Regensburger Start-up will das Fahrradschloss der Zukunft entwickeln

Von Lorenz Nix · 18. August 2023 um 10:00

Das Start-up 2Lock aus Regensburg entwickelt ein neues Schloss für E-Bikes. Geklaut werden kann das Rad damit zwar trotzdem – aber der Anreiz für den Diebstahl soll wegfallen.

Früher Morgen in der Regensburger Altstadt: In einer Gasse lehnt ein E-Bike an einem Verkehrsschild – festgekettet mit einem teuren Fahrradschloss. Ein Mann nähert sich. Er setzt einen Bolzenschneider an und knackt das Schloss fast geräuschlos. Dann radelt er mit dem E-Bike davon.

So oder so ähnlich spielt sich der Diebstahl eines topmodernen Rads im Herzen Regensburgs ab. 868 Fahrräder wurden laut Polizei im vergangenen Jahr im Stadtgebiet geklaut. Das Problem liegt auf der Hand: Gegen einen einfachen hydraulischen Bolzenschneider ist auch ein teures Fahrradschloss nahezu machtlos. Drei Regensburgern zufolge muss für den Schutz von Fahrrädern deshalb eine andere Lösung her. Martin Scherl und die Geschwister Simon und Benedikt Bäuml haben vor mehr als zwei Jahren gemeinsam das Start-up 2Lock gegründet. Damit soll der Diebstahl von E-Bikes bald der Vergangenheit angehören.

2Lock soll doppelten Schutz bieten: Wegfahrsperre und Ausbausperre

Dazu entwickeln die Regensburger ein Schloss, das im Innenleben der vorderen Radnabe verbaut wird. „Damit wird es ein fester Teil des E-Bikes“, erklärt Benedikt Bäuml – ohne Angriffsfläche für den Bolzenschneider. Der Name 2Lock steht dabei für die zwei Sperrmechanismen, die den Diebstahl verhindern sollen: Wegfahrsperre und Ausbausperre. Erstere dient dazu, dass sich der Langfinger nicht einfach auf das Rad setzen und davonsausen kann. Letztere bedeutet: Weil das Schloss, das direkt mit der Radelektronik verbunden ist und über das Borddisplay bedient wird, in der Nabe sitzt, kann es nur sehr zeitaufwendig aufgebrochen werden. „Und dann sind Nabe und Gabel zerstört“, sagt Benedikt Bäuml.

Ein schneller Weiterverkauf des Fahrrads sei so unmöglich, sind die drei Gründer überzeugt. Damit verfolgt das System von 2Lock einen anderen Ansatz als herkömmliche Fahrradschlösser. „Der Diebstahl wird nicht erschwert“, sagt Benedikt Bäuml – man könne das Bike schließlich einfach wegtragen und in einen Transporter laden. Aber: Der Hauptgrund für das Vergehen – das Rad dann zu Geld zu machen – fällt weg.

Benedikt Bäuml, Simon Bäuml und Martin Scherl nutzen Marktlücke

Die Idee für 2Lock kam den drei Gründern allerdings nicht, weil ihnen selbst immer wieder Drahtesel gestohlen wurden. Simon Bäuml nervte, dass er bei jedem kurzen Stopp, beispielsweise beim Bäcker, sein E-Bike umständlich absperren musste. „Warum werden moderne E-Bikes wie vor 100 Jahren abgesperrt, während beim Auto Keyless Go längst Standard ist?“, fragt sein Bruder Benedikt Bäuml. Fakt ist: GPS-Tracking, ein Alarm bei unbefugter Benutzung oder eine Codierung, die den rechtmäßigen Besitzer des Rads verrät, sind bereits heute in den meisten Fällen Teil des E-Bike-Diebstahlschutzes. Im Mittelpunkt stehen außerdem immer noch physische Schlösser – zum einen schreiben die Versicherer sie vor, zum anderen geben sie auch den Radbesitzern ein gutes Gefühl. Man könnte meinen, dass die E-Bike-Industrie deshalb an Lösungen arbeitet, um die Schlösser in das Rad zu integrieren. „Das dachten wir auch“, sagt Benedikt Bäuml. Aber: „Stimmt nicht“ – eine Marktlücke, in der das Dreiergespann nun Fuß fassen will.

Drei Patente hat das Team bereits angemeldet. Der Genehmigungsprozess läuft. „Laut unserem Anwalt sieht es gut aus“, sagt Martin Scherl. Aktuell ist 2Lock noch auf Investorensuche, Ende 2023 soll die Finanzierung abgeschlossen werden. Danach startet die Industrialisierung, 2025 will das Team sein Produkt dann auf den Markt bringen. An zukünftigen Kunden mangelt es den Gründern zufolge nicht. Sie stünden bereits in Kontakt mit vielen E-Bike-Herstellern, sagt Benedikt Bäuml. Das größte Kaufhemmnis bei E-Bikes sei das Diebstahlproblem. „Da ist es umso wichtiger, dass das nachhaltig gelöst wird.“

„Großer Teil der Mobilitätswende“: E-Bikes gehört die Zukunft

Die 868 gestohlenen Räder in Regensburg in 2022 hatten laut Gerhard Roider, Leiter der Polizeiinspektion Regensburg Süd, einen Gesamtwert von 750000 Euro. „Der Beutewert ist trotz sinkender Diebstahlszahlen seit 2015 um 35 Prozent gestiegen“, sagte er bei der Vorstellung einer Präventionskampagne im Juli. Der Grund: Die geklauten Fahrräder werden immer teurer.

Kein Wunder, moderne E-Bikes stehen bei Langfingern ganz oben auf der Wunschliste. In Zukunft werde es aber immer mehr solcher Hightech-Räder geben, glauben die 2Lock-Gründer. E-Bikes seien ein zentraler Aspekt der „Mobilitätswende“, ist Benedikt Bäuml überzeugt. Seine Mitstreiter und er wollen deshalb dazu beitragen, dass mehr E-Bikes nicht auch mehr Diebstähle bedeuten.

2Lock wird in der Nabe des E-Bikes fest verbaut. Wenn Diebe das Schloss entfernen, beschädigen sie das Fahrrad. Foto: 2Lock