Viele Ungeheuer bei Ausstellungsstart im Alten Rathaus in Furth im Wald

Da hat auch Kinderdrache Eddi gestaunt: Herzallerliebst sehen sie aus, seine Brüder , die in heimischen Werkstätten selbst gebastelt wurden und vor dem Alten Rathaus zu den großen Hinguckern der Ausstellung „100 Jahre Kinderdrachenstich“ gehören.
Das Interesse an der Ausstellungseröffnung am Montag Abend war groß, dementsprechend groß war auch der Andrang. Der berühmteste Drache Marke Eigenbau stand aber nicht vor dem Ausstellungsraum, sondern mittendrin.
Ungeheuer am Stadtplatz
Laut Fred Wutz, der für die alten Bilder aus den ersten Jahren des Kinderdrachenstichs das Stadtarchiv durchforstet hat, wurde der vom legendären Sepp Muck gebaut, der unter anderem Fahrer des früheren Drachens war. Bemalt wurde der Drache demnach von Herrmann Scheuer. Wutz sorgte auch für den anrührendsten Moment des Abends. Er schenkte Ruth Fischer ein Bild aus dem Jahr 1924. Darauf zu sehen ihre Mutter Martha Kolbeck (später Köpl), die zusammen mit Robert Meier damit die erste dokumentierte Kinderritterin war.
Den Anfang des offiziellen Teils gestalteten die diesjährigen Spieler beim Kinderdrachenstich mit einer launigen Geschichte, in der es darum ging, dass Kinderritter Josef Mühlbauer ja nun mehr als nur einen Drachen zu töten habe. Beherzt sprang ihm der große Ritter Ludwig Fleischmann, der mit seiner Ritterin Eva Baier ebenfalls zur Ausstellungseröffnung gekommen war, zur Seite und bot seine Hilfe an. Da wurde Mühlbauer zur Belustigung der Besucher keck: „Das kannst du leider nicht, als Kinderritter braucht man einen besonderen Spirit.“ Was Josef wohl entgangen ist, Fleischmann war früher ebenfalls Kinderritter. So wie viele andere Gäste auch, die gekommen waren. Es wurden Erinnerungen ausgetauscht und viel über die eigene Zeit als Kinderritter erzählt.
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Barbara Wilnhammer, vorsitzende des Vereins Historisches Kinderfest, in dem auch der Kinderdrachenstich eingebunden ist, konnte mit Elfriede Kerner die älteste anwesende ehemalige Kinderritterin begrüßen. „Sie war die erste Nachkriegsritterin in den Jahren 1948/1949.“ Die Vorsitzende weiter: „Ich freue mich aber auch, dass ihr mit so vielen Ungeheuern gekommen seid.“ Mitgebracht wurden die kleinen und großen Lindwürmer von der Familie Bruckner. Die drei Kinder haben Bruno mit etwas Hilfe selbst gebaut. Familie Wild hat Berta mitgebracht, ein weiterer Drache stammt von Daniel Reitmeier und die Familie Mühlbauer hat ihren Drachen von der Familie Buschek übernommen.
„Kinder spielen für Kinder Theater, ohne Beteiligung von Erwachsenen, das ist schon etwas Besonderes“, so Wilnhammer, die allen Helfern – auch ihren Vorgängern – für die geleistete Arbeit dankte. Sie alle hätten dazu beigetragen, dass der Drachenstich mindestens 100 Jahre alt ist und auch der Verein bereits seinen 40. Geburtstag feiern kann.
Bürgermeister Sandro Bauer blickte auf die geschichtliche Entwicklung zurück. Besonders wertvoll seien dabei die Hinterhofdrachenstecher mit ihren Burgfräuleins und Gefolgschaften. „Sie zeigen die Verwurzelung des Drachenstichs in der Gesellschaft. Es gibt wohl nicht viele Traditionen, die so fest verankert sind im Innersten einer Stadt, wie der Further Drachenstich.“ Bis in die 1940er Jahre wurde nur eine kurze Szene gezeigt, später war der Kinderdrachenstich ein Märchenspiel, wurde schließlich ganz abgesetzt und mit der Gründung des Vereins vor 40 Jahren in historischem Gewand neu belebt.
Mehr als 200 Fotos
Die Identifikation schon in jungen Jahren schaffe Bindung bis ins Erwachsenenalter: „Sie machen sich die Sage vom Kampf Gut gegen Böse zu eigen und bewahren sich die Flamme der Begeisterung bis ins Alter“, so Bauer.
Die Foto-Ausstellung, die während der Drachenstichzeit zu sehen ist, zeigt neben Bildern aus dem Stadtarchiv (1924 bis 1937) auch rund 160 Fotos ab 1948, zusammengetragen von Kurt Koch, der 100 Jahre Kinderdrachenstich zusammen mit Steffi Macharowsky und Wilnhammer kuratiert hat. Neben der Bilderschau gibt es Filmvorführungen und weitere Aktionen.


