Nach dem Reitunfall beim Drachenstich Furth im Wald: Wie geht es weiter?

Von Alexander Frimberger · 19. August 2024 um 17:00

Es war alles gerichtet für einen schönen Abschluss der diesjährigen Drachenstichfestspiele in Furth (Landkreis Cham). Dann geschah das, was die Stadt so formuliert wird: „Ludwig Fleischmann, fällt vom Pferd und wurde umgehend ärztlich versorgt.“ Jetzt gilt es, welche Erkenntnisse zieht und welche Vorkehrungen man trifft.

Der Blick aus dem Fenster am Montagmorgen: Ein grauer, wolkenverhangener Himmel lässt es ohne Pause regnen. Ein trauriger Anblick, der doch zu der Stimmung passt, die gerade jeder Drachenstichfreund haben muss.

Es geht um das bittere Ende einer ansonsten fröhlichen und erfolgreichen Festspielzeit.

„Die Spieler werden noch einmal alles geben“, hatte Bürgermeister Sandro Bauer bei seiner Begrüßung in der Arena gesagt. Das galt auch für das Wetter. Der Regen machte tatsächlich eine Pause – es blieb die gesamte Vorstellung über trocken. Es war der Abend der sogenannten „Hudala“, kleine Änderungen, die die Spieler in das Stück einbauen und damit vom Drehbuch des Regisseurs Alexander Etzel-Ragusa abweichen. Eingefleischte Festivalfans ist natürlich vieles aufgefallen. So sagte Ritterin Eva Baier in der Flüchtlingsszene nicht den Satz der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wir schaffen das“, sondern stattdessen, „meine Herren, das wird schon.“ Auch vom Eichkatzerlsprung, den man anderen voraus sein muss, verabschiedeten sich die Spieler und und sagten stattdessen, wie früher: „Man muss immer einen Schritt vorausdenken.“

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In der Kutsche des Kurfürsten saßen an diesem Abend die Hoftänzerinnen des Chamerauers oder es durften einige Kinder in den Kutschen der wilden Horden Platz nehmen. Statt eines Falken wurde – wie schon im vergangenen Jahr – eine Eule präsentiert. Weitere „Hudala“ folgten.

Der Lanzenstich war top

Es war alles gerichtet für einen schönen Abschluss der diesjährigen Drachenstichfestspiele. Dann geschah das, was in der Pressemitteilung der Stadt so formuliert wird: „Ludwig Fleischmann, fällt vom Pferd und wurde umgehend ärztlich versorgt.Bei dieser Vorstellung waren beide Ritterpferde im Einsatz. Seine beiden Einritte absolvierte Ludwig Fleischmann auf Goya, für den Drachenkampf wählte er Ritterpferd Sam.“ Bauer konkretisiert: „„Den Lanzenstich um den Drachen absolvierte Ludwig mit Bravour. Vor dem erneuten Anritt geriet er in eine leichte Schieflage auf dem Sattel, aus der er sich nicht mehr aufrichten konnte. Dabei rutschte Ludwig Fleischmann seitlich am Pferd herab und fiel schließlich am hinteren Drachenfuß zu Boden.“ Das Stück wurde abgebrochen. Sanitäter und ein Arzt, der privat vor Ort war, eilten sofort zu Hilfe.

Er ging auch aus eigener Kraft zum Rettungswagen

Die Szenerie wurde von den Schauspielern abgeschirmt. Ein Rettungswagen war vor Ort. Der Further Rathauschef war währenddessen zugegen: „Während der Erstversorgung war Ludwig ansprechbar und antwortete klar. Er ging auch aus eigener Kraft zum Rettungswagen vor dem Tor, begleitet vom Applaus der Umstehenden. Laut erster ärztlicher Auskunft ist nicht mit gravierenden Schäden zu rechnen.“ Das vorläufige Fazit formuliert Bauer so: „Wir befinden uns gerade in der Analyse, welche Erkenntnisse und Vorkehrungen aus diesem Ereignis getroffen werden können. Selbstverständlich sind wir immer bemüht, Risiken so gering wie möglich zu halten. Genau aus diesem Grund haben wir auch am Sonntag zwei Stunden vor der Vorstellung extra den Drachen und beide Ritterpferde in die Festspielarena einbestellt, damit die Pferde vorher noch einmal sicher an den Drachen herangeführt werden und die Bewegungen und Elemente, die der Ritter ausführt, noch einmal registrieren. Aber bei aller Sorgfalt der Vorbereitung und bei allen Sicherheitsvorkehrungen bleibt natürlich auch immer ein gewisses Restrisiko. Das mussten wir leider auch am Sonntag sehen. Ich spreche auch im Namen der gesamten Spielschar, der Vorstandschaft, der Regie und der Orga-Leitung, wenn ich Ludwig gute und schnelle Erholung von dem Vorfall wünsche.“

