Nach Beinaheunfall in Windischbergerdorf: Heinz Schmalzbauer beklagt rasende Radfahrer

Von David Salimi · 20. August 2024 um 11:00

„Dass ich mich dazu überhaupt noch äußern kann, verdanke ich dem Eingreifen meines Schutzengels“, sagt Heinz Schmalzbauer aus Windischbergerdorf und ist dabei immer noch sichtlich ergriffen. Beinahe wäre er vergangene Woche vor seinem Grundstück mit einem Radfahrer kollidiert, als er am Abend die geleerte Mülltonne zurück zum Haus bringen wollte und dabei den vorbeiführenden Geh- und Radweg querte.

Laut Schmalzbauer besteht dieses Problem bereits seit Jahren. „Mit dem Aufkommen der E-Bikes ist es gefühlt noch schlimmer geworden“, bestätigt auch seine Frau Gaby. Auch sie habe in der Vergangenheit mehrere brenzlige Situationen dieser Art erlebt. „Als wir noch Hunde hatten, war die Situation noch gefährlicher“, erzählt sie.

Situation besteht seit Jahren

Über die Jahre hat sich das Ehepaar mit der Situation mehr oder weniger abgefunden. „Was soll man da schon machen?“, gibt sich zumindest Gaby Schmalzbauer resigniert.

Ihr Mann möchte nach dem jüngsten Vorfall jedoch noch einmal auf die gefährliche Lage aufmerksam machen. Immerhin hätte ein Zusammenstoß für ihn und den Radfahrer „schlimme bis schlimmste Folgen“ haben können, „wenn mich mein Schutzengel nicht geistesgegenwärtig in meiner Vorwärtsbewegung gehemmt hätte, als ich die geleerte Mülltonne hinter mir herziehend an jenem Abend den Geh- und Radweg queren wollte“, beschreibt der Rentner den glimpflichen Ausgang dieses Vorfalls. Der Radfahrer war Schmalzbauers Einschätzung nach mit einer Geschwindigkeit zwischen 30 und 40 Stundenkilometern unterwegs.

Die Gefahrenlage immer im Hinterkopf schaue er normalerweise in beide Richtungen, wenn er die Mülltonne vom Rand der Kreisstraße am Beginn der Windischbergerdorfer Buchbergsiedlung zu seinem Haus zurückrollt – nicht so an diesem Abend: „Ich habe den herannahenden Radfahrer weder optisch noch akustisch wahrgenommen.“ Nur um wenige Zentimeter haben sich beide „verpasst“, wie Schmalzbauer sagt.

An das Ausmaß eines Zusammenstoßes möchte der Rentner gar nicht denken: „Ich wäre sicher mit einer ungeheuren Vehemenz umgefahren worden, mit schwer zu beurteilenden gesundheitlichen Schäden“. Deutlich schlimmer vermutet er den Ausgang für den Radfahrer, den Schmalzbauer als „noch relativ jung“ beschreibt. „Er wäre sicher circa zehn Meter weit geflogen und sehr unsanft auf dem Asphalt aufgeschlagen“, so die Vermutung Schmalzbauers, der sich indes noch eine weitere Frage stellt: „Wer wäre schuld gewesen? Ich, der Alte, der einmal nicht geschaut hat, ob ein Radfahrer kommt? Oder der junge Mann, der es so eilig hatte und der kein Warnsignal ausgesendet hat?“

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Schmalzbauer gibt dabei zu bedenken, dass der Weg entlang der Kreisstraße als gemeinsamer Geh- und Radweg ausgeschildert ist. Das bedeutet, dass Fahrradfahrer auf Fußgänger Rücksicht nehmen und ihr Tempo anpassen müssen.

Aufruf zu Rücksichtnahme

Seinen Beobachtungen zufolge beanspruchen viele Radfahrer den Weg ganz für sich allein. Dabei müssten sie jederzeit mit Fußgängern rechnen. Insbesondere im Abschnitt entlang der Kreisstraße zwischen Cham und Windischbergerdorf kreuzen Seitenstraßen oder Grundstückseinfahrten den vorbeiführenden Geh- und Radweg.

Heinz Schmalzbauer, dem der Schreck fast eine Woche nach dem Beinaheunfall noch immer in den Knochen sitzt, möchte nun zu mehr Vorsicht mahnen, denn „Schnelligkeit geht auf Kosten der Sicherheit“, ist er überzeugt und fügt an: „Es lebe der Schutzengel, den man wirklich im Leben braucht – heute mehr denn je!“

Hohe Brisanz: Unfallgefahr zwischen Fuß- und Radverkehr

Tempolimits für Radfahrer: Geschwindigkeitsregeln gelten nicht nur für motorisierte Verkehrsteilnehmer, sondern auch für Radfahrende. Darauf macht etwa der ADAC aufmerksam. Insbesondere auf gemeinsamen Geh- und Radwegen, wie zwischen Cham und Windischbergerdorf, teilen sich Radfahrer und Fußgänger die Verkehrsfläche. Radfahrer sind insbesondere auf solchen Wegen dazu angehalten, Rücksicht auf Fußgänger zu nehmen und ihre Geschwindigkeit an die des Fußverkehrs anzupassen. Gekennzeichnet sind solche Wege durch das Verkehrszeichen 240. Darauf befinden sich zwei durch einen Querstrich getrennte Sinnbilder in Weiß: oberhalb des Querstrichs das Fußgänger- und unterhalb das Fahrradsymbol.

Zunehmendes Gefahrenpotenzial: Untersuchungen der Unfallforschung der Versicherer (UDV) belegen, dass der Radverkehr stark an Bedeutung gewinnt und damit auch das Spannungsverhältnis zwischen Radfahrern und Fußgängern. Dies ist laut Informationen der UDV mitunter auf schwerere und schnellere Räder zurückzuführen. Gemeinsame Geh- und Radwege erweisen sich dabei als unsicherer als getrennte Wege.

Verkehrszeichen 240: Das Schild in Windischbergerdorf weist auf eine gemeinsame Nutzung des Weges von Radfahrern und Fußgängern hin.