Ende einer Ära am Taschinger Berg: Anna Pohl übergibt Gartenmarkt und Baumschule in neue Hände

Noch ist Anna Pohl voll in ihrem Element. In der Anlage des von ihr gepachteten Gartenfachmarktes am Taschinger Berg in Cham herrscht an diesem Freitag geschäftiges Treiben. Bei angenehm warmen Augustwetter werden Blumen bewässert, Pflanzenkübel platziert und natürlich Kunden bedient. Und doch hängt erste Wehmut in der Luft, denn bei der Gärtnerin stehen die beruflichen Zeichen auf Abschied.
Im April nächsten Jahres möchte sich die 61-Jährige aus dem Geschäft rund um alles, was grünt, zurückziehen. Das Ruder soll dann ihr Großcousin Johannes Pohl mit seiner Lebensgefährtin Katharina Gleixner übernehmen. Einen Radikalschnitt möchte Anna Pohl aber vermeiden. Deswegen wird sie sich auch nicht vollkommen aus dem Gartenmarkt mit Baumschule verabschieden, sondern wahrscheinlich weiterhin als angestellte Teilzeitkraft im Team mitwirken. „So ganz ohne Arbeit von jetzt auf gleich – das geht nicht“, sagt sie.
Seit 46 Jahren Gärtnerin
Immerhin gehört der Beruf schon seit 46 Jahren zu ihrem Leben. Groß geworden in einer Gärtnerfamilie – bereits ihr Vater hatte eine Baumschule – wurde ihr der grüne Daumen quasi in die Wiege gelegt. Und auch Anna Pohls Brüder sind in diesem Bereich tätig.
Einer von ihnen war es auch, der sie vor zehn Jahren auf die Idee gebracht hat, selbst ein Geschäft zu führen. Zuvor war Anna Pohl bei ihm beschäftigt. 2014 wagte sie dann den Schritt in die Selbstständigkeit, pachtete den Betrieb und führte ihn bis ins Jahr 2024.
Mit der anstehenden Übergabe an ihren Großcousin Johannes bleibt das Firmenschiff auch künftig in Familienhand. So viel steht fest. Unklar ist hingegen, was sich für Kunden und Mitarbeiter alles verändern wird. Die Grüngutannahme wird wahrscheinlich von Anton Reznik, der bereits Hallen auf dem Gelände gemietet hat, weiterbetrieben. Außerdem wird er einige Pflegekunden weiterbetreuen. „Da ist vieles noch offen“, gibt sich Pohl bedeckt, die währenddessen alles für die Übergabe vorbereitet. Mitte September startet sie etwa mit dem Teilabverkauf der Pflanzen. Daher sollten Kunden ihre Gutscheine in den nächsten Monaten einlösen, „damit wir einen sauberen Cut bis April hinbekommen“, wie sie sagt.
Spätestens dann möchte die 61-Jährige in einen neuen Lebensabschnitt starten. Obwohl die Arbeit mit Pflanzen ihr Leben ist, ist die Entscheidung, in Zukunft deutlich kürzerzutreten, für sie die richtige. „Ich bin jetzt 61 Jahre alt und möchte noch ein bisschen was vom Leben haben“, sagt sie. Da sind zum einen ihre Eltern im Alter von 88 und 100 Jahren, um die sie sich kümmern möchte und auch Freunde, denen sie mehr Zeit widmen will. Außerdem möchte Anna Pohl auch noch ein bisschen herumkommen, etwa bei Reisen in die Nordländer.
Zunehmende Bürokratie kostet Zeit
Hinzu kommen laut Pohl negative Entwicklungen, unter denen vor allem Selbstständige zu leiden haben. Einer davon ist der Fachkräftemangel, der auch vor grünen Berufen keinen haltmacht. Aktuell beschäftigt Anna Pohl neun Mitarbeiter.
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„Ein Hauptgrund zum Aufhören“, wie sie erklärt, sei jedoch die zunehmende Bürokratie. „Ich sitze inzwischen 70 Prozent der Zeit im Büro und bin mit Dokumentationen beschäftigt.“ Daneben lauerten ständig Neuerungen, mit denen sich die Landschaftsgärtnerin erst einmal vertraut machen muss. Aktuell arbeite sie dadurch täglich insgesamt zwölf Stunden.
Das, was Pohl immer an ihrem Beruf Freude bereitet habe, nämlich die Arbeit in der Natur und der Kontakt mit den Kunden, rückten damit zusehends in den Hintergrund. Vor allem Letzteres zeichne einen selbstständigen Gartenfachmarkt wie den ihren aus – die persönliche Beratung, mit der sie sich von großen Baumarktketten abgrenzen möchte.
Beratung ist Hauptmerkmal
„Hier in der Baumschule finden die Leute eine fachgerechte Beratung“, sagt sie. So bekämen die Kunden bei ihr kleine Planskizzen für ihren Garten, nachdem Anna Pohl und ihre Mitarbeiter sich ein genaues Bild von diesem gemacht haben. Aber auch wenn jemand eine ausgefallene Pflanze möchte, versuchen die Mitarbeiter diese zu besorgen. „Ein Fachbetrieb muss in der Lage sein, auf den Kunden einzugehen“, ist sie überzeugt. Gerade hier in der Region legen die Menschen großen Wert auf ihren Garten – vor allem seit Corona, so die Beobachtungen Pohls in den vergangenen Jahren.
Ihr großer Kundenstamm dürfte Anna Pohl Recht geben. Bis aus Viechtach, Straubing oder Regensburg kommen die Kunden zu ihr nach Cham. Und auch wenn durch die Übergabe Änderungen ins Haus stehen, sollen sie alle auch weiterhin im Geschäft am Taschinger Berg alles für ihre grüne Oase erhalten.
