Die Zwergerlküche in Rötz wird schon jetzt vermisst: Wie geht es im neuen Schuljahr weiter?

Gut die Hälfte der Sommerferien liegt hinter uns. Einige Eltern der Rötzer Grundschüler und Kindergartenkinder stellen sich mittlerweile die Frage, wie es im neuen Schuljahr mit der Mittagsverpflegung weitergehen wird.
Denn Ende Juli war, für Eltern und Mitarbeiter gleichermaßen überraschend, aus dem Rathaus die Mitteilung über das Aus für die Zwergerlküche verkündet worden (wir berichteten).
Diesen Schritt hatte Bürgermeister Dr. Stefan Spindler unter anderem mit der Kündigung einer langjährigen leitenden Mitarbeiterin der Schulküche begründet. Ein weiterer seien die Standards für Arbeitssicherheit, die auch im Küchenbereich gestiegen seien und mittelfristig hohe Investitionen in die Erneuerung der Lehrküche erwarten lassen würden.
In Rötz herrschte angesichts der Nachricht Bestürzung, da die Eltern das qualitativ hochwertige Essen für ihre Kinder immer sehr schätzten, ebenso wie die Senioren, die das Angebot ebenfalls nutzen konnten. In persönlichen Gesprächen und auch in den sozialen Medien ist es vor allem der, wie einige es ausdrücken, „kurze Prozess“ mit der Zwergerlküche, die es rund 13 Jahre lang gab, der vielen sauer aufstößt.
„Essen ist gut angekommen“
Eine Gemeinde sei kein Wirtschaftsunternehmen und habe doch die Aufgabe, zuerst an die Bürger und erst an zweiter Stelle an die Finanzen zu denken, findet eine Mitarbeiterin der Zwergerlküche.
Der Bürgermeister hatte in seiner schriftlichen Stellungnahme Ende Juli angegeben, dass der Stadtrat bereits in einer Sondersitzung des Hauptausschusses am 8. Juli die Frage gestellt habe, „ob das qualitativ sehr hochwertige Essen langfristig zu einem für Schüler und Eltern tragbaren Preis angeboten werden könne“. Nach Auskunft des Elternbeirats der Grundschule Rötz sowie der Leitung des Kindergartens St. Martin habe bereits die letzte Preiserhöhung auf vier Euro pro Essen dazu geführt, dass sich einige Familien das Schulessen nicht mehr leisten hätten können.
Ob es am ersten Schultag nach den großen Ferien nun ein Mittagessen für die Kinder geben werde, darüber hätten sie noch keine Info erhalten, berichtet die Mitarbeiterin weiter. „Wir wissen noch nicht, wie, wann und wo genau wir ab dem neuen Schuljahr eingesetzt werden sollen.“
In Sachen Caterer hat sich zwischenzeitlich nun aber wohl etwas getan. Am 6. August habe ein erstes Probeessen in den Räumen der Zwergerlküche stattgefunden, an dem Vertreter des Rathauses, unter anderem der Bürgermeister, der Grundschulen Rötz und Tiefenbach, der KiTa, vier Senioren und auch das Team der Zwergerlküche teilgenommen hätten, wie sie berichtet.
Das Essen sei gut angekommen. Positiv sei auch, dass den Senioren versprochen worden sei, dass sie weiterhin kommen könnten. Die Planung der neuen Arbeitszeiten könnte dagegen wohl eine Herausforderung darstellen: Die Aufsicht über die Mittagsbetreuung der Schüler liegt in den Händen der Mitarbeiterinnen der Zwergerlküche, ebenso wie die Betreuung von der Ankunft der Schüler bis zum Unterrichtsbeginn am Morgen sowie diejenige der Schüler aus dem Oberland, wenn sie vom Unterrichtsende an auf den Bus warten. Nachdem nun nicht mehr selbst gekocht werden soll, sei die Zeit dazwischen praktisch „leer“.
Es sei schlimm, dass es die Zwergerlküche nun nicht mehr geben werde, da seien viele Rötzer Bürger derselben Meinung wie sie: „Das war etwas Einzigartiges hier in Rötz, viele Schulen im Umkreis sind auf der Suche nach einem guten Mittagessen für die Kinder, und bei uns wäre alles dafür vorhanden.“
Besonders enttäuscht über das Aus der Zwergerlküche ist Ulrike Gleixner aus Rötz. Für sie war die Schulküche ein „schöner, geschützter Raum“, in dem ihre Tochter Malena, die die Montessori-Schule in Schönthal besucht, im Juli ein Praktikum machen konnte. Die Zwergerlküche ist für sie ein „Vorzeigeobjekt“ gewesen, sagt Ulrike Gleixner, in dem Inklusion für ihre Tochter mit Trisomie 21 auf beste Weise ermöglicht worden sei.
