn auch nicht so häufig wie in Ballungsräumen“, resümierte Weindl. In Miltach stachen die aufgebrochenen Milch-Automaten sowie drei Einbrüche mit dem Diebstahl von Bronze-Statuen hervor. In Rimbach erinnerte er an den Fall, in dem eine Person mit Diebstählen vor allem in der eigenen Familie unterwegs gewesen sei.
Die Gemeinde Zandt belegt mit 19 Straftaten im gesamten Jahr und einer Häufigkeitszahl von 1055 wie üblich den hintersten Rand.