Von Kaktus bis Haustier: Regensburgerin will mit Mitfahrzentrale für Dinge durchstarten

Von Lorenz Nix · 28. August 2024 um 19:00

Nach dem Erfolg ihres Unternehmens Boomerang, das sich auf Mehrwegverpackungen spezialisiert hat, hat die Regensburgerin Katharina Kreutzer ein neues Start-up gegründet. Mit Muvn wollen sie und ihre Mitstreiter eine Mitfahrzentrale für Gegenstände bereitstellen. Die App startet im Oktober.

In Bremen werden verhältnismäßig viele Schlafzimmermöbel verkauft, die Niedersachsen wollen oft ihre Gartengeräte loswerden. In Baden-Württemberg machen die Menschen überproportional häufig Autoreifen und -teile zu Geld. Das sind die Ergebnisse einer Auswertung des deutschen Online-Portals Kleinanzeigen. Nur, wie kommt beispielsweise das im hohen Norden gekaufte Bett ins bayerische zuhause? Eine Regensburgerin hat ein Start-up gegründet, mit dem auf teure Logistikdienste verzichtet werden soll.

Katharina Kreutzer ist vor allem bekannt als Mitgründerin des erfolgreichen Unternehmens Boomerang, das sich auf Mehrwegverpackungen für den Online-Handel spezialisiert hat. 2022 schaffte sie es sogar auf die „30 unter 30“-Liste des renommierten Wirtschaftsmagazins „Forbes“. Ende Februar hat sich die 25-Jährige aus der Geschäftsführung von Boomerang zurückgezogen – und gründete wenig später mit drei Mitstreitern direkt das nächste Start-up. Mit Muvn wollen Katharina Kreutzer, Massimo Sabatino, Emre Aydin und Rene Schröder „die Art und Weise, wie Dinge transportiert werden, revolutionieren“, wie es die mittlerweile in Hamburg lebende Gründerin im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern ausdrückt.

Dinge mit Muvn versenden: Privatauto statt Spedition

Vereinfacht gesagt ist Muvn eine Mitfahrzentrale für Gegenstände, aber auch Haustiere und Pflanzen. Oder ganz konkret: Wer in Bremen sein Bett kauft, muss nicht extra dorthin fahren oder eine Spedition beauftragen. Stattdessen lässt er es von jemandem mitnehmen, der ohnehin mit dem Auto aus der Hansestadt nach Bayern fährt – beispielsweise, weil er regelmäßig seine Partnerin oder seinen Partner im Norden Deutschlands besucht. Der Kontakt zwischen Fahrer und Versender kommt via App zustande.

Katharina Kreutzer hatte die Idee, die hinter Muvn steckt, schon länger: Zum einen hätten sie und ihre Mutter immer schon gerne Gebrauchtes im Internet gekauft, erzählt sie. Richtig konkret wurde die Idee dann vor etwa drei Jahren, als Kreutzer nach Hamburg gezogen ist. Dabei wollte sie keine acht Stunden im Auto sitzen und nahm deshalb nur das nötigste mit. „Jedes Mal wenn mich dann jemand aus Regensburg besucht hat, habe ich ihm das Auto voll gemacht“, sagt die 25-Jährige. Nach und nach kam so alles in Hamburg an. Wenn das mit Freunden und Familie klappt, dann doch auch mit Fremden, dachte sich Kreutzer.

Katharina Kreutzer: Autos besser auslasten

Tatsächlich sitzen in deutschen Autos im Schnitt nur etwa 1,5 Personen. Der vorhandene Platz wird also längst nicht voll ausgenutzt. Muvn setzt genau da an: Zwar nehmen viele Menschen ungern Fremde im Auto mit, aber dafür vielleicht Gegenstände? Kreutzer ist jedenfalls von der Geschäftsidee überzeugt: Die Gründer hätten unter anderem zahlreiche Gespräche zum Thema geführt und sich mit vielen Studien beschäftigt. Muvn biete einen sicheren, kostengünstigen sowie nachhaltigen – weil Autos sozusagen aufgefüllt werden – Versand, sagt Kreutzer. Aber auch für diejenigen, die Bett und Co. gegen einen Gebühr mitnehmen, sieht sie Vorteile: Schließlich kostet der Betrieb eines Autos in Deutschland auch einiges an Geld.

Muvn soll aber nicht nur Privatpersonen das Leben leichter machen. Große Unternehmen beauftragen im Schnitt 20 Kurierfahrten am Tag, haben die vier Gründer recherchiert. Das Start-up könne hier eine günstige Alternative sein, sagt Kreutzer. Gleiches gelte für die Event- und Messelogistik. „Zum Beispiel, wenn wichtige Flyer für eine Messe im Büro vergessen wurden“, nennt die 25-Jährige einen möglichen Fall.

Fahrer und Versender legen bei Muvn die Kosten selbst fest

Die jeweiligen Kosten legen Fahrer und Versender dabei selbst fest – sprich: Wer etwas transportieren lassen möchte, sagt, wie viel er dafür zahlen will. Ob das dann fair ist, entscheidet derjenige mit dem Auto – gegebenenfalls wird verhandelt. Und natürlich verdient auch Muvn etwas an der Fahrt: Der Versender zahlt einen Grundbetrag von 1,50 Euro an das Unternehmen, zusätzlich gehen drei Prozent des ausgehandelten Transportpreises an das Start-up. „Für den Fahrer ist es aber komplett kostenlos“, betont Kreutzer.

Starten soll Muvn am 15. Oktober. Ab dann wird die App erhältlich sein – nur wenige Monate nach der Gründung des Start-ups im Juni. Dass das so schnell klappt, sei unter anderem vielen Nachtschichten zu verdanken, sagt Kreutzer. Außerdem seien ihre Mitstreiter allesamt Seriengründer mit jeder Menge Erfahrung.

Muvn hat die 25-Jährige nicht alleine gegründet: An ihrer Seite stehen Massimo Sabatino, Emre Aydin und Rene Schröder (von links). Foto: Muvn