Die Freude war groß gewesen und sogar mit der Hoffnung verbunden, dass hier später einmal ein inklusiver Arbeitsplatz für Malena möglich sein könnte, die sich während des Praktikums mehr als wohlgefühlt habe und sich wunderbar habe einbringen können im Küchen-Team, das viel Erfahrung im Umgang mit Kindern hat. Bei der Nachricht vom Aus für die Zwergerlküche sei sie „aus allen Wolken gefallen“, so Ulrike Gleixner.
„Eine tolle Woche“
Es sei eine wirklich tolle, lustige und für beide Seiten sehr lehrreiche Woche gewesen, heißt es auch aus der Zwergerlküche, Malena habe es super viel Spaß gemacht.
„Das Team war immer mit Herzblut dabei“
Es sei richtig, dass das Thema „Zwergerlküche“ unter zeitlichem Druck behandelt werden habe müssen, sagt Bürgermeister Dr. Stefan Spindler. Denn man wolle möglichst gewährleisten, dass die Schüler im kommenden Schuljahr, wenn es machbar ist, ab dem ersten Schultag ein warmes Essen bekommen.
Es sei aber auch Tatsache, dass man nach der Kündigung einer langjährigen leitenden Mitarbeiterin sofort damit begonnen habe, sich mit dem Küchen-Team zu beraten. Man habe gleich im Anschluss das Thema in einer Stadtratssitzung im Hauptausschuss behandelt und dort darüber diskutiert, ob die Stadt die Zwergerlküche langfristig halten könne. Auch sei die Verwaltung beauftragt worden, dies umfassend zu prüfen.
Und dabei sei nicht nur das Kostenargument berücksichtigt worden. Noch, so Spindler weiter, sei kein Vertrag mit einem externen Caterer unterzeichnet worden. Jedoch habe es mit einem Anbieter bereits ein Probeessen gegeben, bei dem Vertreter des Elternbeirats, der Senioren, der Grundschule Tiefenbach und der KiTa Rötz, die Rektorin der Grundschule Rötz, Mitarbeiterinnen der Schulküche und er selbst teilgenommen hätten, so der Bürgermeister.
Dabei habe man die Speisen quer durch die ganze Bandbreite der Gerichte, die der Caterer anbiete, testen können, und das Angebot sei sehr gut angenommen worden. Man hätte damit die Möglichkeit, an fünf Tagen in der Woche ein frisch gekochtes Essen zu erhalten statt wie bisher drei Mal, während es an den anderen beiden Tagen aufgewärmtes Essen gegeben habe, so Spindler. Über den Preis für das Essen lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen, da eben noch kein Vertrag unterzeichnet sei.
Auch zu den künftigen Arbeitszeiten der Mitarbeiterinnen äußert sich der Bürgermeister: Das hänge vom Catering ab, ob die Speisen abgeholt werden müssten oder gebracht werden. Auch richte sich alles nach dem Stundenplan der Kinder und dem jeweiligen Schulschluss. Das alles befinde sich aktuell in Abstimmung. Die Essensbestellung für die Schüler müsse noch abgefragt werden, um es dem Caterer rechtzeitig mitzuteilen.
Das Hauptanliegen sei es, betont Spindler, dass die Schüler, Kindergartenkinder und Senioren auch weiterhin ein schmackhaftes Essen erhalten. Es sei im Übrigen nie die Absicht gewesen, dass das Essen für die Senioren nicht mehr zur Verfügung stehen würde. „Wir wissen um die soziale Funktion“, so der Bürgermeister. Man arbeite auch daran, das Essen preislich attraktiv zu machen.
Enttäuschung herrsche im Rathaus darüber, dass den Stadträten, die ihre Tätigkeit ehrenamtlich ausüben, Anfeindungen in den sozialen Medien entgegenschlagen würden. Sie hätten sich – unter anderem dieser – schwierigen Entscheidung gestellt und sie sich alles andere als leicht gemacht. Allen sei dabei klar gewesen, dass das Team der Zwergerlküche immer mit viel Herzblut dabei gewesen sei und seinen Job toll gemacht habe.


