Thamer-Bräu-Gebäude in Rötz: Gebäude soll Unterkunft für maximal 25 Flüchtlinge werden

Von Stefanie Bauer · 15. August 2024 um 05:00

Anfang des Monats war Bürgermeister Stefan Spindler gemeinsam mit Landrat Franz Löffler an die Öffentlichkeit gegangen. Der Grund: Die Bürger von Rötz (Landkreis Cham) sollten frühzeitig darüber informiert werden, dass zum Jahresende die Unterbringung von bis zu 40 Flüchtlingen im Thamer-Bräu geplant ist (wir berichteten).

Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das altehrwürdige Gebäude bis dahin bewohnbar ist. Abgesehen von baulichen Anforderungen gab es auch vonseiten des Bürgermeisters und der Stadtratsmitglieder Bedenken, ob die Integrationsmöglichkeiten einer kleinen Stadt wie Rötz für diese verhältnismäßig große Zahl an Flüchtlingen ausreichend sind.

Deshalb, erklärt Spindler, habe man den erneuten Dialog mit den Verantwortlichen beim Landratsamt gesucht. Über das Ergebnis informierte das Landratsamt am Mittwoch in einer Pressemitteilung: Man habe die Planungen für eine Unterbringung von Asylsuchenden im ehemaligen Thamer-Bräu-Gebäude von 40 auf maximal 25 untergebrachte Personen reduziert.

Fünf Jahre sind geplant

Diese Anpassung sei das Ergebnis konstruktiver Gespräche zwischen dem Rötzer Bürgermeister und dem Landratsamt beziehungsweise Landrat Franz Löffler selbst gewesen. „Die von der Stadt Rötz vorgebrachten Bedenken bezüglich der Integrationsmöglichkeit waren nicht von der Hand zu weisen“, heißt es weiter in der Mitteilung. Für die Dauer der Unterbringung seien weiterhin fünf Jahre geplant.

In der Stellungnahme wird ausgeführt, dass es Aufgabe des staatlichen Landratsamtes sei, das Grundrecht auf Asyl umzusetzen und die Menschen unterzubringen und zu versorgen. Dabei lege das Landratsamt großen Wert darauf, die Leistungsfähigkeit der jeweiligen gemeindlichen Infrastruktur zu berücksichtigen. Durch diese Verteilung solle den Asylsuchenden auch eine Integration ermöglicht werden.

Auch wenn noch kein Vertrag unterschrieben ist: Es wird auf Transparenz gesetzt. „Ein ehrlicher und sachlicher Dialog mit den Bürgern und den Gemeinden ist für diese herausfordernde Aufgabe Grundvoraussetzung“, so steht es in der Mitteilung des Landratsamts. Darum sei es den Verantwortlichen der Stadt und des Landratsamtes auch so wichtig, die Öffentlichkeit frühzeitig zu informieren und sich der öffentlichen Debatte vor Vertragsschluss zu stellen.

Und Debatten gibt es tatsächlich, wenn sie auch nicht unbedingt mit den Behörden geführt werden: Nicht nur in den sozialen Medien wird die Enttäuschung darüber zum Ausdruck gebracht, dass der große Wunsch für den Rötzer Marktplatz – eine (Außen-) Gastronomie im beziehungsweise vor dem Thamer-Gebäude – nun erst einmal wieder in weitere Ferne gerückt ist.

Erst vor wenigen Wochen wurde im Rahmen des Integrierten Digitalen Entwicklungskonzepts eine entsprechende, von der Stadt initiierte Umfrage gestartet, wohin Rötz sich entwickeln soll. Zwar wurden deren Ergebnisse noch nicht veröffentlicht, doch bei vergleichbaren Fragestellungen stand immer wieder das prägnante Gebäude mit der platzbild-bestimmenden Nordfassade im Mittelpunkt, zum Beispiel bei einem Gestaltungsworkshop im Rahmen des ISEK (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept). Der Bürgermeister sagt, er verstehe die Enttäuschung der Bürger hinsichtlich der Marktplatz-Gestaltung. Doch die Planungen bezüglich IDEK seien langfristig, auf etwa 15 bis 20 Jahre ausgelegt. Aufgabe des Rathauses sei es, die Stadtplanung sozusagen „fertig in der Schublade“ zu haben, sobald sich die Möglichkeit für die Marktplatz-Gestaltung biete.

Deshalb hätten die Planungen durchaus ihre Berechtigung. Nur: Das Gebäude befinde sich in Privatbesitz, und dass es als Flüchtlingsunterkunft und nicht als Gaststätte genutzt werden soll, sei weder seine noch die Entscheidung des Stadtrats, sondern einzig und allein des Eigentümers. „Ohne dessen Einverständnis geht es nicht“, so Spindler. Mehrere Jahre lang habe man versucht, den Eigentümer zur Realisierung einer Gastronomie zu motivieren – bislang ohne Erfolg.

Nach wie vor, betont der Bürgermeister, sei es der Wunsch der Stadt, in einem sanierten Thamer-Bräu wieder ein Gasthaus zu haben. 2021, berichtet Bergwirt Harald Grauvogl gegenüber unserer Zeitung, habe der Gebäudeeigentümer aktiv versucht, einen Wirt für den ehemaligen Gasthof zu finden. Da Grauvogl zum damaligen Zeitpunkt nicht Bergwirt war, habe die Stadt Rötz den Kontakt zwischen ihm und dem Gebäudeeigentümer vermittelt. Die Idee sei es gewesen, wieder eine bayerische Gaststätte zu etablieren mit dem Saal, der wieder genutzt werden sollte, und außerdem Ferienwohnungen in dem Gebäude. Dann allerdings wurde die Stelle des Bergwirts wieder vakant – und Grauvogl ist wieder auf den Berg „heimgegangen“, wie er sagt.

Alle Planungen hinsichtlich der Flüchtlingsunterkunft im Thamer-Bräu, unterstreicht das Landratsamt in seiner Mitteilung nochmals, stünden nach wie vor unter dem Vorbehalt, dass es dem Investor gelingt, das Gebäude bewohnbar zu machen: „Dazu zählen neben den brandschutztechnischen Anforderungen auch die Verhinderung von herabfallenden Fassadenteilen.“

Kümmerer vor Ort

Zudem gehöre grundsätzlich die Pflege der Außenanlagen zu den normalen Pflichten eines Vermieters im Rahmen eines jeden Mietvertrags. Derzeit prüfe das Landratsamt zudem, inwieweit durch vertragliche Regelungen zumindest kleinere Verbesserungen der Außenwirkung des Thamer-Bräu-Gebäudes durch einen Mietvertrag über eine mündliche Zusage des Investors hinaus abgesichert werden könnten.

Außerdem würden die Gespräche zwischen der Stadt und dem Landratsamt stetig weitergeführt. Das Landratsamt werde auch nach einer Unterbringung durch einen Kümmerer vor Ort vertreten sein.

Der Gebäudeeigentümer war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.