Dicke Reifen und Bananensattel: Besondere Fahrräder aus Regensburg

Das Regensburger Unternehmen Ruff Cycles fertigt Pedelecs im Retro-Look. Nun baut die Firma eine neue Fabrik in Bosnien-Herzegowina. Die Mitarbeiterzahl soll so kräftig wachsen.
Wer auf dem „Biggie“ oder dem „Lil’Buddy“ durch die Straßen fährt, erregt Aufmerksamkeit. Kein Wunder: Wie „normale“ Fahrräder sehen die E-Bikes der Regensburger Firma Ruff Cycles nicht aus. Vielmehr erinnern sie – je nach Modell – an die in den Siebzigern hierzulande populär gewordenen Bonanzaräder oder klassische US-Motorräder aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wohl gerade deswegen haben die Pedelecs des Unternehmens zahlreiche Fans auf der ganzen Welt. „Wir liefern in 63 Länder“, sagt Gründer und Geschäftsführer Petar Desnica.
Dass es sich bei „The Ruffian“ und Co. um Fahrräder aus der Oberpfalz handelt, ist vielen Kunden von Ruff Cycles aber wohl nicht bewusst. Tatsächlich würde man die Macher der E-Bikes wohl eher in hippen Büros in Los Angeles oder Miami vermuten. Dieser Irrtum führt laut Desnica immer wieder zu kuriosen Situationen. Nämlich dann, wenn ein potenzieller Neukunde zum Beispiel aus Passau anruft und auf Englisch fragt, ob Ruff Cycles denn auch nach Deutschland liefere.
Ruff Cycles kämpft mit Global Playern um Fachkräfte
Dass Regensburg zum Firmensitz wurde, liegt an Petar Desnicas persönlicher Lebensgeschichte. Der heute 42-Jährige kam 1991 als Flüchtling aus Kroatien in die Domstadt. 2012 gründete er dort sein Unternehmen – und das, obwohl Regensburg Desnica zufolge der „schlechteste Platz für Start-ups“ ist, zumindest mit Blick auf die Bereiche, in denen Ruff Cycles tätig ist. Als Grund nennt der Geschäftsführer die zahlreichen Global Player, die sich in der Stadt angesiedelt haben. Mit denen konkurriere man bei der Suche nach Fachkräften, sagt Desnica.
Also ein Grund, der Bezirkshauptstadt den Rücken zu kehren? Der 42-Jährige winkt ab: „Regensburg ist etwas ganz Besonderes.“ Und dennoch: Nur etwa 40 der knapp 150 Mitarbeiter des Fahrradherstellers arbeiten in der Oberpfalz. Der Rest ist Teil der Rahmenfertigung in Bosnien-Herzegowina. Die eigene Produktion ist ungewöhnlich für einen Fahrradhersteller. In der Regel würden diese die Rahmen bei Fremdfirmen in Fernost fertigen lassen, erklärt Desnica. Mit der eigenen Fertigung bewahre man Flexibilität und könne immer wieder etwas neues ausprobieren.
Neue Fabrik: Mitarbeiterzahl soll mehr als verdoppelt werden
Aufgrund der schlechter werdenden Bedingungen in Deutschland – Stichwort Fachkräftemangel – baut Ruff Cycles den Standort in Bosnien-Herzegowina allerdings weiter aus. Im September will das Unternehmen dort ein neues Werk eröffnen. Bis zu 50000 Räder sollen in der Fabrik dann jedes Jahr produziert werden. Zum Vergleich: 2023 fertigte das Unternehmen 7000 Einheiten. Mit der geplanten Absatzsteigerung soll auch die Mitarbeiterzahl der Oberpfälzer Firma in die Höhe schießen: von 150 auf 350.
In Zukunft will das Unternehmen auch stärker ausländische Märkte erobern. „Wir müssen internationaler werden“, so Desnica. Bislang liegt der Hauptabsatzmarkt von Ruff Cycles noch im deutschsprachigen Raum.
Fahrräder verkörpern für Geschäftsführer Petar Desnica Freiheit
Dass die Oberpfälzer Räder aber für jeden etwas sind, davon ist der Geschäftsführer überzeugt. Genauso wie man auch jetzt bereits Kunden aus der ganzen Welt habe, seien die Bikes etwas für alle Altersschichten, sagt Desnica. Als einen Grund nennt er beispielsweise den charakteristischen Bananensattel. Der längliche, schmale Sattel biete sehr viele Vorteile, erklärt der Geschäftsführer. „Vom Kind bis zur Oma kann jeder damit fahren.“ Und: „Er sieht natürlich auch super cool aus“, ergänzt der 42-Jährige, der mit Fahrrädern vor allem eines verbindet: Freiheit. „Das Fahrrad verkörpert das“, erzählt er. Als Kind sei er die ganze Zeit Rad gefahren, weil er so unabhängig von seinen Eltern gewesen sei. „Ich konnte fahren, wohin ich wollte. Seitdem bin ich ein Fahrrad-Fan.“ Diese Begeisterung führte nach und nach zum eigenen Unternehmen.
Während Desnica im familieneigenen Maschinenbau-Betrieb tätig war, tobte er sich mit seinem Hobby Fahrräder kreativ aus. Erst stellte er Teile für Bikes her, später ganze Räder. 2016 folgte dann das erste Pedelec von Ruff Cycles. Heute hat das Unternehmen vier verschiedene Modelle, die es in unterschiedlichen Ausführungen gibt, im Portfolio. Und Modell Nummer fünf steht bereits in den Startlöchern. Wann genau es soweit sein wird, steht allerdings noch nicht fest.


