Biologe bestätigt: 2024 plagen uns „überdurchschnittlich viele Wespen“

In diesem Jahr könnte es so viele Wespen geben wie lange nicht mehr. Einer der Gründe für ihre starke Vermehrung kann der milde Winter sein. Doch wie geht man mit den vermeintlichen Plagegeistern am besten um?
Kaum steht ein Stück Kuchen auf dem Terrassentisch, schon landen die kleinen Störenfriede und knabbern daran herum. Martin Schwarz ist Leiter der Arbeitsgemeinschaft Entomologie am Biologiezentrum Linz und stellt momentan „überdurchschnittlich viele Wespen“ fest, wie er gegenüber der Mediengruppe Bayern erklärt.
Maximum steht noch bevor
Für gewöhnlich starten die Wespenköniginnen im April ihre Nester zu bauen. Dieses Jahr konnten die Königinnen aufgrund der milden Temperaturen bereits einige Wochen früher als sonst damit beginnen. Aus den ersten Waben entwickelt sich schnell eine große Kolonie. Dass die Maximalzahl der Wespen jedoch noch nicht erreicht ist, weiß Martin Schwarz, denn „die Anzahl der Tiere nimmt bis etwa September noch zu.“
Starke Vermehrung dank warmer Temperaturen
Warum es dieses Jahr im Vergleich zu anderen Jahren so viele Tiere sind, kann er nicht genau sagen: „Es gibt eine Reihe von Faktoren, die die Wespen beeinflussen wie Witterung, Temperatur, Situation im Winter, innerartliche Konkurrenz“. Ein witterungsbedingter Zustand könnte den Wespen bei ihrer schnellen Vermehrung geholfen haben: „Wärme und wenig Niederschläge, vor allem im Frühling bei der Nestgründungsphase, sind jedenfalls günstig.“
Da Wespen, die zur Ordnung der Hautflügler gehören, in Deutschland geschützt sind, darf man sie weder beunruhigen oder gefährden, noch töten oder ihre Nester ohne Weiteres entfernen. Letzteres ist nur erlaubt, wenn unmittelbare Gefahr für Menschen besteht. Etwa, wenn sich das Nest direkt an einem Kinderspielplatz befindet oder am Fenster von Allergikern.
Wespen – mehr als nur Störenfriede
Oft werden Wespen mit Schwebfliegen verwechselt, die eine ähnliche gelb-schwarze Färbung aufweisen. Erkennen kann man Schwebfliegen daran, dass ihnen die dünne „Wespentaille“ fehlt. Sie imitieren das Aussehen von Wespen, um Fressfeinde abzuschrecken, stehen aber nicht. Das tun die echten Wespen auch nur, wenn sie sich bedroht fühlen, erklärt das Bayerische Landesamt für Umwelt. Stattdessen tragen sie zur Schädlingskontrolle bei: Wespen fressen unter anderem Mücken, Bremsen, Blattläuse und Spinnen. Außerdem bestäuben die kleinen Insekten Blüten und dienen Vögeln als Futter, so der WWF.
Tipps zum Umgang mit Wespen
Ob Aufschnitt oder Zwetschgendatschi, Lebensmittel steuern nur zwei von acht heimischen Wespenarten an: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Das Bayerische Landesamt für Umwelt gibt Ratschläge, um Wespen außerhalb der eigenen Wohnung zu halten und den Umgang bei Tisch mit ihnen zu erleichtern.
Innenräume schützen:
• Fliegengitter an Fenstern und Balkontüren anbringen
• Verirrte Wespen durch Zugluft von zwei geöffneten Fenstern wieder nach draußen geleiten
• Einschlupflöcher wie Rollladenkästen abdichten
Im Freien:
• Ruhig bleiben, die neugierige Wespe wird von allein verschwinden
• Speisen und Getränke abdecken, aus Flaschen und Dosen per Strohhalm trinken
• Essensreste nach dem Essen abräumen oder abdecken
• Kleinkindern den Mund nach dem Essen abwischen
• Nicht barfuß über Blumen- und Streuobstwiesen laufen
Gestochen: Wann zum Arzt?
Sollten alle Tipps nicht helfen und man wird dennoch gestochen, besteht kein Grund zur Angst, beruhigt der Biologe Martin Schwarz: „Wespenstiche sind schmerzhaft, aber normalerweise nicht gefährlich, außer man reagiert allergisch oder man wird an einer ungünstigen Stelle gestochen, zum Beispiel im Rachen.“ Dann heißt es, Eiswürfel lutschen und ab zum Arzt. Allergiker sollten bei einem Stich sowieso stets eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Allen anderen rät Schwarz, „das Wespengift mit einem Wärmestift neutralisieren“, Zwiebel- oder Spitzwegerichsaft auf die Stelle geben und diese kühlen.