Fernbedienung im Schnee: Drei Jungs wollen das Skitourengehen revolutionieren

Von Lorenz Nix · 25. November 2023 um 05:00

August 2021: Die heiße, stickige Luft steht in den Regensburger Gassen. Im Schatten an einer Bushaltestelle warten drei junge Männer. Ihr Ziel ist die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH). Als sie schließlich in einen Bus steigen, ernten sie ungläubige Blicke. Denn einer von ihnen, Lukas Ernst, hält in seiner Hand einen Ski – mitten im Hochsommer.

Die Situation im voll besetzten Bus sei kurios gewesen, blickt Ernst nun über zwei Jahre später zurück. „Es war heiß, alle haben geschwitzt, und mittendrin wir mit dem Ski“, erzählt der 29-Jährige. „Wir“, das sind er sowie seine beiden Mitstreiter, Dominik Riediger und Johannes Sellmaier, beide 30.

Qwicklane entwickelte Neuartige Bindung für den Tourenski

Der Grund, warum sich das Dreiergespann an diesem Hitzetag in Richtung Hochschule aufmachte, ist aber nicht in erster Linie der Ski, sondern vielmehr das, was daran befestigt ist: Der Prototyp einer neuartigen Tourenskibindung, die sich via Fernbedienung, die am Skistock festgemacht werden kann, steuern lässt. An der OTH wollten sie das innovative Projekt präsentieren und ein Gründungsstipendium für ihr Start-up Qwicklane beantragen – „mit Erfolg“, sagt Lukas Ernst.

Der Oberbayer hatte die Idee für die automatische Bindung bereits 2019. Mit seiner damaligen Freundin war er zum Tourengehen in den Dolomiten. Ernst erzählt: „Es war ein Mega-Tag mit Mega-Schnee.“ Aber: Seine Begleitung habe Probleme mit der Bindung gehabt. Die muss beim Tourengehen je nach Steigung angepasst werden. Bei besagter Freundin habe das nur unzureichend funktioniert, sagt Ernst. „Das hat erst sie genervt, dann auch mich.“ Der Gedanke, dass das einfacher gehen muss, ließ ihn nicht mehr los.

Oberbayerische Gründer haben Prototypen an der OTH Regensburg vorgestellt

Im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern verdeutlicht er das Problem: „Das ist, wie wenn man beim Fahrradfahren immer anhalten muss, um den Gang zu wechseln.“ Gemeinsam mit seinem damaligen Mitbewohner Johannes Sellmaier, der wie Ernst aus dem Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen stammt und ebenfalls begeisterter Skitourengeher ist, tüftelte der 29-Jährige an einer komfortableren Lösung. 2021 stellten Sellmaier, der technische Informatik studiert hat, und Lukas Ernst, Maschinenbau, dann den Prototypen an der OTH vor. Das Team vervollständigte zuvor Dominik Riediger. Der Betriebswirtschaftler hat in Regensburg Internationales Management studiert und kommt ebenfalls aus dem Raum Bad Tölz.

Von Regensburg in den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen

Dorthin, in den Ortsteil Deining der Gemeinde Egling, verlegten die Gründer dann später auch den Mittelpunkt ihres Start-ups. Sellmaiers ehemaliges Kinderzimmer ist bis heute das Büro, darunter befindet sich die Werkstatt. Dank zweier Stipendien konnten die drei Jungs sich voll und ganz auf ihre Idee fokussieren und gründeten heuer im März das dazugehörige Unternehmen, die Qwicklane GmbH. Die wird, seit Ablauf der Förderung durch die Stipendien im Sommer, mittlerweile von einem Investor finanziert. Bei der Entwicklung unterstützt außerdem der renommierte Bergsportausrüster Dynafit. Tatsächlich ist die Idee einer elektrischen Bindung für Tourenskis nicht neu, an der Umsetzung haperte es aber bislang auch, weil die benötigte Technik lange gefehlt hat. Für eine funktionierende automatische Aufstiegshilfe, brauche es starke, leichte Motoren und Akkus, die auch bei Minusgraden ihre Leistung bringen, erklärt Ernst. Mittlerweile gibt es beides.

Qwicktime-Bindung gibt es 2024 schon zu kaufen

Dementsprechend werden in diesem Winter die ersten Tourengeher mit der per Fernbedienung verstellbaren Bindung unterwegs sein: Anfang Januar verschickt Qwicklane die ersten Produkte an Testkunden. Im März soll dann der reguläre Vorverkauf starten. Das Ziel: Bis Ende des Jahres will das Start-up 1000 Bindungen ausliefern. Die werden noch in der Werkstatt in Deining produziert. „Unser Traum ist aber eine eigene Montagehalle im Oberland“, sagt Lukas Ernst.

Sie sind die Gründer des Start-ups Qwicklane: Lukas Ernst, Dominik Riediger und Johannes Sellmaier (v.l.). Foto: Florian Hammerich/OTH
Ein kleiner Akku (unten) sorgt für genug Power um mit Hilfe der Fernbedienung (Mitte) die Steighilfe der Bindung automatisch zu verstellen. Foto: Qwicklane