Maria Wirrer hat ihre unvergesslich schöne Zeit als Further Ritterin im Jahr 1964 niedergeschrieben

Von Mittelbayerische Zeitung · 11. August 2024 um 05:00

Das älteste Volksschauspiel Deutschlands lebt davon, dass sich jedes Jahr zwei junge Menschen finden, die das Ritterpaar darstellen möchten. Die Ritterpaar-Galerie ist das beste Zeichen dafür, dass dies immer gelingt. Vor genau 60 Jahren standen Maria Gubisch und Josef Hastreiter im Mittelpunkt des historischen Festspiels.

Maria Gubisch, besser bekannt als verheiratete Maria Wirrer, erinnert sich gerne an eine dieser wohl schönsten Zeiten in ihrem Leben und sie hat ihre Erinnerungen niedergeschrieben.

Erst der Igel dann die Ritterin

Ihre Gedanken zeigen, dass der Drachenstich von der Leidenschaft der Further Bürger für sein Schauspiel lebt. Maria Wirrer hat ihre Erinnerungen unter das Motto „Es war einmal…“ gestellt. Sie schreibt: „Man schrieb das Jahr 1962, da wurde in unserer guten, alten TV-Halle das Singspiel „Der Igel als Bräutigam“ von Cäsar Bresgen aufgeführt. Dies unter der Leitung des damaligen Musiklehrers der Mittelschule, Erwin Hausler, der sich wie die älteren Further noch wissen dürften, sehr für die Musikerziehung der Kinder und das musikalische Leben in unserem Grenzstädtchen eingesetzt hat. Unter seiner Leitung durfte ich die Hauptrolle, den „Igel“ spielen.

Nach der gelungenen Premiere wurde im „Gasthof zum Himmelreich“ gefeiert. Auch der damalige Bürgermeister Alfred Peter und sein Stellvertreter Gottlieb Dimpfl waren dabei. Da rief mich der Bürgermeister zu sich und sagte: „Paß af Gottlieb, wos i dir eitz sog – wenn i nimmer leben dat… dös Deandl do wird amol unsa Ritterin!“ Er erlebte es tatsächlich nicht mehr.

„Ich war ganz aus dem Häuschen!“

Aber der neue Bürgermeister Gottlieb Dimpfl hielt sein Versprechen. Er kam mit dem VHS-Direktor Erich Dimpfl in die Adam-Wild-Straße und bat meine Eltern um ihr Einverständnis. Mein Vater sagte nur: „Noja, wenn’s net z’viel kost‘!“ Und so war es beschlossen, dass ich im Jahre 1964 zusammen mit dem feschen Bauernburschen, dem Hastreiter Sepp vom Schafberg, das Burgfräulein verkörpern durfte.

Ich war ganz aus dem Häuschen! Da ich keine wohlhabende Bürgerstochter war, aber oft auf der Waldbühne und im Kolpinghaus Theater spielte, freute ich mich riesig auf meine Rolle als Further Ritterin 1964. So machte ich mich eifrig daran, meine schönen Ritterinnen-Kleider für mich zu ändern, den Kopfschmuck neu zu gestalten und mit den Further Stadtarbeitern das hübsche „Wilden-Haus“ und den Festwagen zu schmücken. In der Zwischenzeit gingen dann auch die Proben los.

Ich taumelte durch die Tage und fand alles herrlich! Unser Regisseur Henry Rogg verstand es prächtig, das Beste aus uns Spielern herauszuholen. Ich verinnerlichte und liebte meine Rolle und mein Ritter ging mit seinem wunderschönen Pferd „Burschi“ furchtlos gegen das feuerspeiende und brüllende Untier, den alten Further Drachen (damals noch männlich) an. Ich verwandelte mich leidenschaftlich in die Herrin vom Further Schloss.

Die „Haar-Tragödie“

Dabei kam es zu einigen Kuriositäten, wie zum Beispiel der „Haar-Tragödie“. Meine Freundin, eine gelernte Friseuse, übernahm die Aufgabe mir acht Zöpfe und Perlen vom „Bühler-Boda“ kunstvoll in meine nur schulterlangen Haare zu flechten. Sie machte das wunderbar und ich wäre am liebsten die ganze Zeit so rumgelaufen. Am Drachenstich-Sonntag sollte sie bereits kurz nach 12 Uhr bei mir sein, weil ja dann der Umzug und das Spiel angesetzt waren. Aber es kam anders.

Wir hatten damals weder Telefon noch Auto und es eilte. Also musste ich selbst ran. Mit zittrigen Händen verbrauchte ich gefühlt 100 Haarnadeln und zwei Meter Perlenschnüre! So nach und nach verwandelte ich mich in das Burgfräulein. Das nächste Problem: Wie sollte ich zum Stadtplatz zum Umziehen und Schminken kommen? Also ging es mit wehenden Zöpfen zu Fuß durch die Stadt. Vielleicht kann sich noch jemand an dieses sonderbare Rennen erinnern?

Aber alles ging gut und der Umzug auf meinem prächtig geschmückten Wagen und den drei süßen kleinen Blumen-Mädchen begann. Meine lieben Further jubelten uns zu. Ich war ja eine von ihnen, ein ganz einfaches Further Mädel, dem diese Ehre widerfuhr. Am Schluss des Umzuges bekam ich fast einen Krampf vom vielen „gunstvollen“ Lächeln, wovon mir ein Muskelkater beschert wurde. Alle Aufführungen gelangen wunderbar, „nur“, dass ich in der leidenschaftlichen Szene mit dem „Schwarzen Ritter“, dem legendären Maler und Ausnahmedarsteller Hans Dimpfl beinahe meine selbst angebrachten Zöpfe verloren hätte.

Wunderbare Drachenkämpfe

Mein Ritter, der Sepp, legte mit „Burschi“ wunderbare Kämpfe mit dem Drachen hin. Bei der letzten Aufführung stand ich weinend zwischen dem Bürgermeister und dem Ritter Udo.“

Damit enden auch die Aufzeichnungen von Maria Wirrer. Es war eine Ehre für sie und alle Ritterpaare davor und danach die Hauptrollen in Deutschlands ältestem Volksschauspiel verkörpern zu dürfen. Eines ist schon jetzt gegeben: An Ritterinnen- und Ritter-Nachwuchs wird es in Furth im Wald garantiert nie mangeln.

Das fesche Ritterpaar vor 60 Jahren. Foto: Böhm