Influencerin träumt von Haus auf Minigolf-Anlage bei Schwandorf – Genehmigungen rechtswidrig

Eine Influencerin aus der Oberpfalz und ihre Familie haben die Minigolf-Anlage in Irlaching Siedlung gekauft und wollen dort zwei Häuser bauen. Aus dem Schwandorfer Rathaus gab es dafür die Genehmigungen – rechtswidrig, wie die Verwaltung nun einräumen musste.
Die Minigolf-Anlage im Schwandorfer Ortsteil war mehr als 30Jahre lang eine beliebte Freizeiteinrichtung im Landkreis. Doch seit mehreren Monaten müssen Familien auf die Anlage verzichten. Die bisherige Betreiberin hat das rund 5000Quadratmeter große Areal im Herbst 2023 verkauft.
Mit den Baugenehmigungen aus dem Rathaus, unterschrieben von Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) im Mai und Juni diesen Jahres, wurde eine allgemeine Grünfläche im Außenbereich zu wertvollerem Bauland. Hier sollen nun ein Einfamilien- und ein Zweifamilienhaus, jeweils mit Doppelgarage, entstehen, wie dem Stadtrat zur Kenntnis vorgelegt wurde. Derzeit finden auf dem Areal bereits Baumaßnahmen statt, die Minigolf-Bahnen sind verschwunden.
Frühere Besitzerin hat „zweites Zuhause“ aufgegeben
Die bisherige Eigentümerin wollte anders als in der Vergangenheit zu den Entwicklungen bei der Minigolf-Anlage nicht persönlich mit unserer Zeitung sprechen. Eines ihrer Kinder nahm jedoch auf Nachfrage Kontakt mit der MZ-Redaktion auf. Per E-Mail übersandte es ein Interview, das es selbst mit der Mutter führte. Darin heißt es: „Im Frühjahr, als es fix war, dass ich nicht mehr öffnen werde, war es für mich einfach zu emotional, dies zu verkünden.“ Die Betreiberin habe mit dem Verkauf ihr „zweites Zuhause“ aufgegeben, wird sie zitiert.
Der jüngste Umgang der Stadt Schwandorf mit Bauvorhaben lässt eine klare Linie vermissen, meint Philipp Breu, der stellvertretende Redaktionsleiter, in seinem Kommentar: Ein Paradies für Bauherren
In dem Interview spricht die Frau über die Gründe für die Schließung der Anlage („Es wurde einfach zu anstrengend, den Betrieb allein weiterzuführen“) und Highlights in den vergangenen Jahrzehnten. Über die künftige Nutzung des Areals verliert die Betreiberin dagegen kein Wort. Vielmehr will eines ihrer Kinder „eindrücklich darauf hinweisen“, dass weder von ihrer Familie noch den neuen Eigentümern die Freigabe bestehe, „über eine bevorstehende Bebauung des Grundstücks zu berichten“. Gründe dafür werden in der E-Mail nicht genannt.
Junge Influencerin stellt YouTube-Video offline
Viel offener zeigte sich da zeitweise die Influencerin, deren Familie die Minigolfanlage erworben hat. „Ein neues Kapitel beginnt“, titelte die junge Frau aus der Oberpfalz kürzlich stolz im Netz, in dem sie sich als Person des öffentlichen Lebens ausgibt. Es folgte ein knapp zehnminütiges Video auf der Plattform YouTube, samt Drohnenaufnahmen und ersten Details zum Bauvorhaben.
Damit ihre Zuschauer am Laufenden bleiben, kündigte sie in dem Clip an, das gesamte Projekt filmisch begleiten zu wollen – als Inspiration für andere. Mehr als 2000 Aufrufe zählte ihr erster Beitrag zum Hausbau binnen weniger Wochen. Inzwischen ist er aber nicht mehr zu sehen. Kurz nach Beginn der Recherche unserer Zeitung stellte die Influencerin das Video offline.
Doch der Clip hatte in Schwandorf längst die Runde gemacht. Auch Mitglieder des Bauausschusses haben das Video gesehen und fragen sich, warum die neuen Eigentümer problemlos im Außenbereich bauen dürfen. Denn das sei eigentlich Privilegierten wie Landwirten vorbehalten, meint ein Stadtrat. Und diskutiert sei das Vorhaben im Bauausschuss auch nicht worden.
Auf Nachfrage unserer Zeitung räumte eine Sprecherin des Rathauses ein, dass die nun erfolgten Einzelgenehmigungen nach dem Baugesetzbuch „rechtswidrig“ seien. Das sei aber auch bereits bei in der Vergangenheit erfolgten Bauvorhaben in Irlaching Siedlung der Fall gewesen.
Nachfrage nach Wohnbauflächen ist in Schwandorf groß
„Die erste Bebauung in diesem Bereich erfolgte bereits in den 1950er Jahren und seither wurden dort weitere Bauvorhaben – auch unter anderen Oberbürgermeistern – genehmigt, sonst gäbe es die Siedlung so nicht“, teilte die Sprecherin mit. Die Gründe für die jüngst erteilten Baugenehmigungen in Irlaching Siedlung lägen auf der Hand, so jedenfalls sieht es die Stadt. Auch nach der Ausweisung neuer Baugebiete sei die Nachfrage nach Wohnbauflächen „sehr groß“. Außerdem habe man eine „geordnete Nachnutzung“ der vorhandenen Flächen erreichen wollen.
Gerüchte, dass die jüngsten Baugenehmigungen unkompliziert erteilt wurden, weil eine nahestehende Person der bisherigen Eigentümerin regelmäßig in der Stadtverwaltung eng mit dem Oberbürgermeister arbeitet, dementierte die Rathaussprecherin: „Dies spielte natürlich keine Rolle.“ Die rechtswidrig erteilten Baugenehmigungen könnten „nach den Vorschriften des Bayerischen Verwaltungsverfahrensgesetzes zurückgenommen werden“, erklärte die Sprecherin die grundsätzlichen rechtlichen Möglichkeiten . Dann wäre jedoch wahrscheinlich mit Schadensersatzforderungen zu rechnen.
OB Feller machte auf Anfrage keinen Hehl daraus, dass er die Baugenehmigungen unterschrieben habe. „Ich habe ein Grundstück einer neuen Nutzung zugeführt, bevor dieses möglicherweise verwahrlost“, erklärte der Rathauschef. Jeder seiner Amtsvorgänger habe in Irlaching Siedlung bereits ähnliche Genehmigungen erteilt. „Ich habe mir da schon meine Gedanken gemacht“, so Feller weiter. Für ihn steht aber fest, dass „ein Oberbürgermeister auch ein Möglichmacher ist“.

