Nach dem Krieg baute er Gartenbaubetrieb auf: Manfred Pohl aus Cham blickt auf 100 bewegte Jahre zurück

Das Alter und die viele Arbeit haben ihre Spuren hinterlassen. So wird Manfred Pohl seit einigen Jahren im Pflegeheim versorgt. Und doch konnte er am Samstag seinen 100. Geburtstag mit Familie, einigen Freunden und Bürgermeister Martin Stoiber auf der idyllisch gelegenen Terrasse des Seniorenheims St. Michael feiern. Es waren 100 bewegte Jahre mit schmerzhaften Erfahrungen, aber auch mit Erfolgen und schönen Erlebnissen.
Vier Kinder, sechs Enkel und zwei Urenkel hat Pohl, und fast alle waren zur Feier seines Geburtstags ins Heim gekommen. Auch Pfarrer i. R. Josef Amberger kam zum Gratulieren und auf eine Tasse Kaffee und einen kleinen Ratsch. Der Jubilar folgte dem Geschehen weitgehend ruhig in seinem Rollstuhl, genoss aber sein Stück Geburtstagstorte, die ihm seine Enkelin gebacken hatte. Derweil erzählte seine Frau Thekla von besonderen Episoden aus seinem und ihrem gemeinsamen Leben.
Fluchtversuch gescheitert
Manfred Pohl wuchs in Schlesien auf, dann kam der 2.Weltkrieg. Er wurde mit 17 in den letzten Kriegsjahren noch zur Wehrmacht eingezogen, geriet in amerikanische Gefangenschaft und wurde in einem Lager in Frankreich interniert. Dort mussten die Gefangenen etwa bei minus 17 Grad im Freien übernachten. Einige versuchten zu fliehen, etlichen gelang dies. So suchte auch Pohl eine Gelegenheit, aus dem Lager zu entkommen. Dort wurden Särge für das Deutsche Reich gezimmert, und Pohl legte sich in einen davon, um so in die Heimat zu kommen. Doch beim Verladen bemerkte einer der Aufseher, dass die Truhe nicht leer war, und vorbei war’s mit der Heimkehr.
Der Fluchtversuch führte zu verschärfter Bewachung und Pohls Gefangenschaft endete erst 1954. Inzwischen hatte er erfahren, dass seine Familie aus Schlesien geflohen war – mit Schaufeln war sie von ihrem Grundstück vertrieben worden – und jetzt in Weiding lebt. Dort kamen die Mitglieder glücklich wieder zusammen. Der Vater hatte sich in Zifling ein Grundstück gekauft, auf dem er eine Baumschule aufbaute.
Beide Pohl-Brüder hätten den Betrieb übernommen, letztlich bekam ihn Manfreds Bruder, während dieser auf dem Galgenberg in Cham eine Landwirtschaft aufkaufte und dort eine eigene Baumschule gründete. Mit einer Sondergenehmigung durfte er dort oben sein neues Haus errichten. Nachteil: Der Hohlweg hinauf auf den Berg musste von den Pohls besonders im Frühjahr wieder hergerichtet werden.
Durch Kauf und Tausch von den umliegenden Grundstücken erweiterte Pohl nach und nach den Betrieb, so dass er mit seiner jungen Familie gut davon leben konnte. Vor allem Forstpflanzen waren die Verkaufsschlager, bis sich die Waldbauernvereinigungen bildeten und die jungen Bäumchen zentral bestellten.
Die wirklich „fetten Jahre“, wie seine Frau es nannte, kamen aber erst, als die Pohls einen Zweigbetrieb in Neumarkt in der Oberpfalz etablierten. Da kamen ihnen die Nähe zu Nürnberg und der Bauboom in der Region zugute. Auch die Gestaltung von öffentlichem Grün, etwa bei Schulen, Ämtern oder in Parks, brachten reichlich Aufträge – und Arbeit.
Thekla Pohl, die Sekretärin gelernt hatte – Büromanagement heißt das heute – und beim Modehaus Wöhrl in Neumarkt arbeitete, wollte sich nach ihrer Heirat 1960 nicht nur in der Verwaltung in den Betrieb einbringen, sondern auch im Gartenbau. Sie belegte daher Fernkurse an einer Technikerschule für Landschaftsbau, um bei der Gartengestaltung aktiv mithelfen zu können. Die Weiterbildung über Fernkurse gab es damals in Deutschland nicht, so dass sie diese bei einer niederländischen Schule absolvierte –mit Erfolg, so dass sie vor allem im Nürnberger Bereich ihre Handschrift in zahllosen Gärten hinterließ.
Ihr Mann kümmerte sich in dieser Zeit mehr um die Arbeitsbereiche, die nur mit Maschinen durchzuführen sind. So spotteten die Freunde schon, dass er seine Frau arbeiten lasse, während er nur mit den Großgeräten herumfahre. Dafür bekam sie für ihre Arbeit viel Lob, wenn aus einer verwilderten Wiese wieder ein Schmuckstück geworden war.
„Gute Geschäfte“ habe es in dieser Zeit gegeben, „aber auch sehr viel Arbeit“, zumal die Pohls jedes Mal von Cham nach Neumarkt bzw. Nürnberg gefahren sind, wenn sie dort Aufträge zu erledigen hatten. Und so nebenher lief auch das Geschäft auf dem Galgenberg weiter, wo die Familie wohnt, und es kamen die vier Kinder und wurden großgezogen.
Zur Wende in Deutschland gab es auch die Wende bei Gartenbau Pohl am Galgenberg. Der älteste Sohn Manfred übernahm den Betrieb, und der Senior zog sich aus dem operativen Geschäft zurück. Inzwischen ist der Hauptbetrieb kundennäher am Taschinger Bergfeld zu finden.
Es ist also alles in gute Hände übergeben, und Vater Manfred muss sich keine Sorgen mehr machen. Nur so wird man 100 Jahre alt. Und seine Frau, selber auch schon gesegnete 88 Jahre alt, die man ihr aber wirklich nicht ansieht, und auch die Kinder kümmern sich im Seniorenheim um ihn.
Prominente Gratulanten
Das Alter ist an Manfred Pohl nicht spurlos vorübergegangen, und besonders die Covid-Zeit hat ihn zusätzlich geschwächt, so dass er kaum noch spricht. Doch saß er bei der Geburtstagsfeier in seinem dunklen Anzug stattlich am Festtisch, als Bürgermeister Martin Stoiber vorbeischaute und ihm im Namen der Stadt die besten Wünsche ausdrückte und ein Körbchen mit Gutem aus der Region überreichte. Unter der vielen Gratulationspost waren auch Schreiben des Bundes- und des bayerischen Ministerpräsidenten sowie von Landrat Franz Löffler.
So wurde Manfred Pohl an diesem Nachmittag für sein Lebenswerk gewürdigt, und Familie und die Gäste erhoben ihr Glas Sekt auf den Jubilar, auf dass es ihm weiter gut gehe.