Fünf Chamer Rotkreuzler waren beim größten Heavy Metal-Festival der Welt im Einsatz

Viel Arbeit, wenig Schlaf, Trubel und Lärm fast rund um die Uhr – aber einmalige Begegnungen, unglaubliche Erlebnisse und eine Gemeinschaft, die es so kein zweites Mal gibt: Wer einmal einen Sanitätsdienst in Wacken mitgemacht hat, beim größten Heavy-Metal-Festival der Welt, der schreibt den Termin immer wieder in seinen Kalender. So wie die fünf Chamer BRK-Aktiven Laura-Fabienne Gasthofer, Sabrina Glaser, Moritz Blab, Daniel Schreiner und Frank Betthausen, die in ihrem Urlaub zum wiederholten Mal beim verantwortlichen DRK Kaltenkirchen anheuerten.
Der Ortsverein sorgte zwischen dem 29. Juli und dem 4. August für die Sicherheit von rund 85000 Besuchern und an die 35000 Helfern und Bediensteten – mit der Unterstützung von etwa 560 Angehörigen aller Hilfsorganisationen aus dem In- und Ausland. Etwa 4000 Behandlungen standen am Ende in den Büchern von Kaltenkirchens Ortsvorsitzendem Jürgen Schumacher.
Hitze statt Schlamm
„Wacken ist jedes Mal ein großes Familientreffen. Man sieht sich das ganze Jahr nicht. Und dann ist es wie an Weihnachten: Man ist daheim und kommt an. Hier hat jeder dieselbe Macke, und es macht einfach nur Spaß, mit den Leuten zu arbeiten“, beschreibt Daniel Schreiner seine Motive, wieder und wieder im hohen Norden Dienst zu tun.
Der 33-Jährige erlebte sein siebtes W:O:A – und blieb, abgesehen von Schweißperlen, weitgehend trocken. „Das Wetter war absolut genial. Was 2023 an Regen runtergekommen ist, hatten wir diesmal an Sonne“, erinnert er sich an die Schlammschlacht vor zwölf Monaten.
Was den stellvertretenden Leiter der BRK-Bereitschaft Furth im Wald, der als Notfallsanitäter beim BRK Cham arbeitet, besonders freute: Als einer von zwei Führungsassistenten war er auf dem Infield, dem riesigen Bereich rund um die beiden Hauptbühnen, durchgehend mit Leitungsaufgaben betraut. Er hatte dadurch zwar kaum Patientenkontakt und war viel mit Klemmbrett und Funk unterwegs. „Aber ich bin durchaus auch dort oben, um Führungserfahrung zu sammeln“, berichtet er. Sein Traum wäre es, 2025 beim 34. W:O:A als Abschnittsleiter eingesetzt zu werden.
Durch seine Rolle als Führungsassistent blieb dem 33-Jährigen, der ein großes Faible für Hardrock und Heavy Metal hat, kaum Zeit, sich Bands anzuhören. Ein Höhepunkt sei es für ihn gewesen, als der Komiker und Musiker Bülent Ceylan Peter Maffay als Überraschungsgast auf die Bühne geholt hat. „Ansonsten habe ich diesmal fünf Tage Dienst gemacht. Da hatte ich zwischendurch keine Muße mehr für die Musik. Irgendwann braucht man auch einfach mal seine Ruhezeit“, gesteht Schreiner.
Laura-Fabienne Gasthofer, die ebenfalls aus Furth im Wald stammt, erlebte nach ihrer Premiere 2023 ihr zweites Open Air in Schleswig-Holstein. Wie Daniel Schreiner schätzt die Rettungsdiensthelferin das Miteinander und die besondere Atmosphäre im DRK-Camp.
„Hier oben sind alle gleich verrückt. Man hat unheimlich viel Spaß, auch wenn ich kein Heavy Metal mag. Man muss diese Familie einmal im Jahr sehen, sonst geht einem wirklich was ab“, sagt die 19-Jährige.
Einer der witzigsten Momente sei es gewesen, als einer ihrer Kollegen beim ersten Dienst auf dem Infield begonnen habe, auf Bairisch zu fluchen. „Da habe ich ihn gefragt: Wo bist Du denn her?“ – „Aus Ingolstadt!“, lautete die Antwort von Philipp Grosse. Der Überraschungskontakt hatte Folgen: Nach einer Einladung der Further BRK-Aktiven kam Grosse vergangene Woche in der Grenzstadt vorbei, um die örtliche Bereitschaft bei ihrem Einsatz rund um den Drachenstich zu unterstützen.
Es sind Wacken-Begegnungen wie die mit Philipp, die auch für Moritz Blab das Salz in der Suppe sind. „Ich würde es jedes Jahr wieder machen, es sind tolle Erfahrungen und tolle Leute, die man dort oben trifft“, sagt der 24-Jährige, der als Notfallsanitäter im zweiten Lehrjahr beim BRK Cham angestellt ist.
Der Further erlebte sein zweites Wacken – und machte „heuer komplett andere Erfahrungen“ als im vergangenen Jahr, als es durch das Wetter etwas chaotisch gewesen sei. Durch die hohen Temperaturen an den ersten Tagen sei es recht anstrengend gewesen.
Dem Spaß tat das keinen Abbruch. Zumal Blab an der Seite seiner Lebensgefährtin Sabrina Glaser an ganz anderen Orten eingesetzt war als bei seinem ersten Gastspiel und dort spannende Festival-Einblicke gewann – an der Unfallhilfsstelle direkt in Wacken etwa. „Auch da an der Hauptstraße im Dorf hat man überall coole Leute kennengelernt“, sagt er.
So stimmt ihm seine Freundin Sabrina Glaser (27), die zum fünften Mal in die verrückte Metal-Welt im hohen Norden abtauchte, überzeugt zu: „Auch dieses Wacken war ein Erlebnis.“
Nächstes Jahr wieder
Wie die anderen drei Further möchte die Rettungsdiensthelferin aus der Grenzstadt 2025 wieder mit von der Partie sein. „Wenn wir wieder genommen werden, haben wir da schon ganz, ganz viel Bock drauf“, sagt Moritz Blab. „Ja, ich möchte nächstes Jahr definitiv wieder nach oben“, ergänzt Laura-Fabienne Gasthofer. „Das ist einfach nur Family – but louder.“
Frank Betthausen, im Hauptamt Pressesprecher beim BRK-Kreisverband, geht es ähnlich. Er freut sich ebenfalls schon auf Teil drei seiner Wacken-Reise. „Das ist eine krasse Erfahrung – immer wieder aufs Neue. Aber du nimmst da unglaublich viel mit an einmaligen Momenten. An Gesprächen, an Kuriosem und ehrlicher Dankbarkeit dafür, dass wir da sind und die Metal-Familie unterstützen“, sagt der 48-Jährige aus Runding, der in der BRK-Bereitschaft Cham 2 aktiv ist.
Wie bei seinem ersten Einsatz 2022 hatte er sich als Redakteur im Backoffice des DRK-Camps in die Arbeit an den Wacken Rescue News eingebracht, einer täglich erscheinenden Zeitschrift für die rund 560 Mitglieder der Wacken Rescue Squad. Außerdem kümmerte er sich um diverse Tätigkeiten in den sozialen Medien.
Ob die Delegation aus dem Bayerischen Wald im nächsten Jahr noch größer wird? „Mir haben mittlerweile so viele Leute ihr Interesse bekundet, dass wir theoretisch in zweistelliger Zahl in den Norden aufbrechen könnten“, meint Daniel Schreiner mit einem Augenzwinkern. Damit gilt: Achtung, Wacken! Die Oberpfälzer kommen!
