Wespen sind lästig, aber schützenswert – Nester dürfen nicht ohne Grund beseitigt werden

Schuppen, Rollladenkasten oder Dachboden sind unter anderem Orte, an dem sich ungebetene Gäste wie Wespen oder Hornissen einquartieren. Doch wie sollen die Chamer reagieren, wenn sie ein Nest entdecken?
Wer ein Exemplar findet, hat wahrscheinlich eine Gemeine oder Deutsche Wespe zu Hause. Denn von ihnen gibt es laut Landratsamt Cham in unserer Region die meisten.
Asiatische Hornisse im Anflug
Aber auch andere Arten sind weit verbreitet, wie zum Beispiel bei den staatenbildenden, sozialen Faltenwespen-Arten, die Sächsische Wespe. „Nicht zu vernachlässigen sind auch die solitären Wespen, deren Gruppe eine vielfach höhere Artenzahl aufweist. Da es aber auch immer weitaus weniger Individuen gibt als bei der Gemeinen und der Deutschen Wespe, bemerken wir die Tierchen selten, obwohl sie ebenfalls häufig verbreitet sein können“, so die Auskunft des Landratsamts.
Bald könnte auch eine neue Art bei uns heimisch werden: die Asiatische Hornisse. Sie breite sich konstant in Deutschland aus. Im Landkreis Cham gibt es aber laut Landratsamt noch keinen Nachweis.
Bevorzugte Neststandorte
Die Gemeine und die Deutsche Wespe seien bei der Wahl ihres Nistplatzes flexibel und anpassungsfähig. Sie würden aber geschützte, warme, enge und dunkle Hohlräume bevorzugen – etwa hinter Verschalungen oder Rollokästen. „Bei Platzbedarf werden die Nester gelegentlich in den geschützten Außenbereich hinaus erweitert und sind dann in der Formgebung sehr variabel. In nur sehr seltenen Fällen nistet die Art in frei- und offenhängenden Nestern“, heißt es aus dem Landratsamt.
Schutz der Tiere: Abtöten ist das letzte Mittel
Alle Wespenarten seien im Gegensatz zu anderen Hautflügler-Arten (wie Hummeln oder Hornissen) nicht nach der Bundesartenschutzverordnung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) besonders geschützt. Dennoch ist es laut Landratsamt generell verboten, die Tiere ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten.
Markus Schmidberger, Geschäftsstellenleiter beim LBV Cham, erklärt, dass zur Beseitigung oft Pestizide eingesetzt werden. Das Mittel tötet dann die Tiere. Das Abtöten der Insekten sei aber das letzte Mittel, sagt Kreisbrandrat Michael Stahl. Die Feuerwehren, die oft auch zur Beseitigung der Nester gerufen werden, versuchen, die Tiere möglichst in den Wald umzusiedeln. Hornissen stehen unter Naturschutz, sagt Stahl, und dürften deswegen nur mit Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde entfernt werden.
In der Regel würden die Feuerwehren aber nur dann Hand anlegen, wenn sich ein Nest an einem gefährlichen Ort befindet, etwa an einem Kindergarten. Und nicht jede Feuerwehr beseitigt die ungebetenen Gäste, sagt Stahl, dann muss zum Beispiel ein Kammerjäger gerufen werden.
Kammerjäger im Einsatz
Einer dieser Schädlingsbekämpfer ist Thomas Hauser aus Miltach. Er habe in diesem Jahr schon einige Einsätze gehabt. Hauser vermutet, dass das vermehrte Auftreten der Tiere, am milden Winter liegt, und die Insekten früher das Bauen anfangen. „Größtenteils rufen die Bürger selbst bei mir an“, sagt Hauser. Aufträge bekommt der Schädlingsbekämpfer aber auch von der Unteren Naturschutzbehörde. Mit dieser arbeitet Hauser zusammen und hilft bei der Umsiedlung von Hornissen und der Bestimmung der Arten.
Umsiedeln der Nester ist zeitaufwendig
Er erklärt, dass das Umsiedeln sehr zeitaufwendig ist und man zudem noch einen geeigneten Platz finden muss. Deshalb würde Hauser dieses Verfahren bei Wespennestern in der Regel nicht anwenden. Auch bei Hornissen in Rollokästen sei eine Umsiedlung nicht möglich. Zudem sei diese Situation besonders gefährlich, da durch den Rollokasten und die Rollokordel ein direkter Zugang zum Innenraum bestehe.
Bei Wespen berät der Schädlingsbekämpfer die Hausbesitzer, denn es gebe verschiedene Schutzmechanismen. So kann zum Beispiel durch Abschirmen der Zuflug verschoben und damit die Gefahr für Menschen verringert werden. Im Herbst sterben die Wespen (bis auf die Jungköniginnen) ab und das Nest kann dann problemlos entfernt werden, so die Auskunft des Landratsamts.
Teil des Ökosystems
Wespen haben allgemein einen schlechten Ruf, so die Behörde. Dabei werde oft vergessen, dass die Insekten eine wichtige Rolle im Ökosystem spielen. Denn sie seien nicht nur Aasverwerter und Nahrungsgrundlage für andere Tiere, sondern würden auch Schädlinge wie Mücken und Blattläuse bekämpfen. Daher sollte man sich laut Landratsamt, wo es möglich ist, mit den Tieren arrangieren.
Bei Konflikten mit den Tieren empfiehlt die Behörde, sich an einen ehrenamtlichen Wespen- und Hornissenberater der Unteren Naturschutzbehörde zu wenden.
Wespenstich
Verhalten: Allergiker sollten bei einem Stich sofort ihre Medikamente parat haben, sagt Tobias Muhr, stellvertretender Rettungsdienstleiter des BRK Cham. In der Regel sei ein Stich aber nicht bedrohlich. Wenn jemand gestochen wird und eine allergische Reaktion zeigt (zum Beispiel Atemnot oder Quaddeln, die sich am ganzen Körper ausbreiten), sollte so schnell wie möglich der Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 gerufen werden.