Umbau zu gutem ökologischen Zustand läuft: Schwarzach in Rötz wird renaturiert

Von Hans Schmelber · 4. August 2024 um 18:00

Die Arbeiten sind im vollen Gange, das versicherten Bauaufseher Rudolf Rötzer, der auch zuständig ist für die Flussmeisterstelle Roding, sowie sein Vorgänger Josef Stelzl. Mit dabei bei einem Treffen an der Baustelle bei der Schwarzach in Rötz war Helmut Holzer vom Wasserwirtschaftsamt Regensburg.

Das Wasserwirtschaftsamt Regensburg hatte mitgeteilt, dass die Flussmeisterstelle Roding in der Zeit von Ende Juli 2024 bis Anfang September 2024 Renaturierungsarbeiten an der Schwarzach beiderseits der Schwarzachbrücke sowohl im Ober- als auch im Unterlauf durchführen wird. Wegen der Feuerwehrzufahrten zur Schwarzach in Sachen Ölsperre Meroleitung ist auch die Feuerwehr Rötz in diesen Prozess mit eingebunden.

Der 1958 vom Bayerischen Landtag beschlossene „Schwarzachplan“ beinhaltete neben dem Bau der Hochwasserspeicher Silbersee, Perlsee und Eixendorfer Stausee auch Maßnahmen zur Begradigung und Abflussbeschleunigung der Schwarzach. Nachdem der Fluss bis 1993 im Bereich zwischen dem Eixendorfer Stausee und Schönthal ausgebaut wurde, entschied der Bezirkstag der Oberpfalz im Dezember 1997, dass die noch ausstehenden Bauabschnitte nicht mehr wie vorgesehen verwirklicht werden sollen.

Ökologische Entwicklung

Die teils noch aus den 1970er Jahren stammenden Planungen entsprachen nicht mehr den mittlerweile geänderten Zielvorstellungen für eine ökologische Gewässerentwicklung. In Form einer „qualifizierten Beendigung“ erfolgte ein gemäßigter Restausbau der Schwarzach zwischen Schönthal und Thurau als Übergang zwischen bereits ausgebauter und natürlicher Fließstrecke.

Mit der vom Wasserwirtschaftsamt Regensburg neu erstellten Planung im Bereich der Ortschaft Thurau sowie der im Oktober 2009 erlassenen Planfeststellung wurde die Grundlage für den Abschluss des Schwarzachausbaus geschaffen.

Bereits im Mai 2022 forderte der WWF Deutschland den Schutz und die Wiederherstellung frei fließender Flüsse weltweit und wies auf deren Bedeutung für die Artenvielfalt, die Gewässerökologie und letztendlich den Menschen hin. Sigrun Lange, Leiterin des in Weilheim angesiedelten Projekts „Lebendige Flüsse“, sagte dazu: „Flüsse und ihre Auen gehören zu den artenreichsten, aber auch zu den am meisten gefährdeten Lebensräumen. Staut man Flüsse durch Querbauten auf, zerstört man typische Flusslebensräume und behindert die Durchwanderbarkeit, was für viele Fische problematisch ist. Abstürze, Wehre und Wasserkraftwerke sind ein Hauptgrund dafür, dass Deutschland seine rechtlich verbindlichen Umweltziele für den ökologischen Zustand von Gewässern weitgehend verfehlt. Indem man nicht mehr benötigte Barrieren abreißt, kehrt das Leben in Deutschlands besonders gefährdete Süßwasserlebensräume zurück.“

Ein Beispiel hierfür ist die Renaturierung des bayerischen Fließgewässers Schwarzach um einen „guten ökologischen Zustand“ der Schwarzach zu erreichen. Einen solchen schreibt die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) verbindlich vor. Wird er bis 2027 nicht erreicht, drohen Deutschland Sanktionen. Derzeit ist der Zustand des Flusses nur „mäßig“, das heißt typische Arten finden in der Schwarzach keinen geeigneten Lebensraum mehr.

„Verständlicherweise werden geplante Veränderungen der Landschaft zunächst einmal skeptisch gesehen. Doch wer erlebt, wie der Fluss nach einem Wehrrückbau wieder Fluss sein darf, und wie schnell flusstypische Arten in die zuvor gestauten Bereiche zurückkehren, der wird sich gerne dafür aussprechen, unnütze Barrieren zu entfernen.“

Was passiert nun in Rötz mit der Schwarzach? Insgesamt werden gut 1000 Meter in Abschnitten renaturiert, bzw. umgestaltet und das vor und hinter der Schwarzachbrücke in Rötz. Tagtäglich ist jetzt dort der Bagger am Werk und „dazu benötigt es einen erfahrenen Baggerführer, der ein Gewässer auch lesen kann“, sagte dazu Bauaufseher Rudolf Rötzer.

Störsteine werden eingesetzt

Stellenweise wird dort der Untergrund aufgebaggert, um die Sedimente vom Kies zu trennen, und die werden einfach weggespült. Danach wird an bestimmten Stellen Kies angehäuft, und darauf werden große Granitfelsen, im Fachjargon auch Störsteine genannt, abgelegt. Diese Störsteine ändern den natürlichen Wasserlauf, bilden Wirbel, lenken die Fließrichtung um, und das führt dazu, dass in kleinen Abschnitten der Fluss auch rückwärts fließt.

Dank dieser Stellen kann auch ein Hochwasser schneller ablaufen. Das alles ist gewollt und dient speziell den Fischen, die hinter den Steinen Ruhemöglichkeit und Laichablagen finden. Dadurch dass das Wasser an diesen Stellen zum Teil schneller fließt, werden auch Sedimentablagerungen vermieden. Eine Unterbrechung der Flussbettänderung im Bereich hinter der Schule Rötz ist notwendig, weil dort die MERO-Leitung den Fluss quert, und dazu ist auch eine Stelle gekennzeichnet, an der im Bedarfsfall die Feuerwehr eine Ölsperre errichten kann.

Die Kosten für diese Renaturierungsarbeiten belaufen sich auf ca. 20000 Euro. Die Finanzierung erfolgt über den normalen Gewässerunterhalt des Freistaates. Die Schwarzach ist ein Gewässer der zweiten Ordnung und zuständig sind dafür die Wasserwirtschaftsämter mit ihren Flussmeisterstellen.

Die sind auch zuständig für die Planung und die Durchführung und die erfolgt auch anhand der großen Erfahrungen dieser Personen. Insgesamt sind mit dem Baggerführer in der Regel drei Leute im Einsatz bei dieser Baustelle. Wenn alles gut geht, sind die Arbeiten Anfang September fertig. Dann kann man in diesem Bereich an der Schwarzach spazieren und sich von der Schönheit der Renaturierung überzeugen.