Auch Reitlehrer Willi Späth hat sich am Montag auf Nachfrage unserer Zeitung geäußert. „Viel kann ich zu dem Vorfall nicht sagen, nur, dass es ein Reitfehler war.“ Demnach hat Ludwig die Wendung vor dem Anreiten zu hastig vorgenommen, dann ist eines zum anderen gekommen.

Angesprochen auf die Zeit, die den Rittern bleibt, um sich auf den Kampf vorzubereiten, sagt Späth: „Ich habe vor vielen Jahren schon den Vorschlag gemacht, den Ritter beim Ritterkranzl vorzustellen. Im Moment ist die Zeit zu kurz.“

Viel mehr Training notwendig

Der Trainer berichtet auch von einem Gespräch mit einer erfahrenen Reiterin, die überzeugt ist, „dass es ein paar hundert Reitstunden braucht, bis einer richtig reiten kann.“ Viele glauben demnach, Drachenstichpferde gehen von selbst. Dem ist aber nicht so. Einen Vorwurf will er Ludwig auf keinen Fall machen: „Er hat immer fleißig trainiert.“ Späth selbst ist seit 53 Jahren im Geschäft und sagt: „Ich mache immer wieder neue Erfahrungen.“

Klar ist auch, dass Ritter schon häufiger vom Pferd geflogen sind. Nur hatte Ludwig das Pech, dass es in einer Vorstellung passiert ist. Die gute Nachricht zum Schluss: Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, geht es Ludwig Fleischmann inzwischen wieder so weit gut.

Kommentar:Der Schock sitzt tief

Alexander Frimberger

Ein junger Mann wirft sich mutig in das Abenteuer seines Lebens, lernt auf (zu?) kurze Zeit auf dem Rücken eines Pferdes vor tausenden Augen in der Arena zu bestehen. Das nötigt Respekt ab. Dann, in der letzten Vorstellung, für einen Moment die falsche Körperhaltung und es war passiert: Ludwig Fleischmann rutscht vom Pferd und knallt auf den Arena-Boden. Es war das bittere Ende einer ansonsten entspannten Drachenstichsaison.

Wobei: Wenn man auf das Programm blickt, das er und seine Ritterin Eva Baier zu absolvieren hatten, war das alles andere als entspannt. Ein Dutzend Aufführungen, daneben zahllose Pflichttermine und Veranstaltungen – kaum Luft um durchzuatmen. Neben viel „Hurra“ strömen auch die Unkenrufe auf sie ein: Wie gefährlich das ist, was man als Stunt verstanden wissen darf. „Irgendwann passiert noch was“, sagen die Mahner auch gegenüber Ludwig. War es die berühmte selbsterfüllende Prophezeiung? Ich weiß es nicht.

Klar dürfte aber sein, dass es in dieser Form nicht weitergehen kann. Das Ritterpaar der Zukunft braucht mehr geschützten Raum, weniger Termine und ein unerfahrener Reiter mehr Zeit. Warum nicht die Schwertübergabe des alten an den neuen Ritter beim Ritterkranzl im Herbst? Die Idee ist nicht neu, war am Sonntag im Nachgang häufiger zu hören, würde daher wohl auf breite Zustimmung stoßen. Dann bliebe mehr Zeit für Training. Beim Drachenball im Frühjahr kann dann die bis dahin geheim gehaltene Ritterin präsentiert werden. Das würde sicher nicht alle Probleme lösen aber es wäre ein Anfang, der zweifellos gemacht werden muss. Was dagegen niemand gebrauchen kann sind Schuldzuweisungen oder schlimmer noch: Hohn. Im Gegenteil, Ludwig, du kannst stolz auf dich und Eva sein. Ihr habt einen tollen Job gemacht.

Eva Baier hat eine hervorragende Ritterin gegeben. Foto: Fred Wutz
Bürgermeister Sandro Bauer und Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker beglückwünschen das Ritterpaar.
Verdienter Applaus bei der Premiere des Stücks.des